Merz-Nachfolge

06. August 2010 13:06; Akt: 06.08.2010 14:30 Print

Hardlinerin in der PolepositionHardlinerin in der Poleposition

von Peter Blunschi - Wer übernimmt Merz’ Sitz? Die FDP-Favoritin kommt aus der Ostschweiz, doch auch andere Regionen und die Wirtschaft dürften Anspruch erheben.

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Der Berner Nationalrat und Maschinenindustrielle Johann Schneider-Ammann gilt als Wunschkandidat der Wirtschaft. Ob er antreten will, ist offen. Die St. Galler Justizdirektorin Karin Keller-Sutter gilt seit längerem als Kronfavoritin - vielleicht schon zu lange. Eine Alternative wäre die Urner Nationalrätin und Fraktionschefin Gabi Huber. Sie gilt als konsensfähiger als Keller-Sutter, ihr Kanton war zudem noch nie im Bundesrat vertreten. Als Angehörige der FDP-Evaluationsgruppe hat sie eine Kandidatur ausgeschlossen - zumindest vorläufig. Er tritt definitiv an: Nationalrat Ruedi Noser (ZH). Zuletzt lebte er ein Jahr in Genf, um sein Französisch aufzupolieren. Die Urner FDP hat ihren Regierungsrat Josef Dittli angefragt, nachdem sich Fraktionschefin Gabi Huber aus dem Rennen genommen hatte. Der 57-jährige Glarner Ständerat Pankraz Freitag ist von Parteipräsident Fulvio Pelli angefragt worden und überlegt sich eine Kandidatur. Der Aargauer Nationalrat und Bauunternehmer Philipp Müller geniesst einen hohen Bekanntheitsgrad, für viele aber polarisiert er zu stark. Die Tessiner dürften ihren Anspruch vehement anmelden. Parteipräsident Fulvio Pelli könnte seine letzte Chance als Bundesratskandidat wahrnehmen. Auch er hat als Angehöriger der FDP-Evalutionsgruppe eine Kandidatur ausgeschlossen. Als möglicher Tessiner Kandidat wird Nationalrat Fabio Abate gehandelt. Der Arzt und Nationalrat Ignazio Cassis hat nur halb im Scherz erklärt, das Tessin werde «den Gotthardtunnel schliessen», wenn es bei der nächsten Vakanz nicht zum Zug kommt. Er hat eine Kandidatur nicht ausgeschlossen. Auch alt Regierungsrätin Marina Masoni wird als Kandidaten herumgeboten. Die ehemalige Nationalrätin und heutige Finanzdirektorin Laura Sadis wäre ebenfalls eine valable Bewerberin aus dem Südkanton. Der Basler Nationalrat Peter Malama ist bereit, ins Rennen um die Merz-Nachfolge einzusteigen. Der wirtschaftlich starke Kanton Basel-Stadt ist seit bald 40 Jahren nicht mehr im Bundesrat vertreten. Mit der 35-jährigen Berner Nationalrätin Christa Markwalder könnte die FDP ein Zeichen für die Jugend setzen. Vielen ist sie aber wohl zu EU-freundlich. Doch sie hat eine Kandidatur bereits ausgeschlossen. Der Zürcher Ständerat und Präventivmediziner Felix Gutzwiller ist ebenfalls sehr bekannt, hat aber bereits abgesagt. Er will lieber nochmals als Ständerat antreten.

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Sie ist die «ewige» Favoritin: Karin Keller-Sutter, Regierungsrätin des Kantons St. Gallen. Die 46-jährige Justizdirektorin hat sich als Hardlinerin in der Ausländer- und Sicherheitspolitik einen Namen gemacht, sie wird seit Jahren als Merz-Nachfolgerin gehandelt. «Ich werde mir in den kommenden Tagen eine allfällige Kandidatur sorgfältig überlegen», sagte Keller-Sutter der Nachrichtenagentur SDA. Die FDP des Kantons St. Gallen hofft auf ihre Kandidatur, wie Vizepräsidentin Imelda Stadler sagte.

In letzter Zeit aber wurde vermehrt Kritik an der «Einzelkämpferin» Keller-Sutter laut. Im heutigen Bundesrat brauche es «Brückenbauer», hiess es etwa. Das könnte die Chance sein für Gabi Huber. Die 54-jährige Urner Nationalrätin hat als FDP-Fraktionschefin in Bern zunehmend an Profil gewonnen. Sie hat eine Kandidatur vorerst ausgeschlossen, aber das muss noch nichts heissen.

