Durch den Fels

10. August 2010 12:26; Akt: 07.10.2010 15:16 Print

Buddeln für MoritzBuddeln für Moritz

Es wäre Moritz Leuenbergers krönender Abschluss als Bundesrat: der Gotthard-Durchstich am 15. Oktober. Für die Mineure ist der Weg dorthin aber noch lang – und voller Risiken.

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Ein bewegender Abschied: Am 22. September 2010 wurde Moritz Leuenberger vor der vereinigten Bundesversammlung verabschiedet. Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer würdigte im Namen aller Parlamentarier die politische Arbeit von Moritz Leuenberger. Nach über 15 Jahren in der Landesregierung hat sich der SP-Bundesrat zu seinem Rücktritt entschieden, wie er am ... ... 9. Juli 2010 an einer Medienkonferenz erklärte. Seine politische Karriere begann der gebürtige Bieler im Kanton Zürich. Hier informierte er als Präsident der Stadtzürcher SP in den 70er-Jahren über die Wahlplattform seiner Partei, der er 1969 beigetreten war. Schlagartig bekannt wurde der damalige Nationalrat 1990 als Präsident der «Parlamentarischen Untersuchungskommission EJPD» (PUK 1), die in Folge der Affäre um Elisabeth Kopp zur Aufdeckung des Fichenskandals führte. 1991 wurde Moritz Leuenberger in den Zürcher Regierungsrat gewählt. Im gleichen Jahr hielt er am Nationalen Velotag eine Rede auf dem Münsterhof. Kritisiert wurde er als Justizdirektor nach dem Mord am Zollikerberg durch einen im Hafturlaub befindlichen Sexualstraftäter. Am 27. September 1995 wurde Moritz Leuenberger in den Bundesrat gewählt, als Nachfolger von Otto Stich. Er setzte sich gegen seinen innerparteilichen Gegenkandidaten, den Freiburger Ständerat Otto Piller, durch. Nach der erfolgten Wahl wurde Leuenberger vom Gesamtbundesrat empfangen. Links von ihm sein Amtsvorgänger Otto Stich. Der neue Bundesrat übernahm das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Am 5. Oktober erfolgte der Empfang im Kanton Zürich, begleitet von seiner Lebenspartnerin Gret Loewensberg und von Bundesrat Kaspar Villiger. Nach dem Terroranschlag in Luxor, bei dem 36 Schweizerinnen und Schweizer ums Leben kamen, sprach Bundesrat Leuenberger am 19. Oktober 1997 an einer kurzen Trauerfeier auf dem Flughafen Zürich zu den Angehörigen der Opfer. 2001 war Leuenberger erstmals Bundespräsident. Im «Katastrophenherbst» war er besonders gefordert. Nach dem Amoklauf von Zug gedachte er zusammen mit Nationalratspräsident Peter Hess vor dem Regierungsgebäude der 14 Opfer des Todesschützen Friedrich Leibacher. Das Swissair-Grounding am 2. Oktober führte zu einer emotionalen Pressekonferenz mit Finanzminister Kaspar Villiger. Dabei attackierte Leuenberger den UBS-Präsidenten Marcel Ospel, der tags zuvor mit dem Privatjet nach New York geflogen war: «Der Wirtschaftsführer fährt in der Luft, und der Bundesrat geht in die Luft.» Nach der Frontalkollision im Gotthardtunnel am 24. Oktober, bei der elf Menschen ums Leben kamen, informierte sich der Bundespräsident vor dem Südportal in Airolo. 2006 wurde Leuenberger zum zweiten Mal Bundespräsident - hier bei der Aufzeichnung seiner Neujahrsansprache im Fernsehstudio des Bundeshauses. Im gleichen Jahr feierte die päpstliche Schweizergarde den 500. Jahrestag ihrer Gründung. Während der offiziellen Feierlichkeiten im Mai wurde der Bundespräsident im Vatikan von Papst Benedikt XVI. empfangen. Mit Kollege Christoph Blocher am 12. Dezember 2007, dem Tag von dessen Abwahl aus dem Bundesrat. Leuenberger soll unter der Präsenz des SVP-«Alphatiers» in der Landesregierung gelitten haben. Ein Dauerproblem für den UVEK-Chef war das Anflugregime auf den Flughafen Zürich. Nach der Ablehnung des mit Deutschland ausgehandelten Staatsvertrags musste er Südanflüge zulassen, was von der lärmgeplagten Bevölkerung nicht goutiert wurde. Als Verkehrsminister waren ihm die Bahnen stets ein grosses Anliegen. Die Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels am 15. Juni 2007 war einer der Höhepunkte seiner Amtszeit. Umweltminister Leuenberger setzte sich für eine weltweite CO2-Abgabe ein, allerdings erfolglos. Zusammen mit SBB-Chef Andreas Meyer und VR-Präsident Ulrich Gygi reiste er in einem Sonderzug zur Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009. Ein unglücklicher Personalentscheid war die Wahl von Claude Béglé zum Verwaltungsratspräsidenten der Post im Juni 2008. Im Januar 2010 musste der forsche Waadtländer den Hut nehmen. Für Showeinlagen war sich Moritz Leuenberger nie zu schade: Am 24. Februar 2003 schnüffelte er zum Auftakt der Kampagne für die Energieetikette für effiziente Autos an einem Auspuff. Ebenfalls sehr medienwirksam war seine zweitägige Reise im Führerstand eines Güterzugs vom deutschen Ofenburg nach Gallarate in Italien im Juli 2005. Besonders gerne umgab sich der belesene Magistrat mit Grössen aus der Kultur, hier mit Schauspieler Bruno Ganz an den Solothurner Filmtagen 2005. Als begnadeter Redner erhielt Leuenberger 2007 den deutschen Cicero-Preis. Seine Vorliebe für salbungsvolle Ansprachen erzeugte oft Kritik und Spott und den Vorwurf, er vernachlässige darob sein Amt als Bundesrat. Der UVEK-Chef unterwegs auf einem E-Bike auf der Bundesrats-Reise am 2. Juli 2010 in Rottenschwil (AG). Eine Woche später erklärte er seinen Rücktritt.

