Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Umfrage
14. Februar 2011 13:24; Akt: 14.02.2011 13:57 Print
Italien traut dem Cavaliere nicht mehr
Die andauernden Sex-Skandale von Silvio Berlusconi wirken sich nun doch negativ auf seine Vertrauenswürdigkeit aus. Nur noch jeder Dritte denkt gut über den Cavaliere.
Nur noch knapp jeder dritte Italiener bewertet die Regierungsarbeit des stark angeschlagenen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi positiv. Und jeder vierte Berlusconi-Gegner ist dafür, den Regierungschef jetzt mit anhaltenden Demonstrationen zum Rücktritt zu zwingen.
Bildstrecken Berlusconis StolpersteineTausende «Berlusconis» protestieren gegen BerlusconiDie Schöne für die schmutzige ArbeitAus Berlusconis MundeRuby, die HerzensbrecherinNicht nur Kate winseltSchicksalstag für Silvio BerlusconiBerlusconis Karriere in BildernDie Nächste, bitte!Gescheiterte Politiker-Ehen Video
Interview mit Ruby Rubacuori
Berlusconis neustes Problem heisst Iris
Berlusconi und die Justiz
Zwei Strafverfahren sind gegen Silvio Berlusconi noch hängig:
Korruption: 1998 soll er seinem britischen Anwalt David Mills 600 000 US-Dollar bezahlt haben, damit dieser in Prozessen gegen seinen Medienkonzern Fininverst Falschaussagen macht. Im Februar 2009 wurde Mills deshalb zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde danach aber vom höchsten italienischen Strafgericht aufgehoben, weil die Vorwürfe verjährt waren.
Steuerbetrug und Unterschlagung: Berlusconi wird ausserdem verdächtigt, Rechte amerikanischer Filme zu Marktpreise erworben und dann an seine Firma Mediaset zehnmal teurer verkauft zu haben. Die Differenz sei auf Offshore-Konten von Mediaset-Managern einbezahlt worden.
Andere ältere Verfahren, die in erster Instanz sogar mit Gefängnisstrafen endeten aber deren Urteile wurden später aufgehoben wurden, dürften wieder aufgenommen werden. Darunter Vorwürfe wegen Bilanzfälschung aus dem Jahr 2002: Damals liess ein Gericht nach langen Beratungen als verjährt fallen. Angeblich hatte Berlusconi als Präsident des Fussballclubs AC Mailand 1992 den Millionentransfer für einen Spieler teils mit Schwarzgeld bezahlt und zu niedrig deklariert.
Ein Verfahren um Korruption beim Kauf des Buchverlags Mondadori stellten die Richter 2001 wegen Verjährung ein. Angeblich hatte Berlusconi die römische Justiz bestochen.
1999 wurde Berlusconi gerichtlich vom Vorwurf mutmasslicher Unregelmässigkeiten beim Kauf eines privaten Grundstücks freigesprochen. Wegen Verjährung und Amnestie entfiel jede weitere Strafverfolgung.
Wegen illegaler Parteienfinanzierung verurteilte ein Gericht Berlusconi 1998 zu 28 Monaten Haft. Ein Jahr später wurde das Urteil aufgehoben. In der Sache ging es um Zahlungen von damals umgerechnet 20 Millionen Mark (rund 15,5 Millionen Franken) auf schwarze Konten des ehemaligen sozialistischen Ministerpräsidenten Bettino Craxi.
Der Verdacht, Berlusconis früheres Unternehmen Fininvest habe Anfang der 90er Jahre 330 000 Mark Schmiergelder an Steuerprüfer gezahlt, endete 1998 mit Berlusconis Verurteilung zu 33 Monaten Haft. In einem Berufungsverfahren im Jahr 2000 wurde der damalige Oppositionschef aber freigesprochen.
Wegen Bilanzfälschung beim Erwerb der Filmverleihfirma Medusa in den 1980er Jahren verurteilte ein Gericht Berlusconi 1997 zu 16 Monaten Haft. Im Jahr 2000 wurde er wegen «erwiesener Unschuld» freigesprochen.
Weil er seine Mitgliedschaft in der berüchtigten Geheimloge P2 bestritten hatte, wurde Berlusconi 1990 wegen Meineids verurteilt. Das Urteil wurde in einer Berufungsverhandlung bestätigt, verfiel aber wegen einer Amnestie.
Die römische Tageszeitung «La Repubblica» veröffentlichte am Montag diese Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Demos - sie zeigen Berlusconi auf einem Tiefstand in der Wertschätzung. Letztmals war er vor sechs Jahren so schlecht beurteilt worden.
Wieder eine Grossdemo
Am Sonntag hatten in Italien hunderttausende Frauen gegen den in eine Sexaffäre verstrickten Medienmogul aus Mailand demonstriert. Gespannt wurde zu Wochenbeginn erwartet, wie sich die zuständige Ermittlungsrichterin Cristina Di Censo zu einem Prozess gegen den 74-Jährigen wegen Amtsmissbrauchs und Beihilfe zur Prostitution stellen wird.
Die Richterin muss entscheiden, ob gegen Berlusconi wegen einer Affäre mit der damals noch 17-jährigen «Ruby» ein Schnellverfahren eröffnet wird, wie von den Staatsanwälten in Mailand beantragt. Der Prozess könnte dann im April beginnen.
Auch die Partei leidet
Nach der Demos-Umfrage geht eine Mehrheit der 1027 Befragten davon aus, dass sich Berlusconi ungestraft aus dieser jüngsten juristischen Affäre um seine Person ziehen wird.
Allerdings scheint auch das Vertrauen der Wähler in seine Partei PdL (Volk der Freiheit) nach der Umfrage stark geschrumpft. Lediglich noch 27,2 Prozent wollten für Berlusconis Partei stimmen - bei den Wahlen 2008 und 2009 waren es noch jeweils mehr als 35 Prozent gewesen.
(sda)



























