Tödliche Verneigung

16. Januar 2012 15:06; Akt: 16.01.2012 15:56 Print

«Bald fährt sie ganz ganz nahe vorbei ...»«Bald fährt sie ganz ganz nahe vorbei ...»

Das nahe Passieren der Insel Giglio galt als Touristenspektakel. Ein Briefwechsel zeigt: Das Manöver hatte Tradition. Nur, diesmal wollte der Kapitän besonders nahe ran - für seinen Maître d'hôtel.

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Am 18. Mai gab die Reederei Costa Crociere bekannt, dass in wenigen Tagen mit der Bergung des havarierten Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» begonnen werden soll. Das 290 Meter lange Schiff soll im Ganzen geborgen und danach zerlegt werden. Zuerst soll die «Costa Concordia» am Meeresgrund gesichert und dann mit Hilfe von Containern und Kränen aufgerichtet werden. Am 26. März haben Taucher zwei weitere Leichen aus dem Wrack geborgen. 27 Opfer wurden bislang an Land gebracht. Drei befinden sich noch im Schiff. Zwei Personen gelten noch als vermisst. Am 23. Februar finden Taucher erneut vier Leichen an Bord der Costa Concordia. Weitere 7 Personen werden noch vermisst. Am 22. Februar 2012 finden Taucher vier Leichen in der Costa Concordia. Am 31. Januar war die Suche nach den verbliebenen 15 Vermissten endgültig eingestellt worden. Mit einem Spezialboot sammelten Einsatzkräfte am 26. Januar Müll rund um das havarierte Kreuzfahrtschiff ein. Am 25. Januar werden erstmals Bilder veröffentlicht, welche die Flucht mit Rettungsbooten zeigen. Die Überlebenden des Unglücks hatten die Besatzung kritisiert, dass die Rettung schlecht organisiert war. Am 23. Januar finden die Rettungskräfte die Leichen Nummer 14 und 15. Noch immer werden 17 Menschen vermisst. Am 18. Januar tauchten erste Satellitenaufnahmen der «Costa Concordia» vor... ...der Insel Giglio auf. Rettungstaucher finden am 17. Januar fünf weitere Leichen im Wrack der «Costa Concordia». Die Suche nach den Vermissten geht weiter. Die halb versunkene «Costa Concordia» liegt am Abend des 16. Januar vor der Küste der Insel Giglio. Rettungstaucher suchen im Schiffswrack weiter nach Überlebenden. Ein Taucher schwimmt im Inneren der «Costa Concordia» und sucht nach Lebenszeichen. Das Inventar des Luxusliners ist komplett durcheinander gekommen. Die Generaldirektor Gianni Onorato und ... ... der Vorstandsvorsitzende Pier Luigi Foschi distanzieren sich an einer Pressekonferenz am 16. Januar von ihrem Kapitän Francesco Schettino. sei eigenmächtig und ohne Genehmigung vom Kurs abgewichen. Das Kentern der «Costa Concordia» sei somit auf menschliches Versagen zurückzuführen. (Bild: TV-Aufnahme vom 14. Januar) Immer noch werden mindestens 15 Personen vermisst. Doch weil das Schiff wegzurutschen droht, müssen die Bergungsarbeiten für mehrere Stunden unterbrochen werden. Am eingetragen. Es liegt bedenklich nahe an der Fährenroute Porto Giglio - Porto Santo Stefano. Unermüdlich suchen die Rettungsleute auch am das Wrack des in der Nacht auf 14. Januar 2012 auf Grund gelaufenen Schiffs nach Vermissten ab. Die Bergung gestaltet sich als schwieriger Kletterakt. Kabine um Kabine muss durchsucht werden. Auch Taucher sind rund um die Uhr im Einsatz. Hier ist eines der Decks zu sehen ... ... und hier die Pianobar des Kreuzfahrtschiffs. Das Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» hat ... ... einen Felsen gerammt, ... ... «der ein 70 Meter langes Loch in den Rumpf gerissen hat», sagte Francesco Paolillo von der italienischen Küstenwache. Das Schiff wurde regelrecht Danach hat es sich und läuft langsam voll. Fast 30 Stunden nach der Havarie ist in der Nacht auf den Sonntag (15. Januar) ein lebend aus einer Kabine geborgen. Das Paar hatte auf dem Kreuzfahrtschiff seine verbracht. Am Samstag, 14. Januar, werden Tote geborgen, viele Personen sind noch immer vermisst. Passagiere mit Schwimmwesten an Bord des Unglücksschiffs, kurz nach der Havarie. Viele wurden beim Unglück vor der toskansichen Küste verletzt Ein Grossteil der rund 4200 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord ... ... wurde mit Schlauchbooten evakuiert. Der Hafen von Giglio ist von Schiffbrüchigen belagert. «Wir haben einen grossen Krach gehört, dann war es die Hölle», sagte ein Passagier, der zusammen mit anderen Betroffenen aufs Festland nach Porto Santo Stefano gebracht wurde. Dass sich der Unglücksort unmittelbar vor dem Hafen der Insel Giglio befindet, erleichterte die Evakuierung. Francesco Schettino, des Schiffes wurde verhaftet. Gegen ihn wird wegen mutmasslichen Totschlags und Verursachung von Schiffbruch ermittelt. Zudem wird ihm vorgeworfen, das Schiff verlassen zu haben, als sich noch Menschen an Bord befanden. Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere nannte das Schiffsunglück «eine bestürzende Tragödie». Dramatische Rettungsaktionen an Bord des Kreuzfahrtschiffes. Das Unglück erinnert an den Untergang der Titanic vor 100 Jahren.

