Libyen-Affäre

24. September 2009 20:06; Akt: 25.09.2009 07:46 Print

Gaddafi befürchtet  GeiselbefreiungGaddafi befürchtet Geiselbefreiung

Die beiden festgehaltenen Schweizer befinden sich nicht mehr in der Schweizer Botschaft in Tripolis. Gaddafi hat sie an einen «sicheren Ort» gebracht. Dies weil er eine gewaltsame Befreiung befürchtet.

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Sie sind die Elitesoldaten der Schweiz: Die Angehörigen des Armee-Aufklärungsdetachement 10 (AAD 10). Zu den Aufgaben des AAD 10 gehört die Evakuierung von Schweizern im Ausland, wie sie es im August 2007 in Isone vorführen. Die Schweizer werden aus dem Botschaftsgebäude in einen Transporter geleitet. Verletzte werden dort auch medizinisch betreut. Anrückende Krawallanten, möglicherweise Aufständische, umzingeln die Botschaft. Die Elitesoldaten halten die Krawallmacher auf Distanz. Die in der Botschaft verbliebenen Soldaten versammeln sich auf dem Dach des Gebäudes. Rettung naht in Form eines Transporthubschraubers, der von den Angehörigen des AAD 10 eingewiesen wird. Am sogenannten Aufnahmetau hängend entschwinden die Soldaten durch die Lüfte aus dem Unruhegebiet. Die Angehörigen des AAD 10 sind in verschiedenen Techniken ausgebildet. Eine Infiltrationstechnik ist die amphibische: Ein Kampftaucher mit Sauerstoff-Kreislaufgerät beim Navigieren. Oft kommen die Schweizer Elitesoldaten aber aus der Luft: AAD10-Mitglieder sind auf einem Cougar, bereit sich abzuseilen. Elitesoldaten seilen sich vom Helikopter auf ein Dach ab. Die Evakuierung über die Luft, im Bild ein Super Puma, gehört ebenfalls zur Ausbildung. Dabei verwendet das AAD 10 ein sogenanntes Aufnahmetau, an dem mehrere Soldaten inklusive Ausrüstung ausgeflogen werden können. Das Aufnahmetau kann auch zum Aufseilen aus dem Wasser verwendet werden. Angehörige des AAD 10 rennen zu einem Helikopter des Typs Bell UH-1. Die Elitesoldaten können auch mit einem Fallschirm, im Bild der SF-10 Rundkappenfallschirm, in feindliches Gebiet gelangen. Eine motorisierte Einheit ist mit dem sogenannten LAUF, dem leichten Aufkärungs- und Unterstützungsfahrzeug unterwegs. Das LAUF ist mit einem aufmontierten Maschinengewehr 93 und einem Maschinengewehr 1951 beim Beifahrersitz ausgerüstet. Der Führerstand des LAUF. Frontansicht des LAUF mit Maschinengewehr und Werkzeugen auf der Motorhaube. Gibts für Fahrzeuge kein Weiterkommen mehr, gehts zu Fuss weiter. AAD10-Angehörige beim Aufstieg durch eine Felswand. Eine Ausbildung des AAD 10 ist jene zum Scharfschützen. Im Bild auf einem Grat im Gebirge mit dem Scharfschützengewehr 04. Informationen beschaffen in feindlichem Gebiet: Getarnte Aufklärer im Gebüsch. Angehörige des AAD 10 beobachten Ziele und bezeichnen sie. Ein Elitesoldate übermittelt Informationen, sein Kamerad sichert ihn mit der verkürzten Version des Sturmgewehr 90. Eine wichtige Aufgabe ist der Häuserkampf: Ein Sturmduo sichert eine Häuserflanke. Zum Häuserkampf gehört das Eindringen in Gebäude: Spezialeinheiten öffnen eine Tür mit einer Fräse. Die Elitesoldaten können aber auch durchs Fenster kommen: Angehörige des AAD 10 seilen sich an einer Hauswand ab und sprengen ein Fenster, um einzudringen. Doch der Alltag ist nicht immer so spektakulär: Ein AAD10-Soldat bewacht ein Fahrzeug, ausgerüstet mit der verkürzten Version des Sturmgewehrs 90 und einem Funkgerät. Zu den Grundlagen gehört auch die Übermittlung von Informationen: Ein Spezialist baut eine Satellitenverbindung, SATCom genannt, auf. Die medizinische Ausbildung ist ebenfalls eine Grundlage: Ein Soldat verabreicht seinem Kameraden eine Infusion.

