Bundesratswahl

30. August 2010 14:26; Akt: 30.08.2010 15:42 Print

Der «nette Patron» ist ein HardlinerDer «nette Patron» ist ein Hardliner

von Lukas Mäder - Die Wahrnehmung der FDP-Kandidaten ist falsch, sagt Politgeograf Michael Hermann. Schneider-Ammann steht weiter rechts als Keller-Sutter.

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Die Smartmap zeigt, wo die Kandidierenden auf einer politischen Karte mit den Achsen links-rechts und liberal-konservativ stehen. Die Positionierung stützt sich auf die Fragebogen für die Eidgenössischen Wahlen 2007, bei Eva Herzog und Karin Keller-Sutter auf die Befragung vor den Regierungsratswahlen 2008 im Kanton Basel-Stadt beziehungsweise St. Gallen. Details zur Berechnung auf www.smartvote.ch.

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Die FDP hat den Kreis ihrer Kandidaten für die Bundesratswahl vom 22. September auf fünf Personen eingegrenzt. Diese repräsentieren das gesamte Parteispektrum, sagt der Politgeograf Michael Hermann. Die Nationalräte Ignazio Cassis und Peter Malama seien gemässigte Freisinnige und vertreten den linken Flügel der FDP-Fraktion. Ruedi Noser steht für den progressiven und liberalen Freisinn, während die beiden Favoriten, Regierungsrätin Karin Keller-Sutter und Nationalrat Johann Schneider-Ammann, im wirtschaftsnahen und konservativen Flügel politisieren.

Bei den Favoriten gibt es eine Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der tatsächlichen politischen Positionierung. Karin Keller-Sutter hat den Ruf als Hardlinerin und rechte Hand Christoph Blochers. «Doch der als ausgleichend geltende Johann Schneider-Ammann steht weiter rechts als Keller-Sutter», sagt Hermann. Seine Analyse des Abstimmungsverhaltens zeigt, dass Schneider-Ammann sogar rechts von FDP-Nationalrat Christian Lüscher zu verorten ist. Lüscher war vor einem Jahr bei der Wahl des Nachfolgers von FDP-Bundesrat Pascal Couchepin Kronfavorit der SVP und galt bei den Linken wegen seinen politischen Ansichten als unwählbar.

Keller-Sutter als rotes Tuch der Linken

Die St. Galler Justizdirektorin Keller-Sutter gelangte vor allem wegen ihrem scharfen Vorgehen im Kampf gegen Hooligans und in der Ausländerpolitik zu nationaler Bekanntheit. Insbesondere bei den Linken ist sie deswegen ein rotes Tuch. Doch laut Hermann wäre Schneider-Ammann in dieser Hinsicht für SP und Grüne keine bessere Wahl: «In Justiz- und Ausländerfragen haben beide relativ ähnliche Positionen.» Schneider-Ammann sei zudem in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen keineswegs besonders liberal. Hermann nennt als Beispiel die Unterstützung des Berner Nationalrats für ein flächendeckendes Poststellennetz.

Die mit Abstand liberalste Position vertritt unter den fünf freisinnigen Kandidaten der Zürcher Nationalrat Ruedi Noser. «Er verbindet wirtschaftlichen mit gesellschaftlichem Liberalismus», sagt Hermann. Dass sich Noser als Vertreter der urbanen Schweiz bezeichnet, obwohl er aus dem kleinstädtischen Wetzikon kommt, ist für Hermann keine leere Werbebotschaft. «Noser hat ein progressives und optimistisches Element, ausserdem steht er für Offenheit.» So befürwortet Noser die Legalisierung von Cannabis und die Einführung von Englisch als erste Fremdsprache. «Er ist weder ein Linker noch SVP-nahe», sagt Hermann.

Zum linken Flügel der FDP-Fraktion gehören die beiden Nationalräte Peter Malama und Ignazio Cassis. Im Parlament stimmt Malama laut Hermann ökologischer, sozialer und weniger wirtschaftsliberal als der Durchschnitt der FDP-Parlamentarier. Das rückt ihn an den linken Rand der Fraktion. Ähnlich ist das Abstimmungsverhalten des Tessiners Cassis. Er stimmt im Vergleich zu Malama aber weniger gesellschaftsliberal.

Verwalter statt Gestalter

Doch die FDP-Fraktion wird vermutlich Keller-Sutter und Schneider-Ammann als offizielle Doppelkandidatur ins Rennen schicken. «Danach sieht derzeit alles aus», sagt Hermann. Er fragt sich aber, ob Schneider-Ammann tatsächlich eine zukunftsgerichtete Wahl ist. «Ich weiss nicht, ob er wirklich den Willen zur Veränderung hat oder sein Amt nicht vielmehr als Ehre ansehen würde», sagt Hermann. Schneider-Ammann hatte sich in diese Richtung geäussert. Hermann hält Noser für die zukunftsgerichtetere Wahl: «Er hat eine Vision und will gestalten.» Doch weil Noser immer frei seine Meinung gesagt hat, sind seine Chancen in der Fraktion gering. Sie wird eher einen Kandidaten bevorzugen, der nichts riskiert, um Fehler zu vermeiden, als jemanden, der anpackt, aber deshalb vielleicht auch einmal einen Fehler macht, sagt Hermann. «Die Unternehmerpartei wird wohl mit Schneider-Ammann den Verwalter dem Gestalter vorziehen.»

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  • Jürg Rimann am 03.09.2010 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Und die anderen Parteien

    Könnte jemand auch noch die Kandidaten die eine eine Change haben von den grünen und der SVP im Diagramm eintragen

  • W. Lehmann am 03.09.2010 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ultralinke in den BR

    Bitte keine ultralinke Frau Faessler in den BR! Frau Keller geben die SGer nur ungern her, waere aber immer noch besser als Herr Schneider. (wenn die wuessten wie rechts er steht - siehe Beitrag in dieser Zeitung). Frau Sommaruge ist ok.

  • Chef-Koch am 31.08.2010 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Kronfavoritin ist und bleibt H. Fässler

    Wir brauchen Macher und keine Schönheitskönige / Schönredner