Hansjörg Walter

14. Dezember 2011 12:15; Akt: 14.12.2011 14:12 Print

Das Bauernopfer der SVP

von Peter Blunschi - Hansjörg Walter ist als Bundesratskandidat gescheitert – bereits zum zweiten Mal. Vor drei Jahren verlor er wegen seiner Loyalität zur SVP, nun wurde er von ihr verheizt.

Hansjörg Walternimmt gegenüber 20 Minuten Online Stellung zu seiner verpatzten Bundesratskandidatur.
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Ende 2008 trat BDP-Bundesrat Samuel Schmid zurück. Die SVP wollte nach einem ziemlich missglückten Jahr in der Opposition in die Landesregierung zurückkehren. Nominiert wurde ein Zürcher Zweierticket mit Christoph Blocher und Ueli Maurer. Dass Blocher nur ein Jahr nach seiner Abwahl ein Comeback anstrebte, stiess vor allem bei jener Mitte-links-Koaltion auf Ablehnung, die ihn durch Eveline Widmer-Schlumpf ersetzt hatte.

Hinter den Kulissen wurde ein Alternative zum «Hardliner»-Duo Blocher/Maurer gesucht. In den Fokus geriet der Thurgauer Nationalrat Hansjörg Walter, der als umgänglich und konsensfähig galt. Als Präsident der Schweizerischen Bauernverbands verfügte er zudem über eine starke Hausmacht. Die SVP würde es deshalb kaum wagen, ihn aus der Partei zu werfen, so das Kalkül der Spreng-Allianz. Weil sich der 57-Jährige zudem zweideutig verhielt und eine Wahl nicht partout ausschliessen wollte, wuchsen seine Chancen fast stündlich.

Seine eigene Stimme fehlte

In der «Nacht der langen Messer» vor der Wahl am 10. Dezember 2008 wurde Walter von der SVP-Spitze in den Schwitzkasten genommen. Man werde ihn trotz seinem Rückhalt bei den Bauern ausschliessen, drohte man ihm an. In der folgenden Nacht schlief Walter schlecht. Er rang mit sich, das Amt des Bundesrats reizte ihn, doch gleichzeitig fühlte er sich seiner Partei verpflichtet. Vor dem ersten Wahlgang eilte er pflichtbewusst ans Mikrophon und erklärte, er stehe nicht zur Verfügung. Dennoch ging er auf Anhieb in Führung.

Im zweiten und dritten Wahlgang fehlte Hansjörg Walter nur je eine Stimme zur Wahl – seine eigene. Als loyaler Parteisoldat hatte er den Namen Ueli Maurer auf den Zettel geschrieben. Dieser wurde denn auch gewählt. Walter gab danach zu, er habe bis zuletzt gewankt: «Ich war hin und her gerissen. Eine mögliche Variante wäre gewesen, dass ich eine Stunde Timeout verlangt hätte, um mit der Fraktion Rücksprache zu nehmen», sagte er im Interview mit 20 Minuten Online. Beim Fraktionsessen der SVP liess sich der Bauernpräsident feiern. «Ich bereue nichts», sagte er einige Tage nach der Wahl.

Ersatzmann für Zuppiger

Drei Jahre später erhielt Hansjörg Walter eine zweite Chance – und das völlig unverhofft. Der Thurgauer war bereits zum Nationalratspräsidenten für 2012 gewählt worden, als ihn die SVP-Fraktion in aller Eile offiziell als Bundesratskandidat nominierte. Er musste Bruno Zuppiger ersetzen, der über einen Erbschaftsskandal gestolpert war. Diesmal reagierte Mitte-links mit Ablehnung. Der gleiche Mann, der drei Jahre zuvor von seiner Partei unter Druck gesetzt worden war, liess sich nun von dieser instrumentalisieren.

Seine Kandidatur galt als «Mission impossible». Vertraute nannten dem «Landboten» drei Gründe, warum der Bauer aus Wängi trotzdem antrat: Hansjörg Walter gelte nicht als sehr entschlossener Mensch, der bei seinem Entscheid bleibt, wenn er ihn einmal getroffen hat. Gleichzeitig sei er ein pflichtbewusster Mensch, der sich tatsächlich verpflichtet fühle, der Konkordanz und der Partei zu dienen. Hinter Walters netter, sympathischer Art verberge sich zudem mehr persönlicher Ehrgeiz, als man auf den ersten Blick denken würde.

«Ein Trauerspiel»

Am Ende kam es, wie es kommen musste. Der SVP-Angriff mit Hansjörg Walter auf den Sitz von Eveline Widmer-Schlumpf scheiterte, der Thurgauer Nationalrat kam auf 63 Stimmen. Darauf erklärte SVP-Fraktionschef Caspar Baader, Walter stehe für die folgenden Wahlgänge nicht mehr zur Verfügung. CVP-Präsident Christophe Darbellay kritisierte gegenüber Radio DRS, Walter habe sich «einspannen lassen in ein Trauerspiel». Es sei nicht einmal klar, ob er sich freiwillig zurückgezogen habe oder ob er von seiner Partei aus dem Rennen genommen worden sei. Walter sei verheizt worden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beni Hochuli am 14.12.2011 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Anschluss verpasst

    Die SVP hat in den letzten Jahren den Anschluss klar verpasst. Nun verheitzt sie die richtigen aus ihren reihen wie Walter noch...das gibt zu denken...SVP=Land unter...sehr schade!

  • Stefan am 14.12.2011 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Verheizt?

