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Blog der Hoffnung, Teil 2
03. September 2010 22:57; Akt: 03.09.2010 22:58 Print
«Der Trottel ärgert mich»
Scarlette Sepulveda lässt in ihrem zweiten Blog-Eintrag zur Minenkatastrophe in Chile ihrer Wut freien Lauf. Das Opfer: Minenbesitzer Alejandro Bohn.
Seit kurzem schreibt die 18-jährige Scarlette Sepulveda in einem speziell eingerichteten Blog bei der spanischen Zeitung «El Mundo» über ihre Erlebnisse in «Campamento Esperanza». Ihr Vater Mario sitzt seit dem 5. August in der Mine in 700 Metern Tiefe fest. Schon in ihrem ersten Beitrag hatte Scarlette in einem sehr persönlichen Ton berichtet, wie frustrierend es sei, nichts weiter für ihren Vater tun zu können, als beim Eingang der Mine auf seine Rettung zu warten.
Bildstrecken Die Hoffnung lebt auf einem Fetzen PapierEin Blick in 700 Meter Tiefe Infografik Grubenunglück in ChileIm zweiten Beitrag bleibt Scarlette persönlich. Doch diesmal richtet sie schwere Vorwürfe gegen den Minenbesitzer Alejandro Bohn. «Als ich heute aufstand, fühlte ich mich krank. Ich denke, dass hat damit zu tun, dass ich mich hier unter so vielen Menschen nicht so ausweinen kann, wie ich es mir wünschen würde.»
Bohn besucht seine verschüttete Mine
Während dem Mittagessen habe sie den Minenbesitzer Alejandro Bohn getroffen. «Mich ärgert es, dass der Trottel sich jetzt erst, nach fast einem Monat, entschuldigt», schreibt Scarlette. Dabei habe der Unternehmer keinerlei Reue gezeigt. «Ehrlich gesagt, wenn er sich schon von Anfang an entschuldigt hätte, wäre jetzt alles auch für ihn ein wenig einfacher.» Bohn muss sich zusammen mit seinem Geschäftspartner Marcelo Kemeny seit Dienstag vor einem Untersuchungsausschuss des chilenischen Parlaments in Valparaiso für den Einsturz der Gold- und Kupfermine verantworten.
Antwort auf Feedback
«Ich habe die Rückmeldungen auf meinen ersten Beitrag gelesen und möchte ein paar Anmerkungen beantworten. Ich habe nie behauptet, dass Journalisten einen schlechten Job machen. Ich meinte nur, dass sie ihren Job anders machen sollten. Sie sollten nicht schlecht über die Männer reden. Zum Beispiel, als behauptet wurde, dass sie Alkoholiker seien. Warum tun sie so was? Verdienen sie besser deswegen?»
Die junge Frau kritisiert zudem den «Katastrophen-Tourismus», der nun seit Tagen rund um die Mine stattfindet. «Den Schulklassen, die hier ihre kleine Spaziergänge machen, möchte ich mitteilen, falls sie es noch nicht bemerkt haben, dass es uns schlecht geht.» Für die Mitarbeiter der Gemeinde und die Regierungsbehörden findet sie allerdings nur Worte des Lobes. «Ich möchte mich bei allen bedanken, sie haben sich gegenüber uns, der riesigen Minenarbeiter-Familie, sehr gut verhalten.»
(kle)



























