13. Dezember 2007 13:56; Akt: 13.12.2007 17:13 Print

Blocher: «Es wird nie so oft gelogen wie vor Bundesratswahlen»Blocher: «Es wird nie so oft gelogen wie vor Bundesratswahlen»

Blocher ist mit seiner Leistung als Bundesrat zufrieden, wie er vor den Journalisten sagte. Seine Abwahl sei vor allem ein Denkzettel für seine erfolgreiche Partei, sagt Blocher.

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Die SVP Zürich nominiert den angeschlagenen Blocher am 17. November 2008 als Bundesratskanidaten. Seine Karriere in Bildern sehen sie auf den folgenden Seiten. Seit 1979 sitzt Christoph Blocher für die Zürcher SVP im Nationalrat. 1987 kandidiert er gegen Monika Weber (LdU) und Rico Jagmetti (FDP) für den Ständerat - ohne Erfolg. Zur Symbolfigur der national-konservativen Schweiz wird Blocher 1992, als er im Kampf gegen den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) wochenlang durchs Land zieht. Blocher wichtigster Gegenspieler ist SP-Präsident Peter Bodenmann, mit dem er während der EWR-Debatte im Nationalrat diskutiert. Mit dem Sieg in der EWR-Abstimmung setzt sich in der SVP der Blocher-Kurs durch - zum Leidwesen von Bundesrat Adolf Ogi. Während der Kontroverse um das Verhalten der Schweiz im Zweiten Weltkrieg wird Blocher 1997 zum Gegenspieler von Sigi Feigel, dem Ehrenpräsidenten der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich. Ursprünglich wollte Christoph Blocher Bauer werden, später schloss er sein Studium als Dr. iur ab. Schliesslich wird er als Besitzer der Ems Chemie zum erfolgreichen und milliardenschweren Unternehmer. Christoph Blocher ist ein leidenschaftlicher Bewunderer von Albert Anker. Er besitzt mehr als 100 Bilder des Berner Malers. Mit Ehefrau Silvia hat Christoph Blocher vier Kinder. Sie ist seine wichtigste Bezugsperson und für manche die treibende Kraft hinter seinen politischen Aktivitäten. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt Bruder Gerhard Blocher. Mit seinen öffentlich geäusserten Ansichten sorgt der pensionierte Pfarrer aus Hallau für Irritationen. Nach dem Wahlerfolg der SVP 1999 kandidiert Christoph Blocher erstmals für den Bundesrat. Er scheitert. 2003 ist die SVP endgültig stärkste Partei und Blocher am Ziel: Er wird anstelle von Ruth Metzler in den Bundesrat gewählt. Auch in der Landesregierung bleibt Christoph Blocher ein Störfaktor, etwa durch die Art, wie er vor der Abstimmung über die erleichterte Einbürgerung die Haltung des Bundesrats «vertritt». Seine Rolle als Volkstribun spielt er auch als Bundesrat weiter, hier am 1. August 2007 in Schwarzenburg. Die Quittung erhält Blocher am 12. Dezember 2007: Er wird als Bundesrat abgewählt. Ins Rentnerdasein zurückziehen wird er sich allerdings nicht. Schwere Niederlage für Blocher: Erst findet er in der Arena zur Einbürgerungsinitiative gegen Widmer-Schlumpf nicht zur gewohnten Form zurück, dann erteilt das Volk 1. Juni 2008 der SVP-Initiative eine klare Abfuhr. Die SVP-Fraktion stellt sich erstmals direkt gegen Blocher, als sie ihm die vorzeitige Nominierung als Nachfolger des damals noch nicht zurückgetretenen Bundesrat Schmid verwehrt.

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Nach über einer Stunde schliesst Christoph Blocher die Fragerunde mit den Journalisten im Bundeshaus. Zum Abschluss bemerkte er: «Es wird nie so oft gelogen wie vor Bundesratswahlen». Das sei jedoch altbekannt.

Blocher habe viel Sympathie erlebt nach seiner Abwahl. Über 1000 Anrufe und Zuschriften habe er bekommen. Dass einige auch froh sind, dass er «endlich abgewählt wurde, ist doch völlig klar».

