Das neue Parlament

24. Oktober 2011 10:44; Akt: 24.10.2011 12:39 Print

Jünger und unerfahrenerJünger und unerfahrener

Das Durchschnittsalter im Nationalrat liegt neu bei 50,28 Jahren und sank damit um knapp ein Jahr. Ein Drittel der Gewählten zieht neu ins Parlament ein. Der Anteil der Frauen ist gleich geblieben.

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Das sind die neuen prominenten Gesichter im Nationalrat: Cédric Wermuth (SP/AG). und Ex-TV-Mann Matthias Aebischer (SP). Patientenschützerin Margrith Kessler (GLP/SG). Christoph Blocher, Ex-Bundesrat (SVP/ZH). Nicht ganz neu, aber nach vier Jahren Pause wieder in Bern. Peter Keller (SVP/NW) arbeitet als Redaktor bei der Weltwoche. Balthasar Glättli (Grüne/ZH; links) feiert mit Daniel Vischer. Andrea Caroni, ein junges hoffnungsvolles Gesicht der FDP (AR). Regierungsrätin Karin Keller-Sutter (FDP/SG): glanzvoll in den Ständerat gewählt. Pascal Bruderer, eben Mutter geworden, zieht für die SP Aargau in den Ständerat. Ex-Bundesratskandidat Roland Eberle (SVP/TG) schaffte es auch ins Stöckli. Dürfen noch hoffen: Der ehemalige Nationalrat und Krebsspezialist Franco Cavalli (SP) steigt im Tessin in den 2. Wahlgang um einen Ständeratssitz... wie auch der durch die Abzocker-Initiative bekanntgewordene Thomas Minder in Schaffhausen. Prominente im Berner Wahlkampf: Der bekannte Herzspezialist Thierry Carrel (FDP)... schaffte es ebenso wie Jacques de Haller (SP), Präsident der Schweizer Ärzte... oder Alt-Bronco Jimmy Hofer nicht ins Parlament. Selbst der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) schaffte es nicht wieder zurück in den Nationalrat. Trotz Promi-Bonus nicht gewählt: Thomas Matter (SVP/ZH) und ... Hans-Ulrich Bigler (SVP/ZH), Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Martin Kilias (SP), der bekannte Kriminologe, schaffte es im Kanton Aargau nicht in den Nationalrat. Auch Ricardo Lumengo (Sozial-Liberale Bewegung/BE) wird als Nationalrat abgewählt.

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Der neu gewählte Nationalrat ist gemäss aktuellen Zahlen jünger als bisher: Das Durchschnittsalter der Gewählten sank um knapp ein Jahr.

Im Nationalrat sind die Mitglieder durchschnittlich 50,28 Jahre alt, vor vier Jahren betrug das Durchschnittsalter 51,17 Jahre. Im Vergleich zu den letzten Wahlen wurden dieses Mal ältere Frauen und jüngere Männer gewählt.

Hauptverantwortlich dafür sind die Gewählten der Grünliberalen. Sie werden mit einem Durchschnittsalter ihrer elf Nationalräte von knapp über 46 Jahren die jüngste Fraktion der grossen Parteien stellen. «Methusalem»-Partei ist die BDP, deren neun Gewählte im Durchschnitt fast 53 Jahre alt sind.

Die BDP hat mit ihrem Altersdurchschnitt von 52,67 Jahren der SVP den Rang abgelaufen: 2007 zählten ihre gewählten Kandidaten im Mittel 52,53 Lenze. Mit der aktuellen Wahl konnte die SVP das Durchschnittsalter um fast ein Jahr auf 51,64 Jahre senken.

Jüngere Personen im Ständerat

Im Ständerat liegt derzeit das Durchschnittsalter um mehr als ein Jahr tiefer als vor vier Jahren. Allerdings sind erst 27 der 46 Sitze besetzt. Mit Raphaël Compte, Pascale Bruderer und Alain Berset gibt es dabei bereits drei Mitglieder unter 40 Jahren. Vor vier Jahren waren es insgesamt nur deren zwei.

Ältester gewählter Politiker ist derzeit der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Blocher mit 71 Jahren. Falls jedoch in der Waadt - hier werden die definitiven Resultate erst am Montagnachmittag bekannt - Jacques Neirynck gewählt wird, bleibt der bisherige CVP-Nationalrat mit 80 Jahren der Älteste. Jüngster Nationalrat ist der Walliser SP-Mann Matthias Reynard mit 24 Jahren.

Im Ständerat sind sowohl der Älteste wie auch der Jüngste Mitglied der FDP. Der Obwaldner Hans Hess ist mit 66 Jahren der Älteste. Jüngster Ständerat ist der Neuenburger Raphaël Compte. Er ist 32-jährig.

