Libyen-Affäre

11. November 2009 07:13; Akt: 11.11.2009 12:09 Print

Geisel erzählt: «Lügen liegt in Gaddafis Natur»Geisel erzählt: «Lügen liegt in Gaddafis Natur»

Acht Jahre sass Ashraf El-Hojouj in Libyen in Haft. Er habe überlebt dank der Unterstützung seiner Familie und der Leute, die ihnen geholfen hatten, sagt der palästinensische Arzt, der zusammen mit fünf bulgarischen Krankenschwestern in einem Schauprozess zum Tode verurteilt worden war. Die Schweiz müsse international gegen das Gaddafi-Regime vorgehen.

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Der palästinensische Arzt Ashraf El-Hojouj erzählt 2009 im «Club» von seiner 8-jährigen Haft in Libyen, 10 Jahre nach seiner Verhaftung. Sie sollen über 400 Kinder mit Aids angesteckt haben: fünf bulgarische Krankenschwestern, ein bulgarischer und der palästinensische Arzt Ashraf El-Hojouj (l.) am 6. Mai 2004 beim ersten Prozess in Benghazi. Im ersten Berufungsprozess, am 11. Mai 2006 in Tripolis, wird über die Todesstrafe der fünf bulgarischen Krankenschwestern und Ashraf El-Hojouj (l.) beraten. Der bulgarische Arzt bekam im ersten Prozess nur 4 Jahre Haft. Ashraf El-Hojouj spricht vor dem Gericht in Tripolis am 4. November 2006. Es ist die dritte Verhandlung des Aids-Prozesses, nachdem die Angeklagten zwei Mal zum Tode verurteilt worden waren. Aber Gaddafi beziehungsweise offiziell seine Richter zeigten keine Gnade: Auch das dritte Gericht verhängte die Todesstrafe. Ashraf El-Hojouj kurz vor der Urteilsverkündung am 19. Dezember 2006. Dann verhandelte die EU und Frankreich: Am 24. Juli 2007 kommt Ashraf El-Hojouj, inzwischen von Bulgarien eingebürgert, zusammen mit den Krankenschwestern in Sophia an. Sie hatte zum Verhandlungserfolg beigetragen: Benita Ferrero-Waldner, damalige EU-Kommissarin für Aussenbeziehungen, spricht auf dem Flughafen in Sofia. Im Hintergrund Ashraf El-Hojouj. Nach acht Jahren den Sohn wieder in die Arme schliessen: Die Eltern von Ashraf El-Hojouj auf dem Flughafen in Sofia. Und sofort nach der Befreiung beginnt der Medienmarathon: Ashraf El-Hojouj (m.) spricht am 26. Juli 2007 in der bulgarischen Regierungsresidenz zu Journalisten.

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Gefasst spricht Ashraf El-Hojouj von seiner Leidensgeschichte: Der palästinensische Arzt verbrachte acht Jahre in libyschen Gefängnissen, wo er zusammen mit fünf bulgarischen Krankenschwestern schwer gefoltert wurde mit Stromstössen, Schlägen und Hunden. Als ihn seine Familie nach zehn Monaten Haft das erste Mal besuchte, habe sie ihn nicht wiedererkannt. Er war abgemagert, hatte einen Bart und zerrissene Kleider. «Wir haben überlebt dank der Unterstützung unserer Familien und den Personen, die das Thema ansprachen», sagte El-Hojouj am Dienstagabend im «Club» auf SF.

Todesstrafe nach Schauprozess

Der absurde Vorwurf der libyschen Behörden: die Angeklagten hätten Kinder mit Aids angesteckt. Der Gerichtsprozess sei schon beinahe lustig gewesen, sagte El-Hojouj. «Da steht man vor Gericht, aber alles ist eine Show, ein Theater.» Er glaube nicht, dass auch nur ein einziger der anwesenden Richter einen eigenen Entscheid gefällt habe. «Sie warteten alle am Telefon auf einen Entscheid, der anderswo gefällt wurde», sagte El-Hojouj. Zusammen mit den Krankenschwestern verurteilte ihn das Gericht zum Tod. Im Juli 2007 kamen sie nach langen Verhandlungen frei. Sie hätten so viele Jahre ihres Lebens verloren, sagte El-Hojouj. «Wir waren als Menschen zerstört, unsere Vergangenheit war ausgelöscht, unsere Zukunft zerstört.»