Blocher setzt auch als Oppositionspolitiker auf Transparenz. Zu viel Geheimhaltung bringe zu viel in Misskredit. Das sehe man nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch an den geheimen Bundesratssitzungen. Es sei bei Weitem nicht so schlimm, was hinter den verschlossenen Bundesratstüren abgelaufen ist, wie das immer wieder gesagt wurde. Durch die Geheimniskrämerei könnten diese Gerüchte aber nicht aus der Welt geschafft werden.

Finanziell habe Blocher die Partei nie unterstützt. Er habe lediglich in Kampagnen Geld investiert. Das werde er als Oppositionspolitiker wieder vermehrt tun, betont Blocher.

Zum Zeitungsprojekt, das die SVP im Falle einer Wahlniederlage angekündigt hatte, hielt sich Blocher bedeckt. Es sei eine Variante, die nun weiter geprüft werde. Eine Tageszeitung komme jedoch eher nicht in Frage.

«Die Abwahl ist kein Schicksalsschlag für mich», fährt Blocher weiter. Er sei keine Person, die an einem Amt hänge. Blocher gibt aber zu, dass seine finanzielle Unabhängigkeit ihm zugute komme. Für Blocher ist die Abwahl aber durchaus eine Niederlage, wie er betont. Er habe nach einiger Zeit im Bundesrat gemerkt, dass er etwas bewegen könne. Die Voraussetzung sei jetzt «eben anders».

Dass die SVP so erfolgreich sei, hätten die anderen Parteien nicht verkraftet. Blocher habe diese Politik geprägt, deshalb sei er jetzt auch rausgeworfen worden. Blocher ist überzeugt, dass die politischen Gegner der SVP durch die Abwahl seiner Person eins auswischen und sie demütigen wollte. Es gäbe sonst keine Gründe für seinen Rausschmiss, sagt Blocher.

Blocher glaubt nicht an die Spaltung der SVP, sagt jedoch, es wäre derzeit denkbar. Er habe von den «Tendenzen» gehört, eine zweite SVP-Fraktion zu gründen. Aber ob es soweit komme, sei noch nicht klar. Blocher: «Ich glaube es nicht im Moment.»

«Es ist niemandem verboten worden, das Amt als Bundesrat anzunehmen», sagt Blocher. Aber alle hätten um die Konsequenzen, den Ausschluss aus der Fraktion, gewusst.

Der Gang in die Opposition sei keine Drohung gewesen. Es sei «billig», wenn man schliesslich den Gang in die Opposition nicht antrete. Das sei nur konsequent. Aber er entschuldige sich für seinen Stil, sagt Blocher. Allerdings könne er nichts dafür, das sei einfach sein Stil. Verlogenheit sei nicht sein Ding.

Die starke Personalisierung von Blocher sei nicht von der eigenen Partei gekommen, sondern sei von den politischen Gegnern ins Feld geführt worden. Die SVP habe diese Vorlage dann umgehend übernommen. Blocher sei nicht die Partei. «Aber ich schaue, dass die Partei meine Meinung übernimmt», sagt Blocher weiter.

Blocher ist mit seiner Leistung als Bundesrat zufrieden, sagt er. Dass er die Justizreform durchgebracht habe, habe er anfänglich kaum für möglich gehalten.

Blocher selbst sagt, er hätte sich in den letzten vier Jahren so verhalten können, dass er wieder gewählt werde. Dies entspricht jedoch nicht dem Naturell seiner Person. «Ich bin doch nicht in die Regierung gegangen, um keinen Einfluss zu haben.»

Ist die Konkordanz für die SVP noch ein Thema für Blocher? «Das ist für die Schweiz die richtige Staatsform», sagt Blocher. Aber er verstehe dies nicht als Floskel. «Ich kann das Wort kaum noch aussprechen», nimmt Blocher die politische Diskussion auf. Wie es in vier Jahren aussehe, könne Blocher nicht sagen. «Aber für die nächsten vier Jahre sind wir wohl in der Opposition. Ich sehe keine andere Möglichkeit.»

Die Opposition bedeute für die SVP, dass sie von den anderen Parteien vermehrt angegriffen werde. Der neuen Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf habe er gratuliert. Er habe ihr gesagt, sie müsse selber entscheiden. Zudem seien viele aus der SVP-Fraktion angefragt worden, als Bundesratskandidat zur Verfügung zu stehen.