Bereits werden auch Stimmen laut, die einen Vertreter der Wirtschaft im Bundesrat fordern: Die Berner Freisinnigen haben den 58-jährigen Nationalrat und Maschinenindustriellen Johann Schneider-Ammann als Wunschkandidat benannt. Der Aargauer Nationalrat und Bauunternehmer Philipp Müller gilt ebenfalls als Vertreter der Wirtschaft, aber auch als polarisierende Persönlichkeit. Deshalb könnte der Zürcher Nationalrat und Unternehmer Ruedi Noser (49) zum Thema werden. Die FDP Zürich will eine Kandidatur prüfen.

Tessin will zurück in den Bundesrat

Besonders eindringlich dürften aber die Tessiner Freisinnigen ihren Anspruch anmelden. Der Südkanton ist seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in der Landesregierung vertreten und wurde bereits bei der Couchepin-Nachfolge übergangen. Der Merz-Rücktritt dürfte längerfristig die einzige Chance auf eine Rückkehr sein. «Der nächste FDP-Bundesrat muss aus dem Tessin kommen, damit der nationale Zusammenhalt nicht gefährdet wird», hatte Nationalrat Ignazio Cassis bereits letztes Jahr im «Blick» gefordert.

Der 49-jährige Arzt gilt als möglicher Kandidat und hat dies nicht ausgeschlossen. In Frage kämen auch Staatsrätin Laura Sadis und Parteipräsident Fulvio Pelli. Für ihn dürfte es mit 59 Jahren die letzte Chance auf eine Bundesratskandidatur sein. Bislang hat er sich geziert, doch wenn der Druck in seinem Kanton gross genug wird, könnte er sehr wohl antreten.

Handicap Frau?

Anderen möglichen Bewerbern werden geringere Chancen eingeräumt. Das gilt etwa für die Berner Nationalrätin Christa Markwalder, die als zu jung und zu EU-freundlich gilt. Ohnehin stellt sich die Frage, ob eine Frau bei der FDP überhaupt eine Chance hat, nachdem die SP eine weibliche Nachfolge von Moritz Leuenberger favorisiert. Fünf Frauen im Bundesrat, das ginge vielen wohl zu weit, hat selbst die Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi festgestellt. Was auch die Chancen von Karin Keller-Sutter mindern dürfte. Die FDP hat aber den Vorteil, dass die Nachfolge von Merz bereits in der Herbstsession geklärt wird, während die SP bis in den Winter warten muss.

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  • Ideenspender am 09.08.2010 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ein Wahltag!

    Notfalls Vereidigung des Leuenberger-Nachfolgers erst im Dezember. Oder Herrn Leuenberger vorzeitig entlassen durch Bezahlung der Monatsgehälter per Ende 2010. Merz ist im AHV-Alter und gesundheitlich nicht mehr so fit um ihn zu einer Herausschiebung zu überreden oder gar zu zwingen.

    • H.S am 09.08.2010 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      Ideenspender

      Man kann einen Bundesrat nicht entlassen !! Das sollte Ihnen eigentlich bekannt sein.

    • Ideenspender am 09.08.2010 18:26 Report Diesen Beitrag melden

      @H.S

      Das ist mir bekannt. Und Herr Leuenberger (als Jurist) sollte wissen, dass er (in seiner jetzigen Situation) in der Privatwirtschaft freigestellt würde. Für Cancun und Gotthard-Tunnel stehen genügend Politiker in den Startlöchern.

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  • Enttäuschter Bürgerlicher am 09.08.2010 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wahltaktischer Stimmenfang zahlt sich

    so kaum mehr aus. Der Souverän hat in den Krisen und aus den Polittheatern dazu gelernt. - Bei vielen - auch bürgerlichen Wählern - ist das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit aus diversen Debakeln, rein parteipolitischen oder populistischen Klimmzügen mehr als verspielt. Sie wählen anders. Auch vorgeschobenes konkordantes Verhalten wäre zuerst und auf Dauer zu beweisen. - 2011 schlägt die Stunde der Wahrheit. Da werden wahrscheinlich einige recht überrascht sein und ihre Augen reiben.

    • Antwort am 09.08.2010 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      Spiel durchschaut

      Stimme Ihnen zu. Alles was Parteien jetzt noch vom Stapel lassen wird als wahltaktisches Manöver oder als Nebelpetarde um politisches und persönliches Versagen von Parteibonzen zu tarnen empfunden. Die Meinungen sind aus den Erfahrungen der jüngsten Zeit längst gemacht.

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  • Mario Zuppiger am 09.08.2010 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die WIRTSCHAFT

    hat überhaupt keinen Anspruch auf die Politik zu üben. Sie hat sich UNTER ZU ORDNEN! Man sieht ja EU-weit, was geschieht, wenn die WIRTSCHAFT massgebend ist! Ihnen und ihren korrupten Handlangern in den politischen Ämtern haben wir den ganzen Schlammassel zu verdanken!