Neben dem Platz

14. Dezember 2011 11:02; Akt: 14.12.2011 14:05 Print

Grosses Buffet für Berset

Die Bundesratswahlen gehen um die Welt. Ein indischer Korrespondent beobachtet das Treiben in Bern mit Argusaugen. Derweil müssen Boxhandschuhe weiter draussen bleiben. Und Blocher muss sich vor Journalisten retten.

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Berset stürmt das Buffet
Der neugewählte SP-Bundesrat Alain Berset erlebt heute einen intensiven Tag: Neben dem aufregenden Wahlprozedere und dem darauf folgenden Interviewmarathon erhofft sich der Freiburger aber doch noch ein paar ruhige Minuten, um sich zur Feier des Tages einen Schluck Wein zu gönnen.

Die Gelegenheit dazu bieten ihm «Les bourgeoises de Fribourg», eine Frauenvereinigung aus der Stadt Freiburg. «Wir sind sehr stolz, dass es unser Ständerat Alain Berset geschafft hat», sagt Anne-Marie Jaquier-Aebischer. Mit ihren elf Kolleginnen hat sie einen aufwändigen Apéro organisiert und wartet nun in traditioneller Kleidung auf die Ankunft des neuen Bundesrats. Der bereitstehende Wein stammt von einem Gut des Kantons Freiburg, das auf waadtländischem Boden steht - ausgerechnet dem Kanton von Bersets Widersacher Pierre-Yves Maillard.

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Blocher wird auf Toilette verfolgt
Christoph Blocher kann heute keine ruhige Minute verbringen - nicht mal, wenn er auf die Toilette muss. Als der SVP-Chefstratege vorhin aus dem Nationalratssaal kam, wurde er sogleich von einem Pulk von Journalisten bedrängt, die ihn nach dem allfälligen Gang in die Opposition befragen wollten.

Blocher musste sich den Weg richtiggehend freikämpfen. Ein besonders neugieriger Reporter folgte ihm gar auf die Toilette, kam kurz darauf aber wieder raus. «Ich wollte nur nachschauen, ob es dort vielleicht einen Geheimausgang hat», so der Journalist.

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Inder sehen Destabilisierung der Schweiz
Die Gesamterneuerung des Bundesrats stösst auf ein gewaltiges Medienecho - und zwar nicht nur hierzulande. Vijay Kumar Singh ist Korrespondent für die indische Nachrichtenagentur «Indian News Agency» und beobachtet die Wahl mit wachsamem Auge: «Meine Landsleute interessieren sich sehr wohl für schweizerische Politik. Die Schweiz gilt bei uns als Paradebeispiel für demokratische Stabilität.»

Genau diese sei mit der heutigen Wahl, bei welcher der grössten Partei ihre angemessene Vertretung in der Regierung verweigert werde, aber in Gefahr. Demzufolge wird der Titel seines Artikels lauten: «Die Schweiz rutscht in die politische Instabilität.»

Hintergrund von Singhs Berichterstattung von der schweizerischen Bundesratswahl ist der Staatsbesuch der indischen Präsidentin Pratibha Patil Anfang Oktober. Dieser habe in Indien ein grosses Echo ausgelöst und das Interesse an der Eidgenossenschaft erst recht geweckt. Dennoch tippe jeweils noch kaum jemand auf die Schweiz, wenn gefragt werde, welches Land alljährlich seine Präsidentschaft auswechsle - diese Frage sei in indischen Quizshows nämlich sehr beliebt, schmunzelt Singh.

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Keine Boxhandschuhe im Bundeshaus
Weil ihm die Parlamentsdienste kürzlich untersagten, seine unorthodoxen Polit-Interviews weiterhin mit Hilfe eines Boxhandschuhs zu führen, hat es Ludovic Rocchi unter der Bundeshauskuppel zu einiger Berühmtheit gebracht: «Ich werde auch von Parlamentariern dauernd auf diese Geschichte angesprochen», so der Journalist von «LeMatin.ch».

Er will den Kampf für sein berühmtes Accessoire noch nicht aufgeben: «Wir sind mit den Parlamentsdiensten im Gespräch», so Rocchi. Sollten diese ihr Verbot aufrechterhalten, hat er allerdings bereits einen Plan B im Köcher: «Dann nehme ich halt eine Blume zur Hilfe.»

(fum)