Libyen-Affäre

27. August 2009 16:46; Akt: 27.08.2009 23:20 Print

Armee hätte Geiseln nicht befreien könnenArmee hätte Geiseln nicht befreien können

von Lukas Mäder - Während die zwei Schweizer in Libyen weiter hingehalten werden, hat sich Verteidigungsminister Ueli Maurer zu einem Militäreinsatz geäussert. Die Schweizer Eingreiftruppe wäre nicht imstande gewesen, die Schweizer zu befreien — obwohl das eigentlich im Pflichtenheft steht.

storybild

Sie sind zu wenige und kämen nicht bis Libyen: Die Elitesoldaten des AAD 10. (Bild: AAD 10)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Noch gestern Mittwochabend hatte das Finanzdepartement eine optimistisch klingende Medienmitteilung verschickt, die Schweizer hätten ihre Pässe und die nötigen Ausreisevisa erhalten (20 Minuten Online berichtete). Doch getan hat sich nichts. «Wir warten weiterhin auf Informationen aus Libyen», sagt Roland Meier, Sprecher des in der Angelegenheit federführenden Finanzdepartements. Weitere Auskünfte gibt es nicht.

Libysche Schikane geht weiter

Offiziell fehlt den beiden Schweizer Geiseln eine Zustimmung zur Ausreise des libyschen Justizministeriums. Darauf warten die zwei Geiseln und die Schweizer Delegation, die am Dienstag mit einem Bundesratsjet in Tripolis eingetroffen ist, nun bereits seit zwei Tagen. Das macht klar, dass es sich bei der ministeriellen Zustimmung nicht um eine administrative Notwendigkeit handelt, sondern um eine pure Schikane. Die Familie von Gaddafi scheint die Schweiz und insbesondere Bundespräsident Hans-Rudolf Merz desavouieren zu wollen.

Keine Auskunft gibt das EFD zudem darüber, ob der Bundesratsjet weiterhin in Tripolis bleibt oder nach Bern zurückbeordert wird. Zu dieser Frage hat sich aber Verteidigungsminister Ueli Maurer, in dessen Bereich der Bundesratsjet der Luftwaffe fällt, am Rande einer Medienkonferenz geäussert. «Es ist ab und zu der Fall, dass ein Flugzeug mit einer Delegation für ein Paar Tage im Ausland bleibt», sagte er. Eventuell müsse ein Jet dazugemietet oder auf Linienflüge ausgewichen werden. Laut Maurer ist das so üblich.

«Elitetruppe reicht für solche Räuberaktionen nicht»

Weniger beruhigend war Maurers Einschätzung seiner Elitesoldaten. Das Aufklärungsdetachement 10 (AAD 10) hätte eine Befreiung der beiden Schweizer aus Libyen nicht durchführen können, sagte er — obwohl das Pflichtenheft eine Evakuierung bedrohter Schweizer vorsieht. Dafür genügten die Transportkapazitäten nicht und das AAD 10 sei zu klein, da es statt dem Sollbestand von 90 Mann nur rund ein Drittel davon umfasse. «Das reicht für solche Räuberaktionen nicht», sagte Maurer. Sowieso wäre ein solcher Einsatz nicht opportun gewesen.

In der Libyen-Affäre hat seit einigen Wochen das Finanzdepartement die Federführung vom Aussendepartement (EDA) übernommen. Gerüchteweise habe das bei der Aussenministerin Micheline Calmy-Rey keine Freude ausgelöst. Trotzdem scheint die SP-Bundesrätin Zeit für dieses Dossier aufzuwenden. Sie hat ihre Teilnahme an einer Veranstaltung am Samstag in Winterthur abgesagt — «wegen der aktuellen aussenpolitischen Situation», wie die SP Winterthur als Organisatorin mitteilt. EDA-Sprecher Adrian Sollberger will zu den Gründen keine näheren Angaben machen: «Bundesrätin Calmy-Rey ist kurzfristig verhindert.» Sie bedaure die Absage.

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Arnold von Melchtal am 01.09.2009 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ich möchte daran erinnern:

    Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr. Ich bin mir sicher, Gaddafi lässt die Geiseln nicht frei damit Merz geht. Gaddafi sollte seinen Wunsch zum Trotz nicht erfüllt erhalten und die Medien und das Volk sollte sich hinter ihn stellen. Nur Wunschdenken...

  • wilhelm tell am 01.09.2009 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Auge um Auge

    Die zwei ranghöchsten Libyer in der Schweiz festnehmen und dann wird Auge um Auge, Zahn um Zahn abgerechnet! Basta!! Ah ja und der Bundesrat kann packen, was für Memmen...

  • A.H. am 31.08.2009 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    ES IST ZEIT....

    Herr BR. Merz und Frau BR. Calmy-Rey es ist zeit dass sie Ihren Bundesrahts Stuhl biss Freitag 4. September 16.00 RÄUMEN!!! Das die Aufageb die sie verpatzt haben endlich durch Kompetente Personen ausgeführt und im sinne des schweizer Volkes bewältigt werden!