Blocher tritt an

17. November 2008 21:20; Akt: 18.11.2008 09:37 Print

Blocher lässt sich wählenBlocher lässt sich wählen

Bundesrat Christoph Blocher lässt sich von seiner Kantonalpartei erneut in den Bundesratswahlkampf schicken. Seine Mitstreiter üben sich in Kadavergehorsam - und wahren ihre eigenen Chancen.

Bildstrecke im Grossformat »
Das Kandidatenkarussell ist eröffnet: Wer soll Schmids Nachfolger werden? Am Donnerstagnachmittag, 27. November, entscheidet die SVP-Fraktion über die offizielle Kandidatur. Vom Parteipräsidenten zum Bundesrat: Der Zürcher Nationalrat Ueli Maurer (57) ist Kronfavorit, obwohl er sich selbst als die Nummer Zwei bezeichnet — nach Christoph Blocher. Die Nummer Eins auf dem Zweierticket der SVP-Fraktion: alt Bundesrat Christoph Blocher. In der Bundesversammlung hat er kaum eine Chance. War lange Favorit: Der «Richard Gere des Berner Oberlands», Nationalrat und SVP-Vizepräsident Adrian Amstutz (54). Fraktionschef und Nationalrat Caspar Baader (54) war ebenfalls ein grosser Favorit. Seine Kantonalpartei Basel-Land hat ihn ins Rennen geschickt. Der Hardliner ist aber nicht unumstritten bei den anderen Parteien. Ausserdem nominierte die Berner Sektion am 17. November auch den national kaum bekannten Nationalrat Andreas Aebi. Er befürwortet die Personenfreizügigkeit, über die im Februar abgestimmt wird. Die SVP Frauen portieren die einzige Frau: Die Zürcher Regierungsrätin Rita Fuhrer (55) war bereits vor acht Jahren offizielle Bundesratskandidatin. Gewählt wurde Samuel Schmid. Der Kandidat der Jungen: Der Berner Erich J. Hess ist von der Jungen SVP, deren Präsident er ist, als Kandidat vorgeschlagen worden. Er hat keine Chancen, gewählt zu werden. Die Westschweiz hat ebenfalls einen offizieller Kandidaten. Die Waadtländer Kantonalpartei hat Staatsrat Jean-Claude Mermoud vorgeschlagen. Die SVP des kleinen Kantons Schaffhausen meldet gleich zwei mögliche Kandidaten an die Fraktion nach Bern: Der Ständerat Hannes Germann (links). Und auch Nationalrat Thomas Hurter (rechts) wurde nominiert. Einen Tag vor dem Fraktionsentscheid hat er seine Kandidatur zurückgezogen. Bereits von der Kantonalpartei nominiert ist der Schwyzer Nationalrat und Auns-Präsident Pirmin Schwander. Seine Chancen gelten als klein. Doch noch vorgeschlagen wurde Nationalrat Bruno Zuppiger (56) — nicht von der Kantonalpartei, sondern vom Bezirk Hinwil. Er ist bei den anderen Parteien beliebt, gilt aber in der SVP als zuwenig hart. Nicht zu den offiziell Vorgeschlagenen gehört Jean-François Rime (58) aus Freiburg. Ein genannter Name war auch der Neuenburger Yvan Perrin (42). Die Westschweizer haben aber kaum Chancen auf eine offizielle Nominierung durch die SVP-Fraktion. Nationalratspräsident André Bugnon (VD) hat kaum Chancen mehr, da ihn seine Kantonalpartei nicht portiert hat. Ebenso Guy Parmelin aus dem Kanton Waadt. Er gilt als Zukunftshoffnung und könnte deshalb für eine spätere Kandidatur zurückgehalten worden sein. Nach einer Bedenkzeit hat sich der Thurgauer Nationalrat und Präsident des Bauernverbands Hansjörg Walter am 23. November entschieden: Er wird nicht kandidieren. Hat sich selbst ins Spiel gebracht — und will jetzt doch nicht: Der Berner Nationalrat Hansruedi Wandfluh wäre ein möglicher Kompromisskandidat gewesen. War lange als möglicher SVP-Bundesrat gehandelt worden: Zug- und Traktorverkäufer Peter Spuhler (49) aus dem Thurgau. Inzwischen hat er gesagt, dass er nicht zur Verfügung stehe. Die Grünen wollen einen Bundesrat ohne SVP. Sie haben deshalb ihren Waadtländer Ständerat Luc Recordon für die Nachfolge von Samuel Schmid nominiert. Der ewige Sprengkandiat: CVP-Fraktionspräsident Urs Schwaller (FR). Wenn Christoph Blocher einziger Kandidat der SVP ist, will will die CVP eine eigene Kandidatur prüfen.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