    Verheizt =sinnlos aufgestellt, für zukünftige BR-Wahlen nicht mehr aufstellbar. In vier Jahren ist der Mann älter als Blocher bei seiner Wahl 2003. Der hätte so oder so nicht mehr kandidiert.

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  • U. Heim am 14.12.2011 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht für die Schweiz

    Erstaunlich ist für mich eigentlich nur der (zu) grosse Einfluss der Anti-SVP Presse. Es scheint in den letzten Jahren gelungen zu sein, die SVP zu bremsen. Dazu kommt noch, dass sich viele FDP, CVP und andere Politiker (sogar einige SP'ler) die Themen/Ziele der SVP zu eigen gemacht haben. Da denken viele Wähler wohl, dass es die SVP nicht mehr brauche, und wählen andere und neue Parteien. So wrden aber in der nächsten Zeit SVP-Themen verwässert und sogar fallengelassen. Schlecht für die Schweiz. Kriminalität, Asyl-Missbrauch, usw. werden nicht gelöst, nur wenig Kosmetik / und Verschleierung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinrich am 14.12.2011 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Habe die Wahl nicht mitverfolgt

    Blocher hätte nochmals antreten sollen. Das Französischmanko hat vermutlich den Ausschlag gegeben. Aber jetzt ist alles vorbei und die Details sind gar nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass der politische Gesamtkurs der Schweiz stimmt.

    • ehemaliger Optimist am 15.12.2011 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ojeh

      Da haben Sie aber wirklich einiges verpasst. Der politische Gesamtkurs in der Schweiz stimmt leider gar nicht mehr. Nun ist die Talfahrt an der Reihe.

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  • Konkordanzler am 14.12.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Konkordanz

    Ein gemässigter konsensfähiger Svp-ler wäre eigentlich nötig, aber die Führungsriege dort will das zur Zeit ja gar nicht. Wir haben das Beste politische System das es gibt. Es lebe die Konkordanz :-)

  • Furler Roger am 14.12.2011 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Was ich nicht begreife:

    Wieso lässt sich Herr Walter von dieser Partei portieren. Die SVP hat ihm 2009 (Wahl Maurer) öffentlich gedroht, ihn aus der Partei zu werfen falls er BR werde. Was für ein Spiel spielen die Drei Bs der SVP-Führung mit dem Bauern? Und was sollte das mit Zuppiger? Die SVP wusste von den unsauberen Machenschaften! Ich denke die wollten gar keinen Bundesrat. Die wollten Schmied nicht, Rihm wurde schon 2010 verheizt, EWS schmissen sie raus. Die Opposition ist halt einfacher, Ales schlecht redeln und nicht mitarbeiten an Lösungen!

    • Leeroy Jenkins am 14.12.2011 20:29 Report Diesen Beitrag melden

      Meine Meinung

      Genau meine Gedanken. Was für ein Zufall, dass gerade die Weltwoche den zerstörenden Artikel über Zuppigers Machenschaften rausgebracht hat. Woher hatten die wohl die Informationen?

    • Rüttimann Charles am 15.12.2011 00:08 Report Diesen Beitrag melden

      So sehe ich es auch

      Ich hatte bisher viel Respekt gegenüber die Herren Walter und Rime, obschon selber gar nicht SVP-Wähler. Wieso geben sie sich hier als reine Befehlsempfänger? Mit solchen Spielchen ist diese Partei definitiv nicht mehr glaubwürdig und die Misere geschieht ihr nur recht.

    • Irma Mayer am 15.12.2011 7:55 am 15.12.2011 07:55 Report Diesen Beitrag melden

      Meine Meinung

      Ich verstehe es immer noch nicht, wie kann Herr Walter so ein Kommentar abgeben,und sich so für eine Partei hingeben.Oder macht er das Spielchen mit ,mit der SVP?

    • Urs Meisterhans am 15.12.2011 10:25 Report Diesen Beitrag melden

      Austritt?

      Walter ist nun zum zweiten Mal verheizt worden. Ich an seiner Stelle würde aus der SVP austreten.

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  • Ben Bu am 14.12.2011 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Verlierer

    Wenn ich diese Kommentare durchlese, stelle ich fest dass die SVPler sehr schlechte Verlierer sind und die Fehler immer bei anderen suchen nur nicht bei sich selbst.

  • Hans Meier am 14.12.2011 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Jammer auf hohem Niveau

    Das ist schon Jammern auf ganz hohem Niveau, was die meisten hier schrieben. Jeder Bürger hat das Recht zu wählen und jeder kann damit entscheiden wer in Bern sitzen soll, ob es klappt ist immer fraglich. Genau das nennt man Demokratie. Nur Demokratie ist nicht gleich gerecht. Wäre alles und für jeden gerecht - wäre es wie im Schlaraffenland. Selbst dann wäre die Mehrheit unzu-frieden, da jeder Mensch sich mehr durch negative Dinge definiert als durch positive. Die Schweiz ist eines der gesündesten Länder dieser Erde, oder hätten sie lieber die Regierung aus Russland, Italien oder Griechenland

    • Gangl Joachim am 14.12.2011 17:59 Report Diesen Beitrag melden

      Unfair - Fairness

      Ich weiss zwar nicht genau welchen jammer sie genau ansprechen. Ansonsten gebe ich ihnen recht. Wir dürfen mit unseren Staatsmännern zufrieden sein. Die Bundesratswahlen sind aber zum Teil unfair verlaufen, zumindest aus SVP Sicht.

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