Libyen-Krise

01. Oktober 2009 17:16; Akt: 01.10.2009 17:16 Print

Eine weitere Woche der DemütigungEine weitere Woche der Demütigung

Vor einer Woche war es soweit: Bundespräsident Merz traf endlich auf Revolutionsführer Muammar Gaddafi. Merz frohlockte nach dem Gespräch, Gaddafi habe versprochen, sich persönlich um die Geiseln zu kümmern – eine Lösung schien nahe. Doch dann kam es ganz anders. Ein Rückblick.

storybild

(Bild: Reuters/Carlos Garcia Rawlins)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Donnerstag, 24. September: Vor genau einer Woche schien ein Durchbruch in der Geiselfrage greifbar: Nachdem Bundespräsident Merz auf seinem Spontantrip nach Libyen noch ein Abfuhr kassiert hatte, kann er am Rande der UNO-Generalversammlung den libyschen Revolutionsführer Muammar Gaddafi treffen. Nach dem Gespräch äussert sich Merz in der Tagesschau. Er habe Gaddafi darauf aufmerksam gemacht, dass zuerst die zwei Schweizer Geiseln freikommen müssten, ansonsten könne von einer Normalisierung der Beziehungen keine Rede sein. Gaddafi versprach darauf, er werde sich persönlich um das Wohlergehen der beiden Schweizer kümmern. Ein Hoffnungsschimmer.

Freitag, 25. September: Was Gaddafi unter Wohlergehen versteht, zeigt sich am folgenden Tag: Er liess die beiden Schweizer bereits am 18. September mit einem fiesen Trick aus der Schweiz Botschaft entführen. Rachid Hamadani und Max Göldi waren zu einem Gesundheitscheck in einem Spital aufgeboten worden, als libysche Behörden sie an einen «sicheren Ort» verschleppten. Als Grund gibt Gaddafi an, er habe eine Befreiungsaktion durch Schweizer Spezialeinheiten befürchtet.

Samstag, 26. September: Aussenministerin Micheline Calmy-Rey zeigt sich «schockiert» über die Entführung. «Ich weiss nicht, wo die beiden Männer sind und weiss nicht, wie es ihnen geht», erklärt sie in New York.

Montag, 20. September: Bundespräsident Merz nimmt im Hotel Krone im heimeligen Trogen im Appenzellerland an einer Diskussionsrunde teil. Gelassen sagt Hans-Rudolf Merz das Beunruhigende: «Es gibt nichts Neues. Nichts Neues aus Libyen.»

Dienstag, 29. September: Nun spielen auch die Schweizer Behörden die Visa-Karte: Wie «Le Matin» berichtet, brauchte ein libyscher Student ein Visum, damit er nach einem kurzen Aufenthalt in der Heimat an seinen Studienplatz in Genf zurückkehren konnte - es wurde ihm verweigert. Ahmed reiste schliesslich nicht zu seiner Familie, wo er für die Dauer der muslimischen Fastenzeit Ramadan zu bleiben beabsichtigte. Zu gross war die Angst, seinen Schweizer Studienplatz zu verlieren.

Mittwoch, 30. September: Das Bundesamt für Migration bestätigt, die Visa-Bestimmungen für libysche Staatsbürger geändert zu haben.

Donnerstag, 1. Oktober: In einem Interview erzählt Merz neue Details über sein Treffen mit dem libyschen Diktator: «Für ihn (Muammar Gaddafi) war die Veröffentlichung der Polizeibilder seines Sohnes der Beweis, dass die Schweiz die Libyer ein weiteres Mal demütigen wollte.» Gaddafi habe von ihm verlangt, sich auch für diese Bilder zu entschuldigen. Es wäre die zweite Entschuldigung.

Fortsetzung folgt.

(am)