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Merz traf Gaddafi am Mittwochabend zu einem rund 40-minütigen Gespräch in der lybischen Botschaft. Der libysche Herrscher sei sachlich und unemotional gewesen, er habe der Schweiz keine Vorwürfe gemacht, sagte Merz am Donnerstag vor Schweizer Medienvertretern. Er habe die Schweizer auch nicht warten lassen und das Treffen habe in einer freundlichen Atmosphäre stattgefunden.

Geiseln nicht mehr in der Botschaft

Die beiden Schweizer wurden laut Merz von den libyschen Behörden an einen «sicheren» Ort gebracht. Gaddafi habe diese Massnahme damit begründet, dass Libyen befürchte, die Schweiz könnte versuchen, die Geiseln gewaltsam zu befreien. Merz versicherte Gaddafi, dass die Schweiz keine solchen Absichten hege.

Merz klärt Gaddafi auf

Gaddafi habe beim Treffen noch einmal die Verhaftung seines Sohnes rekapituliert, sagte Merz weiter. Der Revolutionsführer habe dabei klar gemacht, dass seine Familie nicht über dem Schweizer Recht stehe, dieses sei aber nicht richtig angewandt worden.

Merz habe Gaddafi darauf aufmerksam gemacht, dass zuerst die zwei Schweizer Geiseln freikommen müssten, sagte Merz. Die zwei Geschäftsleute werden seit einem Jahr in Libyen festgehalten, weil sie Visaübertretungen begangen hätten.

Da sie dafür aber bisher nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, liegt laut Merz die Vermutung nahe, dass die beiden aus Rache für die Verhaftung von Gaddafis Sohn Hannibal im Juli 2008 im Land behalten würden.

Gaddafi kümmert sich persönlich um Geiselbefreiung

Wann die Geiseln frei kommen, konnte Merz nicht sagen. Dass zur Umsetzung des Vertrages zwischen den beiden Ländern aber die Frage der Geiseln gelöst werden müsse, sei Gaddafi klar. Der Revolutionsführer habe ihm aber gesagt, er wolle sich nun persönlich darum kümmern.

Merz und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey kritisierten die Polemik, die die Schweizer Medien betrieben. So habe die Veröffentlichung der Polizeifotos von Hannibal Gaddafi den Verhandlungen einen herben Rückschlag erlitten.

Zivilklage sistiert

Im juristischen Streit in Genf zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. Der Staat Libyen, das Ehepaar Hannibal und Aline Gaddafi sowie der Kanton Genf hätten die Sistierung der Klage gemeinsam beantragt, sagte der stellvertretende Sekretär der Genfer Staatsanwaltschaft, Patrick Becker.

Eine Anhörung am Donnerstag wurde abgesagt. Das Ehepaar Gaddafi hatte in seiner Klage 475 000 Franken für materiellen Schaden sowie 50 000 Franken als Entschädigung für ungerechtfertigte Behandlung bei der Verhaftung verlangt.

Die Aussenpolitische Kommission (APK) des Nationalrats reichte derweil eine Strafanzeige gegen Unbekannt ein. An einer Sitzung am 8. September hatte die APK über die Bemühungen um die Ausreise der beiden festgehaltenen Schweizer diskutiert.

In den folgenden Tagen veröffentlichten verschiedene Medien Kommissionsprotokolle und -unterlagen. Die AKP will wissen, wie vertrauliche Kommissionsunterlagen an die Medien gelangten.

(sda/dapd)