Ein Drittel Neue

Der Nationalrat ist nicht nur jünger geworden, sondern auch neuer. Gemäss provisorischen Berechnungen der Nachrichtenagentur sda zählt der neu gewählte Nationalrat 34 Prozent neue Parlamentarierinnen und Parlamentarier.

Im Jahr 2007 betrug der Anteil der «Neuen» 26,5 Prozent. Allerdings traten 2011 etwas weniger Bisherige an als vor vier Jahren. Von 200 Nationalräten und Nationalrätinnen wollten 162 wieder gewählt werden - vor vier Jahren waren es 177.

Diese Zahlen basieren auf der Berechnungsgrundlage aller definitiv Gewählten ohne den Kanton Waadt, der aufgrund von Computerproblemen erst am Montagmittag die Gewählten bekannt geben kann.

Gleichbleibender Frauenanteil

Gleich bleibt voraussichtlich der Frauenanteil. Ohne die Gewählten der Waadt beträgt er 28,2 Prozent. Sicher gewählt waren am Montagmorgen 51 Frauen.

Da im Kanton Tessin bei der CVP wegen Stimmengleichheit das Los zwischen einer Frau und einem Mann entscheiden wird und weil im Kanton Waadt die definitiven Resultate erst ab Mittag vorliegen, wird die Zahl der Frauen im Nationalrat noch ansteigen.

Weniger Frauen kandidierten

Damit bestätigt sich der Trend bei den Kandidaturen nicht. Erstmals seit der Einführung des Frauenstimmrechts kandierten nämlich wieder markant weniger Frauen für ein Mandat im National- oder Ständerat.

Der Anteil der Kandidatinnen ging im Vergleich zum Jahr 2007 um mehr als 7 Prozent zurück. Für die Wahlen 2011 kandidierten nach einer Zählung der Nachrichtenagentur sda 1135 Frauen. Dies entsprach einem Prozentanteil von 32,7. Vor vier Jahren betrug der Frauenanteil auf derselben Berechnungsbasis 35,2 Prozent.

Weniger Kandidatinnen

Nach der Einführung des Frauenstimmrechts kandidierten von Wahl zu Wahl immer mehr Frauen für einen Nationalratssitz. Der Anteil der Kandidatinnen lag 1971 bei 15,8 Prozent und stieg kontinuierlich auf über 35 Prozent im Jahr 2007 - mit einer Delle 1999, als der Frauenanteil im Vergleich zu 1995 um 0,3 Prozentpunkte sank.

In der vergangenen Legislatur sassen 57 Frauen im Nationalrat, was einem Anteil von 28,5 Prozent entsprach.

(sda)

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  • Heliamphora am 24.10.2011 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ist jung schlecht?

    Ich frage mich was nun schlimmer ist: ein junger Politiker, der noch einige Jahrzehnte leben wird und den Puls der Gesellschaft fühlt; oder der Saurier, der allenfalls noch ein paar Jahre vor sich hat und die Gesellschaft von vor 20 Jahren gut kennt? Die Alten bringen unser System zum Stagnieren...sie verstehen die akuten Probleme wie die Übervorteilung der Reichen (manch einer von denen ist ja auch ziehmlich wohlhabend) oder Migrationsfragen ("die überfluten uns!" - sind aber auch nur "Migrantennachwuchs" - eh, Blocher?) nicht.

  • Sven E. am 24.10.2011 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Juhu!

    Dann stehen den gestandenen und hartgesottenen Politprofis ausländischer Machthaber bei staatsvertraglichen Verhandlungen auf unserer Seite künftig noch unreifere und unerfahrenere Hobby-Politiker gegenüber. Kommt gut.

    • Till Sitter am 24.10.2011 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      beängstigend

      Ihre Unkenntnis ist doch ein bisschen beängstigend. Es ist nicht das Parlament, die bei Staatsverträgen die Verhandlungen führt.

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  • eherjung am 24.10.2011 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Mischung sollte gegeben sein

    Ich selber habe nur "junge" gewählt, da ich nicht verstehen kann dass das Parlament praktisch sich nur aus einer Altersgruppe zusammensetzt. Die haben nämlich ein ganz anderes (politisches) Interesse und vertreten da weniger meine Interessen. Und seien wir ehrlich, viel schlechter als die alt eingesessenen können die "Jungen" das nun auch nicht machen. Das Parlament sollte aber generell aus verschiedenen Charakteren zusammengesetzt sein. Jung, alt, Frauen, Männer, auch verschiedene Sprachen und die Regionen sollten da berücksichtigt sein...