Kandidat Maillard

27. Oktober 2011 09:14; Akt: 01.11.2011 15:46 Print

«Zusammenarbeit mit SVP müsste möglich sein»«Zusammenarbeit mit SVP müsste möglich sein»

Der ehemalige Gewerkschafter Pierre-Yves Maillard will Bundesrat werden. Was er besser kann als Favorit Alain Berset, will er jedoch nicht sagen.

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Am 14. Dezember entscheidet sich, wie der Bundesrat künftig zusammengesetzt ist. Insbesondere die Wahl von BDP-Vertreterin Eveline Widmer-Schlumpf ist gefährdet. Die SVP greift ihren Sitz an. Zudem muss die SP den Sitz von Micheline Calmy-Rey verteidigen. Die SVP tritt mit einem Zweierticke an. Der Fribourger Nationalrat ist der Westschweizer Kandidat. Als Deutschschweizer Kandidat hat die SVP am 8. Dezember den Nationalratspräsidenten aufgestellt. Er entspricht nicht dem ursprünglichen Wunsch der SVP-Fraktion, wurde er doch nur für Bruno Zuppiger eingewechselt. Ursprünglich schickte die SVP-Fraktion an Rimes Seite den Zürcher Nationalrat und Gewerbeverbandspräsidenten ins Rennen. Nachdem die «Weltwoche» am 7. Dezember publik gemacht hatte, dass er sich möglicherweise der Veruntreuung schuldig gemacht hatte, zog sich Zuppiger einen Tag später zurück. Für die Nomination vom 1. Dezember hatte sich aus der Romandie auch der Waadtländer SVP-Nationalrat beworben - allerdings chancenlos. Auch der von der Schaffhauser Kantonalpartei vorgeschlagene Ständerat hat es nicht geschafft. Er gilt als moderater SVPler, der auch mal die Parteileitung kritisiert. Von zahlreichen SVP-Politikern genannt wurde der Zuger Baudirektor In Bern ist er aber wenig bekannt und er wurde von der SVP nicht nominiert. Auch der Thurgauer SVP-Regierungsrat kämpft nicht für den zweiten SVP-Bundesratssitz. Die SP-Fraktion hat zwei Kandidaten nominiert. National bekannt ist der 39-jährige Freiburger Ständerat Der zweite Sozialdemokrat auf der Fraktionsempfehlung ist Der 43-jährige Waadtländer Regierungsrat sass von 1999 bis 2004 im Nationalrat und ist heute Gesundheitsdirektor. Offiziell nicht nominiert hat die SP-Fraktion die Tessiner Ärztin und Nationalrätin Guscetti. Sie stösst aber bei den SP-Frauen auf Sympathien. Ausserdem wäre das Tessin nach zwölf Jahren gerne wieder im Bundesrat vertreten.

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Sind Sie nicht zu links für ein Sitz im Bundesrat?
Pierre-Yves Maillard:Immerhin ist klar, wo ich politisch stehe. Die Parlamentarier wissen, wen sie wählten. Der Vorwurf kommt immer wieder auf, weil ich Ende 90er Jahre als Parlamentarier stets den Service public verteidigt habe. Ich fand es keine gute Idee, die SBB, die Swisscom oder die Kantonalbanken an Private zu verkaufen. Heute kommen meine damalige Kämpfe jedoch in einem ganz anderen Licht daher.

Sie haben bis nach den Wahlen gewartet, um Ihre Kandidatur bekanntzugeben. Welchen Einfluss hatten die Wahlresultate?
Die haben eine grosse Rolle gespielt. Bei einem Rechtsrutsch hätte ich auf eine Kandidatur verzichtet. Wir haben jedoch im Kanton Waadt zwei Sitze gewonnen und sind jetzt beinahe bei einem Wähleranteil von 25 Prozent. Das ist das beste Resultat in der Geschichte der Waadtländer SP. Das unterstützt natürlich auch eine Kandidatur auf Bundesebene.

Weshalb wollen Sie Bundesrat werden?
Zum einen ist es das Gefühl, dass im Bundesrat meine politische Erfahrung nützlich sein könnte. Unser Land steht vor grossen Problemen, denn das Umfeld der Schweiz steckt in einer schwierigen Krise. Diese Situation ist mir jedoch nicht neu. Wir hatten im Kanton Waadt ebenfalls eine schwierige Krise, aber wir haben sie gemeistert. Zum anderen ist es das Recht des Kantons Waadt, im Bundesrat vertreten zu sein.

Weshalb sollte der Kanton Waadt Anspruch auf einen Bundesratssitz haben?
Wenn der Bundesrat wirklich repräsentativ sein soll, brauchen wir auch Leute aus dem Arc lémanique. Seit Jean-Pascal Delamuraz haben wir keinen Waadtländer Bundesrat mehr.

Während der Arc lémanique bis Ende Jahr noch mit der Genferin Micheline Calmy-Rey vertreten ist, stellt die italienische Schweiz seit zwölf Jahren keinen Vertreter mehr im Bundesrat. Ist der Anspruch einer Sprachregion, der sogar verfassungsmässig gegeben ist, nicht höher zu gewichten als die Vertretung eines einzelnen Kantons?
Natürlich gelten sämtliche Ansprüche, die für eine Waadtländer Vertretung im Bundesrat sprechen, auch für eine Tessiner Vertretung. Ob es jedoch bei dieser Wahl sein soll? Sicher wäre es nicht gut, wenn das neuste Bundesratsmitglied weder aus dem Kanton Waadt noch aus dem Kanton Tessin käme.

