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Diplomatische Vertretungen
22. November 2009 10:05; Akt: 22.11.2009 10:05 Print
Das nicht so süsse Leben in der Botschaft
von Peter Blunschi - Die Schweizer Geiseln in Libyen befinden sich in der Botschaft in Tripolis. Dort sind sie sicher, solange der Botschafter eine Auslieferung ablehnt. Es ist ein Leben im «goldenen Käfig», das nicht alle gut ertragen.
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«Botschaften sind exterritoriales Gebiet», heisst es im Volksmund. Doch dies Vorstellung ist überholt, die Schweizer Botschaft in Tripolis etwa befindet sich nicht auf schweizerischem, sondern auf libyschem Staatsgebiet. Der Gastgeberstaat verzichtet jedoch aufgrund des «Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen» von 1961 auf die Ausübung seiner Hoheitsrechte. Diplomatische Vertretungen gelten als «unverletzlich» und dürfen nur mit Einwilligung des Missionschefs betreten werden.
Die Schweizer Botschaft in Tripolis, Zufluchtsort der beiden Geiseln.(Bild: Keystone)
Der gestürzte honduranische Präsident Manuel Zelaya in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa.(Bild: Reuters)
Da diese Regelung im Interesse aller Länder ist, wird sie selbst in «Schurkenstaaten» peinlich befolgt. Die bekannteste «Ausnahme» der jüngeren Geschichte ist die Besetzung der US-Botschaft in Teheran vor 30 Jahren durch iranische Studenten. Sie blieb insofern folgenlos, als die internationale Gemeinschaft sich damals im Klima des Kalten Krieges nicht auf Sanktionen einigen konnte. In der Regel aber gilt: Wer in eine Botschaft flüchtet, befindet sich in Sicherheit, sofern der Botschafter eine Auslieferung ablehnt.
Flucht in die Botschaft
Diplomatische Vertretungen sind deshalb beliebte Ziele von Menschen, die sich verfolgt wähnen. Immer wieder kommt es zu spektakulären Fällen, in denen prominente Regimegegner in Botschaften von aus ihrer Sicht sicheren Drittstaaten Zuflucht suchen. Letztes Jahr etwa flüchtete der simbabwische Oppositionsführer und heutige Regierungschef Morgan Tsvangirai in die Vertretung der Niederlande. Derzeit aktuell ist der Fall des gestürzten honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya, der heimlich in seine Heimat zurückgekehrt war und in der brasilianischen Botschaft Unterschlupf fand.
Dort befindet er sich seit nunmehr 40 Tagen, denn häufig sind langwierige Verhandlungen nötig, um einen Ausweg aus der verzwickten Lage zu finden. Manchmal müssen Botschaftsflüchtlinge monatelang ausharren. Das kann durchaus angenehm sein, häufig residieren die Diplomaten in schönen Villen mit grosszügigen Parkanlagen. Aber es ist ein Leben im «goldenen Käfig», ohne Bewegungsfreiheit und verbunden mit Langeweile.
Physische und psychische Probleme
Und nicht immer sind die Verhältnisse komfortabel, es kann auch ganz schön eng werden. Das bekannteste Beispiel der jüngeren Geschichte ist die Erstürmung der bundesdeutschen Botschaft in Prag durch DDR-Flüchtlinge vor 20 Jahren. Am Ende campierten rund 4000 Menschen im Garten der Botschaft, die sanitären Verhältnisse waren katastrophal. Erst nach intensiven Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechoslowakei durften sie in den Westen ausreisen.
Nicht selten ist die psychische Belastung grösser als die physische. Für Schlagzeilen sorgte die Luzernerin Elisabeth Malash, die im Mai 2002 mit ihren drei vom ägyptischen Noch-Ehemann entführten Kindern in die Schweizer Botschaft in Kairo flüchtete. Der Fall war juristisch verzwickt und zog sich über fünf Monate hin. Dann verschwanden die Flüchtlinge plötzlich, offenbar weil es die Kinder im «goldenen Käfig» nicht mehr ausgehalten hatten. Wohin sie gingen, scheint bis heute unklar zu sein.
Befreiungsaktion ist kein Thema
Auch der in Libyen festsitzende Rachid Hamdani soll psychische Probleme haben. Eine Lösung ist nicht in Sicht, und eine Befreiungsaktion wäre völkerrechtlich nicht haltbar. Zwar scheint es verlockend, die Schweizer mit einem Helikopter einfach auszufliegen, doch dafür müsste man libyschen Luftraum durchqueren. Aus dem gleichen Grund steht auch das abenteuerliche Szenario, einen Tunnel bis zur Botschaft zu graben und die Geiseln auf diese Art rauszuholen, nicht zur Debatte. Rachid Hamdani und Max Göldi müssen sich vorerst darauf einstellen, weiter im «goldenen Käfig» zu leben.

