«Alles andere als der Name Blocher wäre mit einem Kurswechsel verbunden gewesen und dies wollen wir nicht», sagte der Zürcher Parteipräsident Ueli Maurer am Montagabend vor den Medien in Zürich. Die Schweiz stehe angesichts der drohenden Rezession der Weltwirtschaft vor schwierigen Zeiten und brauche eine standfeste Regierung. Es gebe zahlreiche innenpolitische Brandherde, die zu Flächenbränden werden könnten: Maurer nannte die Sozialwerke, die wieder zunehmende Flut von Asylbewerbern sowie die Armee, die führungslos dastehe, die Steuer- und Finanzpolitik. Zudem müsse die Politik der SVP wieder im Bundesrat vertreten sein. Der Parteivorstand sei klar der Meinung, dass der fähigste Mann für solche Zeiten Blocher sei. Alles andere wäre mit einem Kurswechsel verbunden.

«Wenn es sein muss, mache ich es»

Der 68-jährige Christoph Blocher sagte vor den Medien, er nehme den Auftrag der Partei an, auch wenn es «etwas unappetitlich» sei, an diesem Bundesratswahlkampf teilzunehmen: «Wenn es sein muss, dann mache ich es.» Ein Verzicht auf seine Nomination hätte die andern Parteien vom Nein-Sagen dispensiert. Die SVP brauche noch «einen zweiten». Er wisse aber noch nicht, ob er mitmache, wenn eine Zweierkandidatur aufgestellt würde. Beide Kandidaten müssten dann auf gleicher Ebene behandelt werden. Alles andere wäre «eine Schlaumeierei». Falls «die andern» Nein sagten, bedeute das klar wieder Opposition.

Angesichts der von Maurer geschilderten Probleme sei die Regierung gefordert, sagte Blocher weiter. Die Armee sei nicht mehr einsetzbar und nicht mehr führbar. Dies sei schlecht angesichts der bevorstehenden Probleme. Es brauche eine unglaubliche Führung. Blocher betonte, die SVP, die von ihrer Oppositionsrolle mehr profitiert habe als er je erwartet hätte, müsse wieder ihrer Stärke entsprechend im Bundesrat vertreten sein.

Mit Maurer selber, Regierungsrätin Rita Fuhrer und Nationalrat Bruno Zuppiger waren weitere Zürcher Politiker im Gespräch um eine eventuelle Zürcher Kandidatur gewesen. Die Delegierten der SVP Zürich müssen den Vorschlag des Kantonalvorstandes am kommenden Montag noch genehmigen.

«Wenn man mich will ...»

Christoph Blocher selber hatte aus seinen Comeback-Plänen keinen Hehl gemacht, auch wenn er nie direkt von einer Rückkehr in den Bundesrat sprach. Am Tage des Rücktritts von Samuel Schmid sagte Blocher auf seinem Internet-TV-Sender «Teleblocher», die Fraktion müsse bestimmen, ob er Kandidat sei. Falls diese zum Schluss komme, dass er antreten müsse, dann «überlege ich es mir».

Der Vorschlag werde am kommenden Montag der Delegiertenversammlung unterbreitet. Diese bereinigt den Vorschlag der Zürcher SVP an die SVP-Fraktion der Bundesversammlung am kommenden Montag. Die Fraktion entscheidet am 27. November.

Ulrich Giezendanner (SVP AG) zeigte sich in der Sendung «10vor10» enttäuscht über den Einervorschlag; die selbstgewählte Opposition gehe für ihn nicht.

