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Libyen-Affäre
23. Februar 2010 12:24; Akt: 23.02.2010 13:49 Print
Hamdani kann sein Glück nicht fassen
«Ich fühle mich wie im Traum»: Das sind die ersten Worte, welche die freigelassene Libyen-Geisel Rachid Hamdani gegenüber dem Westschweizer Fernsehen sagte. Mit keinem Wort äusserte Hamdani Kritik an den libyschen Behörden.
Das Westschweizer Fernsehen konnte am Morgen erstmals mit Rachid Hamdani, der sich derzeit auf der tunesischen Ferieninsel Djerba aufhält, telefonieren. «Ich komme mir vor wie in einem Traum», sagte er dem Reporter. Zwei Momente während der 19-monatigen Odyssee seien «sehr hart» gewesen: Die ersten Tage seiner Haft im Juli 2008, als er im Al-Fellah, dem Höllenknast von Gaddafi, einsass; und der Moment, als sie im Oktober von den libyschen Behörden an einen geheimen Ort verschleppt wurden. «Dort waren wir komplett isoliert», so Hamdani. Ansonsten sei er aber gut behandelt worden.
Im libyschen Staatsfernsehen: Rachid Hamdani gibt sein erstes Interview unmittelbar vor der Ausreise.
Auf weitere Fragen zum Verhalten der libyschen Behörden antwortete Hamdani nur ausweichend. In dem rund 11-minütigen Interview äusserte er zu keinem Zeitpunkt Kritik am libyschen Regime, welches ihn fast 600 Tage im Land festgehalten hatte.
«Medien veröffentlichten umwahre Dinge»
Kritik äusserte er dagegen an der internationalen Presse, welche «viele negative Dinge geschrieben hat». Es sei viel von den Medien veröffentlicht worden, das nicht wahr gewesen sei, sagte Hamdani ohne weitere Details zu nennen.
Besonders schmerzhaft sei der Moment gewesen, als er Max Göldi habe allein zurücklassen müssen. Mit ihm habe er immer zusammengehalten, sagte Hamdani. Er fühle sich Max Göldi sehr verbunden. Er habe grosse Unterstützung aus der Schweiz, von Freunden und seiner Familie erhalten, sagte Hamdani mit bewegter Stimme. «Ich kann meine Dankbarkeit kaum ausdrücken.»
Der Grenzübertritt zwischen Libyen und Tunesien sei problemlos verlaufen. «Ich wurde behandelt wie ein VIP.»
Nach rund 11 Minuten muss er das Interview abbrechen. «Ich muss jetzt gehen, das Flugzeug in die Schweiz wartet», sagt Hamdani zum Schluss.
Fotos der Verhaftung waren unerträglich
Seine Frau sagte gegenüber «lematin.ch», dass er sehr müde, aber erleichtert sei. «Ich realisiere noch nicht ganz, dass er frei ist. Es ist wohl ein bisschen, wie wenn man bei den olympischen Spielen ein Goldmedaille gewonnen hat.» Richtig freuen könne sie sich aber noch nicht, da Max Göldi immer noch in Haft sitzt. «Die Fotos seiner Verhaftung zu sehen war unerträglich.»
Hamdani bedankt sich bei Libyen
Auch die libysche Propaganda ist aktiv: Nach der Freilassung Rachid Hamdanis hat Libyens Staatsfernsehen ein kurzes Interview mit dem tunesisch-schweizerischen Doppelbürger ausgestrahlt. Hamdani bedankte sich für die «gute Behandlung» während seiner Zeit in dem Land. Weiter sagte Hamdani, er freue sich, wieder zur Arbeit zurückzukehren.
Hamdani betonte gegenüber dem Staatssender von Gaddafis Gnaden, die Berichterstattung in der ausländischen Presse zur Libyen-Affäre habe nicht den Tatsachen entsprochen. Veröffentlicht wurde das Interview auf dem Newsportal Al Manara. Unter welchen Umständen das Interview kurz nach der Freilassung entstand, ist unklar.
Hamdani im Interview mit dem libyschen Fernsehen:
(am/mdr/dga/mlu/sda)


