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Der Anlass ist für Noch-Bundesrat Moritz Leuenberger von grösster Bedeutung: Der Durchstich des Gotthard-Basistunnels sei ein «Symbol für den Beitrag der Schweiz zum Aufbau Europas», hatte er bei seiner Rücktritts-Ankündigung gesagt. Damit könne er seine Arbeit als Infrastrukturminister «abrunden». Deshalb wolle er bis zum Durchstich im Amt bleiben. Dieser soll am 15. Oktober stattfinden. Leuenberger wird höchstens bis zum 22. November im Amt bleiben. Ein enges Zeitfenster.

Damit mit dem Termin alles klappt, muss auch bei den Mineuren alles rund laufen. Hunderte Einladungen sind bereits ins In- und Ausland verschickt worden, der Durchstich soll gar live an die Verkehrsministerkonferenz nach Luxemburg übertragen werden.

700 Meter Fels

Der Termin, an dem Schweizer Geschichte geschrieben werden soll, wurde bereits im letzten Frühling festgelegt. Er könnte sich nun aber als allzu optimistisch erweisen: Noch liegen nämlich über 700 Meter Fels vor den Mineuren, die sich mit der Tunnelbohrmaschine von Süden her vorarbeiten.

«Es ist eine Herausforderung, aber wir sind zuversichtlich», sagte Renzo Simoni, Chef der Alp Transit Gotthard (ATG), am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass es im letzten Abschnitten noch grössere Rückschläge geben könnte.

Simoni stützt sich dabei vor allem auf die Prognosen der Geologen. Nach deren Angaben muss sich die Tunnelbohrmaschine noch durch Streifengneis fressen. Das geht wesentlich rascher als durch den gefürchteten Medelser Granit, der viel härter ist und darum die Vortriebsleistung der Maschine drückt.

13 Meter am Tag

Bis nächsten Montag steht diese für Revisionsarbeiten ohnehin still. Beginnen sich die Räder wieder zu drehen, bleiben den Mineuren noch 54 Arbeitstage. Sie müssen also rund 13 Meter am Tag schaffen, damit der Durchstich-Termin eingehalten werden kann. Nach Angaben von Simoni ein ehrgeiziges, aber erreichbares Ziel.

Es reicht aber eine blockierte Bohrmaschine, geologische Schwierigkeiten oder ein Wassereinbruch, und nicht Leuenberger, sondern sein Nachfolger hält vor den Augen Europas die Festrede zum symbolträchtigen Akt. Nachdem der Verkehrsminister seinen Rücktritt nun doch vorverlegt hat, wird sein Nachfolger voraussichtlich am 22. September gewählt.

Leuenberger kann damit längstens bis zum 22. November im Amt bleiben. Aber auch für dieses Datum kann Simoni keine Garantie abgeben. «Vor der Hacke ist es duster», zitierte er eine alte Bergmanns-Weisheit. Ob es funktioniere, wisse man immer erst am Schluss. Leuenberger habe vor seinem Entscheid keine Rücksprache mit ihm genommen, sagte der ATG-Chef.

(sda)

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  • Bidu am 15.10.2010 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Auto?

    NEAT ist künftig unbrauchbar, bin ich überzeugt. Dafür wird die Bahn auf Auto umgestellt, glaube ich.

  • Susanne Reich am 13.08.2010 23:54 Report Diesen Beitrag melden

    Rede?

    Möchte er wieder eine seiner - zugegebenermassen - guten Reden halten? ;-) Ich kann mir ja vorstellen, dass er diesen Moment noch als Bundesrat erleben möchte, doch nun wird er durch die Umstände aus Vernunftsgründen darauf verzichten müssen. Seinen Leistungsausweis kennt er ja selber am besten...

  • macjoe am 12.08.2010 00:10 Report Diesen Beitrag melden

    HIlfe

    Dieser BR Leuenberger hat uns seit x jahren genervt wie selten einer, endlich endlich ein Lichtblick das er bald abtritt. Das Theater welcher er jetzt noch volzieht deckt sich mit seinem Leistungsausweis. Er hätte gescheiter einen zweiten Gotthard Strassentunnel in Angriff genommen als so nen Zugmist.