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Viele Symbole, wenig Wahlkampf
15. September 2009 16:39; Akt: 16.09.2009 21:23 Print
In Adenauers Spur: «Keine Experimente»
Die Kanzlerin Angela Merkel reist im «Rheingold Express» von West nach Ost: Für die persönliche Sicherheit der Kanzlerin sorgten hunderte von Polizisten, gleichwohl war es keine ganz ungefährliche Reise, die Angela Merkel im «Rheingold Express» unternahm.

Merkel auf historischen Wegen: Im Rheingold Express in Frankfurt. (Bild: Reuters)
Ihre Wahlkampftour im legendären Zug von Bonn nach Berlin barg am Dienstag viele symbolische Fallstricke: Rote Signale, falsch gestellte Weichen, der Zug ist abgefahren - für Kommentare war das gutes Futter. Aber die Bahn war mit der CDU-Vorsitzenden, grosse Pannen blieben aus. Grosse politische Ansagen aber auch.
Merkel und ihre CDU hatten sich den 60. Jahrestag des Amtsantritts von Konrad Adenauer für diese bisher umfangreichste Wahlkampftour herausgepickt. Die Erinnerung an den «Alten» war allgegenwärtig: Merkel startete ihre Reise in Rhöndorf bei Bonn, dem einstigen Wohnort Adenauers. Nach einer Kranzniederlegung am dortigen Waldfriedhof mit dem Grab Adenauers stattete sie dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn einen Besuch ab. Dort war unter anderem das Arbeitszimmer zu besichtigen, das Adenauer für seine ersten Amtsmonate nutzte.
«Keine Experimente»
Sie bewundere an Adenauer dessen liebevolle Art im Umgang mit anderen Menschen und seine Bodenständigkeit, sagte Merkel vor Journalisten. «Ich gehöre zu denen, die viele Bezugspersonen haben, aber nun nicht ein einzelnes Vorbild», weigerte sich die CDU-Chefin dann zwar, Adenauer als ihr einziges Idol zu benennen.
Wer aber noch Zweifel hatte, dass sich auf dieser Zugtour die nächste politische Enkelin Adenauers in die Spur setzte, wurde spätestens am ersten Zwischenhalt eines besseren belehrt: In Koblenz sprach Merkel vor knapp 2.000 Menschen, sie sprach von der Bundestagswahl am 27. September, von der Finanzkrise, vom bevorstehenden G-20-Gipfel und sagte die Worte: «Wir können uns keinerlei Experimente erlauben.»
«Keine Experimente», das war einst auch der Wahlkampfslogan Adenauers.
Keine Wahlkampfschelte
Politisch blieb Merkel nach Einschätzung von Beobachtern ungefähr auf dem Niveau, das schon ihr Fernsehduell mit SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier beherrscht hatte: Wahlkampfschelte für den politischen Gegner blieb zumindest auf den ersten Wahlkampfstationen - den Bahnhöfen von Koblenz und Frankfurt am Main - aus.
Kein schlechtes Wort über die SPD beispielsweise gab es zu hören. Statt dessen widmete sich die Kanzlerin der Krise und ihren Verursachern. Sie fahre nach Pittsburgh zum G-20-Gipfel, «um sicherzustellen, dass die Banker dieser Welt nie wieder auf unsere Knochen solche Sachen anstellen können, sondern dass sie Regeln kriegen wie jeder Mensch auf der Welt», wetterte die CDU-Vorsitzende.
Das gab zwar viel Beifall, auch, weil es ohnehin immer gut ist, auf «die da oben» zu schimpfen. Ob sich damit im Lager der bislang noch unentschlossenen Wähler Stimmen dazugewinnen lassen, durfte aber bezweifelt werden. «Die soll mal lieber hier in Deutschland einen Mindestlohn einführen. Ich muss für 4,50 Euro die Stunde putzen», beklagte sich eine Zuschauerin lauthals.
Kein Hindernis
Der «Rheingold Express» und Merkel setzten ihren Weg dessen ungeachtet fort. Flankiert von Polizeiposten an neuralgischen Punkten wie Bahnübergängen und Brücken machte sich der rund 200 Personen umfassende Tross in Richtung Erfurt, Leipzig und schliesslich Berlin Hauptbahnhof auf. Mit an Bord Mitglieder der Familie Adenauer, darunter Libet Werhahn-Adenauer, Konrad Adenauers jüngste Tochter aus zweiter Ehe.
Zum politischen Enkel Adenauers brachte es aus CDU-Reihen bislang nur Altkanzler Helmut Kohl. Der titulierte sich zunächst selber so, festigte diesen Ruf aber später mit seiner Aussen- und Europapolitik, die ihm auch den Ehrentitel «Kanzler der Einheit» einbrachte.
Kohl war mit 16 Jahren Amtszeit auch der «Ewige Kanzler», er überflügelte damit sogar Adenauer, der es auf 14 Jahre brachte. Merkel ist seit vier Jahren Kanzlerin, die Aussichten sind gut, dass sie es nach der Bundestagswahl weiter sein wird. Die Zugfahrt im «Rheingold Express» war da zumindest kein Hindernis.
(dapd)




