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Acht Seemeilen breit ist der Kanal zwischen der Isola del Giglio und der Halbinsel Monte Argentario – selbst für Riesenschiffe wie die «Costa Concordia» wäre es darum kein Problem, die Unterwasserfelsen Le Scole, die in der Nacht auf Samstag dem Kreuzer zum Verhängnis wurden, zu umschiffen. Doch Kapitän Francesco Schettino riskierte mit seinem Manöver zu viel. Warum?

Bereits kurz nach dem Unglück wurde spekuliert, Schettino sei womöglich aus Sensationssucht so nahe an der Insel Giglio vorbeigefahren. Nun kommen weitere Details über das riskante Manöver ans Licht.

Eine Verneigung vor der Insel

Wie das Newsportal ElbaReport aufdeckte, handelt es sich dabei möglicherweise um eine lange Seefahrer-Tradition: Die Kreuzfahrtschiffe der Linie Costa Crociere fahren gemäss den Recherchen oft extra nahe an der Insel Giglio vorbei, um den Touristen im Hafen ein Spektakel zu bieten. Auf der Höhe des Hafens ertöne jeweils das Schiffshorn. «Ein Gruss des Schiffes an die Inselbewohner», sagt Chefredaktor Sergio Rossi von ElbaReport gegenüber 20 Minuten Online. Unter Seefahrern nennt man dies eine «Verneigung» vor der Insel.

Als Beweis publiziert ElbaReport den Briefverkehr zwischen Sergio Ortelli, Gemeindepräsident der Insel Giglio, und einem Kapitän der «Costa Concordia» vom 8. August 2011. Darin schreibt Ortelli vom «unglaublichen Spektakel» des vorangehenden Abends, als die «Costa Concordia» direkt vor Porto Giglio vorbeigefahren sei. Darum wolle Ortelli dem Kapitän nun eine Nachricht im Namen der ganzen Gemeinde und der zahlreichen Touristen zukommen lassen, die alle einem «einmaligen Event» beiwohnen durften. Darauf fügt Gemeindepräsident Ortelli an, dass das nahe Passieren der Riesenschiffe in den letzten Jahren zu einer «unverzichtbaren Tradition» geworden sei, für die er sich bedanken wolle.

«Dem Spektakel und dem Druck der Inseln zuliebe»

Der damalige Kapitän der «Costa Concordia» antwortet dem Gemeindepräsident geschmeichelt und erzählt, es sei bewegend gewesen, an Giglio vorbeizufahren. Er habe die Blitzlichter wahrgenommen, die zu Tausenden aufleuchteten, als er den Hafen passierte. Er hoffe darum, dass dies auch für die Leute an Bord eine fortdauernde Tradition bleibe.

Chefredaktor Sergio Rossi kann sich gegenüber 20 Minuten Online kaum beherrschen, wenn er von dieser Korrespondenz redet. «Das ist eine mörderische Tradition, bei der die Kapitäne dem Spektakel zuliebe und auf Druck der Inseln immer näher an die Küste heranfahren», empört er sich.

Wollte der Maître die Eltern grüssen?

Nebst der Tradition des nahen Passierens soll es aber einen weiteren Grund geben, weshalb die «Costa Concordia» gerade vor Giglio gesunken ist. Kapitän Francesco Schettino soll dem Maître d’hôtel der «Costa Concordia» zuliebe noch näher als sonst an die Insel Giglio herangefahren sein, wie mehrere Medien vermelden. Der Maître, ein gebürtiger Gigliese, wollte damit angeblich seine Eltern grüssen. Das Haus der Familie des Maître befindet sich im Osten der Insel bei Porto Giglio.

Die These wird gestützt durch einen Facebook-Eintrag der Schwester des Maître. Diese schrieb vor dem Unglück: «Innert Kürze fährt die Concordia der Costa Crociera ganz ganz nahe vorbei ...» Zu nahe, wie sich kurz darauf herausstellte.

(ann)

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  • Patricia Bitterli am 17.01.2012 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Trotzdem...

    ... sollte die Geschäftsleitung zu den Fehlern stehen... denn schliesslich war nebst dem Kapitän wohl auch die Besatzung nicht wirklich genügend auf solche Fälle genügend vorbereitet worden....

  • Walter-R am 17.01.2012 03:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gelernt?

    Ich frage mich wirklich, ob aus dem Titanic Unfall keine Lehren gezogen wurden. Es sollte doch mit der heutigen Technologie möglich sein, ein Schiff so zu bauen, dass es auch bei einem Leck in der Grösse nicht innert kürzester Zeit umkippt und sinkt.

  • Guido Lehmann am 17.01.2012 00:45 Report Diesen Beitrag melden

    Concordia vs. Titanic

    Also ich finde es mehr als vermessen, wie oft in den Medien oder Kommentaren erwähnt, die beiden Unglücke zu vergleichen. Bei der Titanic konnte man nicht wirklich an das nahe gelegene Land schwimmen... Das Unglück ist tragisch. Klar. Aber im Verhältnis doch eher ein "Kleines".