Sprechen Sie italienisch?
Ich verstehe sehr gut italienisch, aber ich spreche es nur in den Ferien. Für Amtsgeschäfte würde mein Wortschatz wohl nicht ausreichen. (lacht)

Wie sieht es mit Ihren Deutschkenntnissen aus?
Ich bin nicht bilingue, aber ich kann mich auf Deutsch ausdrücken. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass gutes Französisch oft besser verstanden wird als schlechtes Deutsch. Vom Niveau her stehe ich wohl irgendwo zwischen Pascal Couchepin und Didier Burkhalter.

Dann sprechen Sie etwa so gut wie ihr härtester Konkurrent, Alain Berset. Gibt es auch etwas, das Sie besser können als der Freiburger?
Bei dieser Wahl gibt es mehr als nur zwei Kandidaten. Und alle bisher bekannten Kandidaten wären fähige Bundesräte.

Alain Berset?
Berset hat viele Fähigkeiten. Ich habe Erfahrungen auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene. Und ich habe Regierungserfahrung.

Letztere hat Berset nicht. Wie wichtig ist das?
Das ist zumindest nützlich, wenn man das höchste Exekutivamt bekleiden will. Der Schweiz geht es so gut, weil wir sehr autonome Kantone haben. Wer so nahe an der Bevölkerung politisiert, kann diese Erfahrung im Bundesrat gut einbringen.

Wie sollte Ihrer Meinung nach der Bundesrat künftig zusammengesetzt sein?
Das ist eine Frage, die die Fraktionen beantworten müssten. Bei den Bundesratswahlen wird die Parteizugehörigkeit sicher eine Rolle spielen. Entscheidend ist, wie sich die verschiedenen Persönlichkeiten in den nächsten Wochen engagieren werden.

Sie weichen aus. Hat die SVP Anspruch auf zwei Sitze im Bundesrat?
Natürlich hätte sie das. Ich habe in Bezug zur SVP keine Berührungsängste. Mit SVP-Regierungsrat Jean-Claude Mermoud, der leider vor einigen Wochen gestorben ist, habe ich immer sehr gut zusammengearbeitet. Ich gehe davon aus, dass das auch auf Bundesebene möglich sein müsste.

Welches Departement würden Sie denn gerne übernehmen, das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation oder das Innendepartement?
Ich interessiere mich für verschiedene Departemente. In gewissen hätte ich mehr Kompetenzen als in anderen. Sollte ich gewählt werden, wünschte ich mir, dass der Bundesrat die Departemente nach Fähigkeiten verteilen würde.

Was sagt eigentlich Ihre Familie zu Ihrer Kandidatur?
Ich habe das natürlich mit meiner Frau diskutiert und sie ist damit einverstanden. Wissen Sie, mein heutiges Mandat als Regierungsrat ist auch nicht so einfach. Ich habe jedoch Lösungen gefunden, um alles unter einen Hut zu bringen, und fühle mich auch in meiner Funktion als Vater wohl.

Aufgezeichnet von Ronny Nicolussi

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  • Chris von Swiss am 30.10.2011 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Nein!

    Wohin uns die Politik der SP führen möchte, das sehen wir sehr schön in Griechenland! Nein Danke!!

  • Hans Meier am 27.10.2011 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Staatsmännische Töne

    Das sind ganz andere (staatsmännische) Töne von Pierre-Yves Maillard im Vergleich zu denen von den SVP-Exponenten.

    • peter bob am 27.10.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      Sind diese gefragt?

      Sind Sie sicher dass solche staatsmännische Worte gegenüber der EU gefragt sind? Brauchen wir dafür nicht harte Worte und solide Stellungsnahmen? Alles zu seiner Zeit - Softies sind in harten Zeiten sicher nicht gefragt.

    • simon gerber am 27.10.2011 13:42 Report Diesen Beitrag melden

      mitten in europa

      @Peter bob. Bitte nimm mal eine Landkarte zur Hand und sag mir wo die Schweiz geographisch liegt. Wir sind nunmal mitten in Europa das lässt sich schlecht ändern. Darum ist es auch besser miteinander zu diskutieren als sich SVP artig abzugrenzen

    • Jerome am 27.10.2011 14:32 Report Diesen Beitrag melden

      @ peter bob

      Um ein Land in der Regierung weiterzubringen, braucht es eben Fingerspitzengefühl und die Bereitschaft, auch auf andere einzugehen. Schliesslich sind wir auf die anderen genauso angewiesen wie diese auf uns. Laut bellen und jede Idee abblocken, weil es nicht schon unsere Urgrossväter vermeintlich so gemacht haben, bringt zwar den einen oder anderen Wähler ("die sagen wenigstens was"), bringt aber das Land nicht weiter. Die SVP hätte zwar auch einige Mitglieder mit staatsmännischen Qualitäten - aber die haben parteiintern einen schweren Stand.

    • Michael am 27.10.2011 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      Wen ich gerne hätte....

      Wir brauchen Leute, die hart sind im verteidigen unserer Ansprüch aber genug schlau, eingeständnisse zu machen falls dies vonnöten ist. Sollte Herr Maillard dies können, ok... Ansonsten: Pascale Bruderer vor President :-) (leider redet Sie zu wenig Französisch ;-))

    • peter bob am 27.10.2011 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      Na dann!!

      Sofort in die EU unser Parlament auflösen und die Vorgaben der EU akzeptieren. Das kommt billiger: keine Abstimmungen, keine Beamten, keine Politiker... was wollt ihr mehr?

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