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Chile-Mineure packen aus
17. Oktober 2010 14:58; Akt: 18.10.2010 12:13 Print
«Unsere Körper frassen sich selbst auf»
Ein halber Teelöffel Thunfisch alle 24 Stunden: In einem erschütternden Interview schildert ein Arbeiter den Überlebenskampf unter Tag. Und sagt, welchen Gegenstand die Kumpels am meisten vermissten.
17 Tage ohne Kontakt zur Aussenwelt. 17 Tage ohne Hoffnung. 17 Tage Zeit totschlagen. Ihre Körper hatten vergessen, was Tag und Nacht, was Sonne und Dunkelheit war. «Wir schwanden dahin, wir waren so dünn. Unsere Körper frassen sich selbst auf», erzählt der 23-jährige Minenarbeiter Richard Villaroel in einem Interview mit der «Washington Post». Er schildert als erster der 33 Kumpel das Leben in den 69 Tagen Gefangenschaft in 700 Metern Tiefe.
Bildstrecken Chile sucht den Super-Kumpel«Willkommen im Leben»Der letzte soll das Licht ausschaltenWeil es im Essschrank des Schutzraumes nur Nahrung für 48 Stunden gab, rationierte der Schichtführer die Mahlzeiten penibel. Kontakt zur Aussenwelt gab es bis zu diesem Zeitpunkt keinen. «Jeder von uns bekam alle 24 Stunden einen halben Teelöffel Thunfisch», so Villaroel. Er habe 12 Kilo abgenommen. «Wir tranken das Wasser, das von den Wänden lief. Es hat schlecht geschmeckt. Nach Öl, von den ganzen Maschinen, aber wir mussten es trinken.»
Der Moment, als die Mine zusammenstürzte
Als am
Zum Schlafen legen sie sich in den harten Gängen auf den nackten Boden. «Einige Kumpel mochten gar nicht mehr aufstehen. Sie waren sich sicher, dass die Mine ihr Grab werden würde», sagt Villaroel. Die Angst der Männer, nie lebend aus der Mine herauszukommen, wuchs mit jedem Tag. «Ich hatte Angst, dass ich mein ungeborenes Baby niemals sehen würde», sagt der angehende Vater.
Am Tag 17 drang plötzlich ein lautes Brummen zu den 33 Gefangenen. Die Testbohrung hatte die Kumpels erreicht. Endlich Hoffnung, endlich eine Verbindung zur Aussenwelt. Als schliesslich durch das wenige Zentimeter dicke Bohrloch Warentransporte erfolgen konnten, wünschten sich die Kumpel zuerst Zahnbürsten und «etwas für die Augen», so der 23-jährige Minenarbeiter.
Um den Zusammenhalt in der Gruppe zu stärken, wurden die Männer in Gruppen eingeteilt. Jeder hatte eine Aufgabe, sollte sich etwa um Sauberkeit, Elektrizität oder Trinkwasserversorgung kümmern. «Wir lebten in einer Demokratie. Alle Entscheide fielen aufgrund von Mehrheiten», so Villaroel.
Kampf gegen den Wahnsinn
Doch nicht immer behielten die Kumpels ihre Nerven im Zaun. Mittlerweile machen in den Medien Gerüchte über angebliche Prügeleien im Loch die Runde. «Es gab Tage, da waren wir erschöpft und blutleer. Einige wollten Dinge machen, die nicht so gut waren. Ab wir konnten den Verstand bewahren», sagte Schichtführer Luis Urzua.
Nach und nach bekamen die Männer durch den Versorgungsschacht fast alles, was ihr Herz begehrte. Drei warme Mahlzeiten am Tag und sogar eine Grossleinwand, wo sie sich Fussballspiele anschauen konnten. Richard Villaroel kann mittlerweile wieder zu Hause TV schauen. Doch am meisten freut er sich auf die Geburt seines ersten Kindes Mitte November.
(am)


