Wieder lobt Blocher die Fortschritte der letzten vier Jahren. Dies spiegle sich auch in den Medien, die heute beispielsweise über Sozialmissbräuche schreiben. Blocher betont, dass das Referendumsrecht für die SVP nun wichtiger werde.

«Opposition heisst nicht, man sagt zu allem Nein», sagt Blocher. Aber es gehe um die Kontrolle der Machtteilung zwischen Volk und Politik. Diesem Thema nehme sich eine Oppositionspartei vermehrt an.

«Posten und Ämter suchen wir nicht», sagt Blocher über die Parlamentsarbeit. Es werde sich zeigen, wie die politische Arbeit und seine Oppositionspolitik genau aussehe.

Blocher will seine ganze Arbeitskraft in die Oppositionspolitik investieren. Ob er Parteipräsident werde, lässt er offen, sei aber «denkbar». Blocher aber sagt, er «schrecke vor nichts zurück».

«Ich mache weiter an einem anderen Ort», sagt Blocher. Gesellschaftlich und politisch habe sich «sehr vieles» zum Positiven entwickelt in den letzten vier Jahren, sagt Blocher.

Die SVP werde durch seine Abwahl gestärkt, glaubt Blocher. Dies zeige sich bereits jetzt in den Gemeinden.

Dass heute die grosse Mehrheit der Wirtschaftsführer nicht mehr in die EU will, sieht Blocher als «grosse Absurdität. Heute kommen die gleichen Leute fast auf den Knien gekrochen».

Wer als SVP-Vertreter im Bundesrat bleibe, werde aus der Fraktion ausgeschlossen, betonte er noch einmal. Er selber trete nicht von der Politik zurück, sondern gehe in eine starke Opposition.

Für Blocher kam seine Abwahl nicht unerwartet. Die Diskussionen liefen seit einem Jahr. Er habe gestern Morgen gespürt, dass er nicht wieder gewählt werden würde, wie er sagt.

Er habe die SVP «stark geprägt», sagt Blocher. Aber er wollte eigentlich «nie so stark werden». In den Bundesrat wurde er «eher wider Erwarten» gewählt. Blocher glaubt, seine Gegner wollten ihm mit der Wahl den Wind etwas aus den Segeln nehmen.

Die Auseinandersetzung in den 90er Jahren sei immer die gleiche gewesen - der Beitritt zur europäischen Union. Mit seinem Standpunkt sei er sich auch mit Wirtschaftsführern in die Haare geraten, sagt Blocher.

Blocher sei in den 1980er Jahren wider Erwarten in die Opposition geraten. Die Parteien seien auseinandergeraten. Nach dem Fall der Mauer hätten einige den Kopf verloren. Ausschlaggebend sei die EWR-Abstimmung gewesen. Er habe den Kampf damals geführt, was beinahe zur Spaltung der politischen Landschaft geführt habe.

«Sie kennen meine Haltung», sagt Blocher. Er sei bis zum 31. Dezember Bundesrat und habe noch einiges zu erledigen. Danach wolle er weiter politisieren, einfach in einer anderen Position.

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  • Stucki Esther am 20.12.2007 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist denn so bedenklich?

    die Parlamentarier sind die Vertreter des Volkes und wählen die Bundesräte. Zudem sind nur 29% der Bevölkerung SVP- Wähler und ich denke auch von diesen hätten nicht alle Herr Blocher gewählt. Ist es bedenklich ein demokratischer Entscheid würdig anzunehmen?

  • Peter Zindel am 19.12.2007 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich!

    Diese Bundesratswahlen sind nicht nach dem Volkswillen verlaufen. Das Verhalten vieler Parlamentarier gibt sehr zu denken. Was in den letzten Tagen und Wochen passierte nuetzt der gesunden Politik nicht. Die schwarzen und linken wollen auch den weitaus besten BR noch abwaehlen. Bedenklich !

  • rK. am 16.12.2007 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    Das Schweizer Wahl- und Stimmvolk

    lässt sich weder von links noch rechts manipulieren. Die SVP-Politmaschinerie hat es versucht und Millionen in den Sand gesetzt. Oppositionelle Sandkastenspiele à la Italien oder Deutschland haben in der Schweiz keine Chance. Da haben einige unsere historisch gewachsene Demokratie nicht begriffen.