Rubygate

06. Juli 2011 13:09; Akt: 06.07.2011 14:12 Print

Wer richtet über den Cavaliere?Wer richtet über den Cavaliere?

Das italienische Verfassungsgericht hat Beratungen darüber begonnen, welches Gericht künftig für den Sexprozess gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi zuständig sein soll.

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Der italienische Ministerpräsident muss sich wegen seiner mutmasslichen Sexaffäre mit der damals 17-jährigen Prostituierten Ruby und wegen Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten. Die 25-jährige lombardische Regionalrätin Nicole Minetti, die im Auftrag Berlusconis Ruby nach der Haftentlassung in Gewahrsam nahm, ist wegen Förderung der Prostitution mitangeklagt. Die Ermittler verdächtigen Berlusconi, mit einer «erheblichen Zahl» junger Prostituierter verkehrt zu haben, darunter auch die junge Brasilianerin Iris Berardi. Diese soll minderjährig gewesen sein, als sie an Festen in einer Villa Berlusconis in Arcore teilnahm. Das Callgirl Nadia Macri tauchte plötzlich in den Medien auf. Sie erzählte von Drogen für die angeheuerten Mädchen in Berlusconis sardischer Villa und von 5000 Euro pro Nacht für sexuelle Leistungen. Berlusconi intervenierte persönlich, um eine damals 17-jährige Prostituierte aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. Später plauderte «Ruby Rubacouri» Details über wilde Orgien in Berlusconis Villa in Arcore bei Mailand aus. Dabei sollen die Gäste in den Genuss von Bunga Bunga gekommen sein, einem angeblich erotischen Schauspiel, das Berlusconi bei seinem libyschen Freund Muammar Al-Gaddafi kennengelernt haben will. Patricia D'Addario gehört zu den 30 Frauen, die in einem Protokoll der Staatsanwaltschaft als Teilnehmerinnen an bis zu 18 Berlusconi-Partys genannt werden. Bei den Treffen sollen einige Frauen den Gästen auch für Sex zur Verfügung gestanden haben. Ebenfalls auf der Liste der Schönen, die angeblich Berlusconi trafen: Barbara Guerra. Der Unternehmer Gianpaulo Tarantini behauptete, er habe Treffen von Berlusconi mit Callgirls arrangiert. Auch die TV-Moderatorin Linda Santaguida tauchte in den brisanten Protokollen auf. Barbara Montereale: Auch sie schaffte es auf die Liste. Früher war diese Dame auf Pin-up-Kalendern zu finden. Silvio Berlusconi soll in Neapel zur Geburtstagsfeier der 18 Jahre alten Noemi Letizia erschienen sein. Die junge Frau behauptet, teure Geschenke vom «Cavaliere» bekommen zu haben und nennt ihn liebevoll «Papi». Angela Sozio war einmal Teilnehmerin an der italienischen Version von «Big Brother». Das reichte Berlusconi offensichtlich, um die junge Rothaarige als Kandidatin seiner Partei «Volk der Freiheit» für die Europawahl auszusuchen. Ehefrau Veronica Lario schäumte und rastete aus: «Ein schamloses Luder im Dienste der Macht», nannte sie Sozio. Auch die Schauspielerin Eleonora Gaggioli landete auf Berlusconis Liste für das Europa-Parlament. Die ehemalige TV-Moderatorin Barbara Matera ist die einzige aus der Gruppe der jungen und schönen Frauen, die es nach dem heftigen Streit um die Qualifikation dieser Kandidatinnen tatsächlich auf die Liste der Partei «Volk der Freiheit» für die Europawahl geschafft hat. Eine Bemerkung Berlusconis löste die bis dahin heftigste öffentliche Ehekrise aus. Damals hatte der «Cavaliere» über seine Ministerin für Gleichstellungsfragen behauptet: «Ich würde sie heiraten, wenn ich nicht schon verheiratet wäre.» Ex-Miss Carfagna begann ihre Karriere als Showgirl im italienischen Fernsehen und Nackt-Modell für diverse Herren-Magazine. Gutaussehende Damen förderte Berlusconi gerne - die schöne Stefania Prestigiacomo bekleidete einst das Amt der Gleichstellungsministerin. Dem Model Aida Yespica versprach der Ministerpräsident: «Mit dir ginge ich überall hin.» Prompt musste er sich öffentlich bei seiner damaligen Ehefrau Veronica Lario entschuldigen.

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Das italienische Verfassungsgericht hat am Mittwoch beschlossen, einen Antrag der Abgeordnetenkammer anzunehmen, der die Zuständigkeit der Mailänder Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen im Sexskandal gegen Italiens Premier Silvio Berlusconi bestreitet. Die Verfassungsrichter urteilten, dass sie für den Fall zuständig sind, sie wollen aber erst in einigen Monaten bekanntgeben, ob der sogenannte «Ruby-Prozess» weiterhin vor einem Schwurgericht in Mailand verhandelt werden, oder es vor einem speziellen Ministergericht stattfinden soll, wie es Berlusconi fordert.

Berlusconi hatte in der Abgeordnetenkammer einen Antrag auf Einspruch gegen das mit seinem Sexprozess beschäftigte Gericht in Mailand durchgesetzt und ihn dem Verfassungsgericht vorgelegt. Die Mailänder Justiz sei in der Frage des Amtsmissbrauchs gar nicht zuständig, heisst es im Antrag. Ein Ministergericht, das den Premierminister für Vergehen beurteile, die er bei der Ausübung seines Amtes begangen habe, müsse für den Fall entscheiden.

Der Einspruch von Berlusconi gegen die Zuständigkeit des Mailänder Gerichts könnte dazu führen, dass der Prozess neu aufgerollt werden muss. Auch alle belastenden Ermittlungsergebnisse der Mailänder Staatsanwälte gegen den Premier wären im Falle einer Ablehnung des Mailänder Gerichts vermutlich ungültig.

Auch Anklage wegen Amtsmissbrauchs

Seit dem 6. April muss sich Berlusconi wegen Amtsmissbrauch und Sex mit einer minderjährigen Prostituierten in einem Schnellverfahren verantworten. Die nächste Gerichtsverhandlung ist am 18. Juli geplant.

Der 74 Jahre alte Premier wird auch des Amtsmissbrauchs beschuldigt, weil er in der Nacht des 27. Mai 2010 persönlich bei einem hochrangigen Funktionär bei der Mailänder Polizei angerufen hatte, um die damals 17-jährige Prostituierte Ruby aus dem Polizeigewahrsam freizubekommen.

Erschwert wird die Lage des Regierungschefs wegen des Verdachts, mit der minderjährigen Marokkanerin auch Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Dies kann in Italien bis zu drei Jahre Haft nach sich ziehen.

(sda)