El-Hojouj hat die Unmenschlichkeit des libyschen Regimes am eigenen Leib erfahren müssen. Und er kann sich in die beiden Schweizer Geiseln hineinfühlen: «Sie stehen unter grossem Druck», sagte er. Das Schlimme sei, so lange von zu Hause weg zu sein, ohne Frau, Kinder und Angehörige zu sehen. «Das ist unmenschlich.» Und die Gefangenschaft verändere die Schweizer, sagte El-Hojouj, auch wenn die Schweizer offenbar nicht körperlich gefoltert wurden. Er sei ein anderer Mensch. «Es ist nicht leicht, mich zum Lachen zu bringen.»

Schweiz muss gegen Libyen klagen

Diese beeindruckenden Schilderungen des palästinensischen Arztes waren Ausgangspunkt für eine Diskussion, wie sich die Schweiz gegenüber Libyen am besten verhalten sollte. Zusammen mit dem Rechtsprofessor Thomas Fleiner vertrat El-Hojouj dabei die Meinung, dass die Schweiz den Fall vor ein internationales Gericht bringen müsse. «Wir sprechen von einem Regime, dass internationale Abkommen nicht respektiert», sagte er. Eigentlich dürfte deshalb der Westen Libyen nicht anerkennen, was es aber tue. Die Verbitterung des Arztes ist spürbar: «Nach unserer Freilassung wurde Gaddafi nicht verurteilt, sondern alle Staatsmänner wollten ihm die Hand schütteln.» Und sogar bei der Uno in New York sei Gaddafi zu Gast.

Doch grösser als das Unverständnis über die westliche Politik gegenüber Libyen ist der Hass von El-Hojouj auf den Staat, der ihm acht Jahre seines Lebens geraubt hat, und dessen Herrscher Gaddafi. «Das Lügen liegt in seiner Natur.» Gaddafi lüge schon seit 40 Jahren sein Volk an. «Er möchte als König Afrikas dastehen.» Dabei sei der Staat ein Schandfleck — wegen Gaddafi. «Sein Regime beschmutzt den Namen Libyens seit 40 Jahren.» Der Gaddafi-Clan nutze alles und alle für seine Ziele. «Sie haben kein Problem damit, Menschen für die eigenen Ziele einzusetzen.»

Und zu diesen Menschen gehören für El-Hojouj auch die beiden Schweizer Geiseln. «Sie sind politische Gefangene», sagte er. Gaddafi wolle die Schweiz erniedrigen. Er habe Öl und genug Geld, sagte El-Hojouj. «Er will Rache.» Deshalb inszeniere der Herrscher möglicherweise einen Schauprozess, oder er begnadige die Schweiz. «Oder Gaddafi möchte sich als Friedensbotschafter darstellen und lässt die beiden als Geschenk zu Weihnachten frei.»

(mdr)

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  • Heinrich Zimmermann am 25.12.2009 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nutzlos

    Ich weiss auch nicht als Schweizer, wer mich noch vertritt, sicher nicht der Bundesrat. Entnervt strecke ich langsam die Waffen vor soviel Duckmaeusertum, ich war der Meinung eine Schweiz, mit dem ihr eigenem Stolz, waere in der Lage der ganzen Welt zu zeigen was Anstand ist..... ich seh mich getaeuscht, und das knickt mich. Mit jedem wird Handel getrieben. Immer wieder sind wir Drehscheibe fuer miese Despoten und "deren Geld" darf bei uns gelagert werden. Wie weit soll es noch runtergehen ? Und alles unter dem Bankgeheimnis....... das wohl deshalb so paranoid gehuetet werden soll

  • Miggi Müller am 13.11.2009 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Es ist unglaublich wie der Wüstensandschurke mit Menschen umgeht. Mit einam solchen Verbrecher macht man keine Geschäfte mehr. Unbedingt das Flugzeug satteln und los... holt die Schweizer da raus. Nehmt doch einfach den Lybischen-Botschafter und steckt den ins Gefängnis und noch ein paar dazu, mal sehen was dann abläuft. Liebe Politiker zeigt mal Mut

  • willi tell am 12.11.2009 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    weiter so...

    Liebe Schweizer als Rechtsstaat sollt ihr verlangen dass der Bundesrat Grund für Grössere Sanktionen verhängt. Ihr wurdet genug erniedrigt und belogen. Macht dem ein ende. Lieber Bundesrat, ihr geht als feiges pack in die Geschichte ein, wenn ihr so weiter macht. Tut mal endlich was, das Volk steht hinter euch! Werdet Helden!!!!