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Berlusconi in Nöten
31. Januar 2011 13:37; Akt: 31.01.2011 14:54 Print
Die Schöne für die schmutzige Arbeit
Drei Stunden lang musste Nicole Minetti vor Mailands Staatsanwaltschaft aussagen. Der Verdacht: Sie soll für Silvio Berlusconi ein «Harem» zusammengestellt haben.
Nicole Minetti ist im Leben des italienischen Premierministers Silvio Berlusconi keine Frau der ersten Stunde – dafür eine mit einer sehr «verantwortungsvollen» Aufgabe: Die junge Frau steht im Verdacht, Mädchen – darunter auch Minderjährige – für die Partys in der Villa ihres Chefs aufgeboten zu haben.
Bildstrecken Berlusconis StolpersteineRuby, die HerzensbrecherinBerlusconis Karriere in BildernDie Nächste, bitte!Minettis Aufstieg ist tatsächlich rasant. Die junge Dentalhygienikerin traf den Cavaliere erstmals im Dezember 2009. Die 24-Jährige hatte kurz zuvor ihre Ausbildung abgeschlossen, da wurde sie in der Mailänder Klinik San Raffaele zu einem prominenten Patienten bestellt: Silvio Berlusconi, der von einem Irren auf dem Domplatz mit einem spitzen Gegenstand am Mund verletzt worden war, bedurfte zahnärztlicher Behandlung.
Ein Mädchen für alles
Silvio Berlusconi erholte sich rasch – und genau so schnell landete die attraktive Minetti auf der Wahlliste seiner Mitte-rechts-Partei Popolo della Libertà (Volk der Freiheit). Seit März 2010 sitzt Minetti nun als Abgeordnete im Regionalparlament in der Lombardei. Zuvor war die junge Frau in der TV-Show «Scorie» auf einem Berlusconi-Sender als Tänzerin aufgetreten.
Minetti bedankte sich bei Berlusconi für ihre schwungvolle Karriere offenbar mit ewiger Loyalität: Vor dem Richter und der Staatsanwaltschaft in Mailand stritt sie die Vorwürfe der Begünstigung zur Prostitution stets ab. Doch im 339 Seiten dicken Dossier dürfte es genug Material haben, um sie zu belasten – darunter Mitschriften mehrerer Telefongespräche mit Mädchen, die später an Berlusconis Partys anwesend waren. Am Sonntag musste sie dazu vor den Mailänder Staatsanwälten Stellung nehmen.
Das 1,2 Millionen-Euro-Geschenk
Der letzte Fall, der Berlusconi Kopfschmerzen verursachen könnte, ist jener der jungen Dominikanerin Marysthelle Polanco, die nach Auftritten an den berüchtigten Partys die italienische Bürgerschaft erhielt. Wie die italienische Zeitung «La Repubblica» schreibt, soll das Mädchen einen Anruf aus dem Palazzo Grazzioli, Berlusconis Residenz in Rom, erhalten haben, in dem ihr die direkte Telefonnummer eines Polizeichefs mitgeteilt wurde.
In weiteren Telefonmitschnitten soll die Rede von Geschenken des Premiers an junge Mädchen sein. Besonders brisant ist dabei die 1,2 Millionen Euro teure Villa, die der Cavaliere Raffaella Fico, einer ehemalige Teilnehmerin der italienischen «Big Brother»-Ausgabe, schenkte. Fico soll ausserdem Moderations-Aufträge in Sendungen von Berlusconis Mediaset-Gruppe erhalten haben.
Das grosszügige Geschenk an Fico soll laut einem Bericht der Zeitung «Il Messaggero» der loyalen Minetti nicht gepasst haben. Als sie davon erfuhr, soll sie sich über den Wahrheitsgehalt der Information erkundigt haben. Bei einer weiteren Partyteilnehmerin fragte sie nach: «Schatz, ist es wahr, dass (Raffaella) Fico ein Haus geschenkt bekommen hat? Wenn das so ist, mache ich einen Skandal daraus.»
Die Antwort auf ihre Frage dürfte «ja» gewesen sein - tags darauf schrieb Minetti ihrem Vater ein SMS auf Englisch: «Ich bin wütend, weil ich entdeckt habe, dass er einem Mädchen ein Haus gekauft hat, das 1,2 Millionen Euro kostet.»
(kle)



