Blocher war am 12. Dezember 2007 bei der Bundesratswahl nicht wiedergewählt worden. Stattdessen holte das Parlament die Bündner SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat. Die SVP hatte darauf den Gang in die Opposition angekündigt. Seit der Wahl von Toni Brunner zum Parteipräsidenten im März 2008 ist Blocher in der Parteileitung für die Strategie der SVP zuständig.

Bekannter und Newcomer aus Bern

Die Berner SVP schlägt mit Adrian Amstutz einen etablierten Politiker und mit Andreas Aebi einen Newcomer für die Nachfolge von Bundesrat Samuel Schmid im Bundesrat vor. Beide kommen aus dem ländlichen Raum.

Adrian Amstutz sagte auf Anfrage, er habe bisher Ambitionen auf einen Bundesratssitz mit Blick auf sein Geschäft verneint. Nun habe er sich anders organisiert und spüre den für eine Kandidatur nötigen Rückhalt. Auch Aebi sprach davon, dass er viel Unterstützung gespürt habe.

Der Vorschlag des SVP-Vorstands ist im Gegensatz zu jenem der Zürcher SVP endgültig. Im Kanton Bern muss die Nominierung der Bundesratskandidaten nicht von einer Delegiertenversammlung beschlossen werden.

Nicht zur Auswahl stand Nationalrat Rudolf Joder. Dieser hatte am Wochenende seinen Verzicht bekannt gegeben. Nachdem auch der Oberländer Nationalrat und Unternehmer Hansruedi Wandfluh abwinkte, wurde Andreas Aebi angefragt.

Die SVP des Kantons Waadt portierte am Montagabend Staatsrat Jean-Claude Mermoud. Mermoud war 1998 in die Waadtländer Regierung gewählt worden und war zuerst Chef des Departements für Sicherheit und Umwelt. Seit 2007 ist er Vorsteher des Departements für Wirtschaft.

Fünf im Rennen

Zusammen mit dem Berner Stadtparlamentarier Erich Hess von der Jungen SVP sowie dem Schwyzer Nationalrat und AUNS-Präsidenten Pirmin Schwander hat sich der Kreis der Kandidaten nun auf fünf Namen ausgeweitet.

Aus einer Reihe weiterer Kantone werden in den nächsten Tagen Nominierungen von möglichen Bundesratskandidaten der SVP erwartet. Die SVP-Bundeshausfraktion entscheidet am 27. November, mit wem sie am 10. Dezember zur Bundesratswahl antreten will.

Heinz Tännler winkt ab

Nicht ins Rennen steigt der Zuger Regierungsrat Heinz Tännler, wie er am Montag eine Meldung des Regionaljournals Zentralschweiz von Radio DRS bestätigte. Der Vorstand der Kantonalpartei hatte die Nomination Tännlers einstimmig beschlossen - unter dem Vorbehalt, dass der Wunschkandidat dies auch wolle.

Am Sonntagabend erklärte Tännler der Parteileitung, er stehe nicht zur Verfügung. Er sei vor zwei Jahren in den Regierungsrat gewählt worden. Im Kanton stünden wichtige Herausforderungen an, die nun anzugehen seien. Dafür sei er auch gewählt worden.


(kub/SDA/AP)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Konko R. Danz am 24.11.2008 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    Das Unwort des Jahres

    Konkordanz ist das Unwort des Jahres. Hört auf mit dem Schrott - Politiker sollten eine eigene Meinung haben und diese durchsetzen und nicht die ständige Harmonie suchen. Sonst können wir ja gleich 7 SP Bundesräte wählen.

  • Pierre Perrenoud am 23.11.2008 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ehemaliger Gymnasiallehrer

    Ich bin mit Herrn Blocher einverstanden, dass "der Zweitbeste" Kandidat der SVP auch eine gute Wahl wäre.

  • gerdes, bernd am 23.11.2008 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    rentner

    herr blocher hat mehrfach geäussert, das er bei einer wahl wieder gegen 6 bundesräte opponieren müsste, wo bleibt da die konkordanz? im übrigen halte ich herrn blochers fähigkeiten für überbewertet und sein altersbedingter starrsinn spricht nicht für ihn.