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Minen-Blog
31. August 2010 19:49; Akt: 31.08.2010 20:15 Print
«Ich fühle mich so hilflos»
Mario Sepulveda sitzt seit fünf Wochen in der chilenischen Mine fest. Was das für die Familie bedeutet und wie das Leben im Camp ist, darüber schreibt seine Tochter Scarlett in einem Blog.
Bildstrecke: Briefe aus der Tiefe.
«Das ist das erste Mal, dass ich in einem Blog schreibe», ist der erste Satz, den das Mädchen in einem von der spanischen Tageszeitung «El Mundo» speziell für ihre Berichterstattung eingerichteten Blog schreibt. Täglich berichtet Scarlette Sepulveda aus Campamento Esperanza, dem «Zeltlager der Hoffnung», das sich um den Eingang der Mine San José, mitten in der Atacama-Wüste gebildet hat. Scarlettes Vater Mario Sepulveda ist einer der 33 Kumpels, die seit dem 5. August in 700 Metern Tiefe eingeschlossen sind.
Bildstrecken Drama um verschüttete Bergarbeiter Infografik Grubenunglück in ChileTrotz der schwierigen Lage fühle sie sich positiv, erzählt Tochter Scarlette. «Jede Minute ist wie eine Ewigkeit und ich fühle mich so hilflos, wissend, dass mein Vater so nah von mir entfernt ist und ich nichts machen kann, um ihn da rauszuholen. Das löst einen starken Schmerz in mir aus, den ich keinem wünsche.»
Zeit vertreiben und … warten
«Ich schreibe meinem Vater täglich einen Brief», erzählt das Mädchen in ihrem Blog weiter. Doch ihre Botschaften werden nicht immer abgegeben. «Ich würde so gerne mit ihm reden», verrät sie, aber nur ihre Mutter konnte am vergangenen Sonntag für eine Minute am Telefon mit ihm sprechen. «Er hat nach meinem Bruder und nach seinem Vater, mein Grossvater Mario, gefragt. Für mehr reichte es nicht.»
Weil der Alltag auf Campamento Esperanza manchmal sehr langweilig sei, habe sie am Montag einen Spaziergang mit ihrer Cousine und einen Journalisten unternommen. Sie besuchten eine verlassene Mine und kamen rechtzeitig zur täglichen Sitzung für Angehörige zurück. Dann werden alle über die letzten Neuigkeiten informiert. «Jetzt gibt es nur eine Sitzung pro Tag», erzählt Scarlette.
«Jetzt hab ich Bauchweh»
«Ich bin sehr stolz auf meinem Vater. Er war der Erste, der im Video aus der Mine gesprochen hat. Er mag Videokameras, er filmt ständig alles um sich», schreibt die Tochter. Doch das Gerät sei nun bei Regierungsleuten und «sie wollen sie uns noch nicht zurück geben.» Ihr Vater habe schon nach seiner Kamera gefragt. Er wolle, dass sie ihm in die Mine geschickt wird, «damit er täglich aufnehmen kann, was passiert.»
Scarlette Sepulveda ärgert sich offen über die Journalisten, die wie die Angehörige im Camp wohnen. «Obwohl sie gute Arbeit leisten und berichten, was hier los ist, regen sie mich manchmal auf. Sie stellen oft zu persönliche Fragen. So, jetzt habe ich Bauchweh. Morgen geht’s weiter», beendet sie ihren ersten Beitrag abrupt.
(kle)


























