Umfrage

14. Februar 2011 13:24; Akt: 14.02.2011 13:57 Print

Italien traut dem Cavaliere nicht mehrItalien traut dem Cavaliere nicht mehr

Die andauernden Sex-Skandale von Silvio Berlusconi wirken sich nun doch negativ auf seine Vertrauenswürdigkeit aus. Nur noch jeder Dritte denkt gut über den Cavaliere.

Bildstrecke im Grossformat »
Der italienische Ministerpräsident muss sich wegen seiner mutmasslichen Sexaffäre mit der damals 17-jährigen Prostituierten Ruby und wegen Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten. Die 25-jährige lombardische Regionalrätin Nicole Minetti, die im Auftrag Berlusconis Ruby nach der Haftentlassung in Gewahrsam nahm, ist wegen Förderung der Prostitution mitangeklagt. Die Ermittler verdächtigen Berlusconi, mit einer «erheblichen Zahl» junger Prostituierter verkehrt zu haben, darunter auch die junge Brasilianerin Iris Berardi. Diese soll minderjährig gewesen sein, als sie an Festen in einer Villa Berlusconis in Arcore teilnahm. Das Callgirl Nadia Macri tauchte plötzlich in den Medien auf. Sie erzählte von Drogen für die angeheuerten Mädchen in Berlusconis sardischer Villa und von 5000 Euro pro Nacht für sexuelle Leistungen. Berlusconi intervenierte persönlich, um eine damals 17-jährige Prostituierte aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. Später plauderte «Ruby Rubacouri» Details über wilde Orgien in Berlusconis Villa in Arcore bei Mailand aus. Dabei sollen die Gäste in den Genuss von Bunga Bunga gekommen sein, einem angeblich erotischen Schauspiel, das Berlusconi bei seinem libyschen Freund Muammar Al-Gaddafi kennengelernt haben will. Patricia D'Addario gehört zu den 30 Frauen, die in einem Protokoll der Staatsanwaltschaft als Teilnehmerinnen an bis zu 18 Berlusconi-Partys genannt werden. Bei den Treffen sollen einige Frauen den Gästen auch für Sex zur Verfügung gestanden haben. Ebenfalls auf der Liste der Schönen, die angeblich Berlusconi trafen: Barbara Guerra. Der Unternehmer Gianpaulo Tarantini behauptete, er habe Treffen von Berlusconi mit Callgirls arrangiert. Auch die TV-Moderatorin Linda Santaguida tauchte in den brisanten Protokollen auf. Barbara Montereale: Auch sie schaffte es auf die Liste. Früher war diese Dame auf Pin-up-Kalendern zu finden. Silvio Berlusconi soll in Neapel zur Geburtstagsfeier der 18 Jahre alten Noemi Letizia erschienen sein. Die junge Frau behauptet, teure Geschenke vom «Cavaliere» bekommen zu haben und nennt ihn liebevoll «Papi». Angela Sozio war einmal Teilnehmerin an der italienischen Version von «Big Brother». Das reichte Berlusconi offensichtlich, um die junge Rothaarige als Kandidatin seiner Partei «Volk der Freiheit» für die Europawahl auszusuchen. Ehefrau Veronica Lario schäumte und rastete aus: «Ein schamloses Luder im Dienste der Macht», nannte sie Sozio. Auch die Schauspielerin Eleonora Gaggioli landete auf Berlusconis Liste für das Europa-Parlament. Die ehemalige TV-Moderatorin Barbara Matera ist die einzige aus der Gruppe der jungen und schönen Frauen, die es nach dem heftigen Streit um die Qualifikation dieser Kandidatinnen tatsächlich auf die Liste der Partei «Volk der Freiheit» für die Europawahl geschafft hat. Eine Bemerkung Berlusconis löste die bis dahin heftigste öffentliche Ehekrise aus. Damals hatte der «Cavaliere» über seine Ministerin für Gleichstellungsfragen behauptet: «Ich würde sie heiraten, wenn ich nicht schon verheiratet wäre.» Ex-Miss Carfagna begann ihre Karriere als Showgirl im italienischen Fernsehen und Nackt-Modell für diverse Herren-Magazine. Gutaussehende Damen förderte Berlusconi gerne - die schöne Stefania Prestigiacomo bekleidete einst das Amt der Gleichstellungsministerin. Dem Model Aida Yespica versprach der Ministerpräsident: «Mit dir ginge ich überall hin.» Prompt musste er sich öffentlich bei seiner damaligen Ehefrau Veronica Lario entschuldigen.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Nur noch knapp jeder dritte Italiener bewertet die Regierungsarbeit des stark angeschlagenen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi positiv. Und jeder vierte Berlusconi-Gegner ist dafür, den Regierungschef jetzt mit anhaltenden Demonstrationen zum Rücktritt zu zwingen.

Die römische Tageszeitung «La Repubblica» veröffentlichte am Montag diese Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Demos - sie zeigen Berlusconi auf einem Tiefstand in der Wertschätzung. Letztmals war er vor sechs Jahren so schlecht beurteilt worden.

Wieder eine Grossdemo

Am Sonntag hatten in Italien hunderttausende Frauen gegen den in eine Sexaffäre verstrickten Medienmogul aus Mailand demonstriert. Gespannt wurde zu Wochenbeginn erwartet, wie sich die zuständige Ermittlungsrichterin Cristina Di Censo zu einem Prozess gegen den 74-Jährigen wegen Amtsmissbrauchs und Beihilfe zur Prostitution stellen wird.

Die Richterin muss entscheiden, ob gegen Berlusconi wegen einer Affäre mit der damals noch 17-jährigen «Ruby» ein Schnellverfahren eröffnet wird, wie von den Staatsanwälten in Mailand beantragt. Der Prozess könnte dann im April beginnen.

Auch die Partei leidet

Nach der Demos-Umfrage geht eine Mehrheit der 1027 Befragten davon aus, dass sich Berlusconi ungestraft aus dieser jüngsten juristischen Affäre um seine Person ziehen wird.

Allerdings scheint auch das Vertrauen der Wähler in seine Partei PdL (Volk der Freiheit) nach der Umfrage stark geschrumpft. Lediglich noch 27,2 Prozent wollten für Berlusconis Partei stimmen - bei den Wahlen 2008 und 2009 waren es noch jeweils mehr als 35 Prozent gewesen.

(sda)