Verschüttete Kumpel

04. September 2010 20:09; Akt: 04.09.2010 20:15 Print

Das ist der PlanDas ist der Plan

Chiles Marine hat das Geheimnis um ihre Rettungskapsel für die unter Tage eingeschlossenen Bergleute gelüftet.

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Carola Narvaez hält Tag um Tag Mahnwache für ihren Mann Raul Bustos. Erst im Februar dieses Jahres hatte die Familie das furchtbare Erdbeben im Süden Chiles überlebt. «Wir haben bereits einen Schicksalsschlag überlebt. Jetzt werden wir ein zweites Happy End erleben», schreibt sie ihrem Liebsten. Der 44-jährige Esteban Rojas Carrizo ist seit 25 Jahren mit seiner Yessica verheiratet – aber nur standesamtlich. In einem Brief machte er ihr nun einen Heiratsantrag: «Wenn ich nach oben komme, wenn Gott es erlaubt, gehen wir das Hochzeitskleid kaufen und heiraten kirchlich.» Der Zettelverkehr durch den schmalen Kanal ist rege. Auch Rojas' Bruder schickt Hoffnungsbotschaften in die Tiefe: «Wir warten auf euch und lieben euch.» «Hallo Papi, ich bins, Romina. Ich freue mich so, dass er dir gut geht. Es ist eine der grössten Freuden, die ich je hatte», schrieb die 20-jährige Romina Gomez ihrem Vater Mario. «Wir haben hier oben ein kleines Fest gemacht. Wir sind mit euch und warten auf eure Rückkehr. Wir lieben dich Papi, Romina», stand auf dem Zettel, der mit einer Versorgungssonde in die Tiefen des Berges geschickt wurde. Auch ihre Schwester Lilianett ... ... und die Enkelin des Verschütteten, Marion Gallardo, erzählen ein bisschen, was an der Oberfläche passiert. Sie machen ihnen Mut und bitten sie, ruhig zu bleiben. Mario Gomez' Ehefrau Liliana Ramirez war die Erste, die eine Nachricht aus dem Schutzraum erhielt: «Geliebte Lila, mir geht es gut.» «Er schreibt, dass er mich liebt. So etwas hat er mir noch nie gesagt, nicht einmal während unserer Verlobung war er so romantisch», erzählt sie unter Tränen. Kurz zuvor hatte eine andere Nachricht des 63-Jährigen für Fassungslosigkeit gesorgt: Mit rotem Stift hatte er auf einen Zettel geschrieben, dass er und seine Kumpel noch leben. Mario Gómez ist der älteste der 33 Bergleute, die seit drei Wochen in einem Bergwerk in Chile verschüttet sind – und die Symbolfigur für deren Überlebenswillen. Auf zahllosen T-Shirts findet sich mittlerweile die Überlebensnachricht. Die Psychologen warnten inzwischen vor einer Briefflut. «Den Kontakt zu den Verwandten sollte man schrittweise angehen, damit die Leute dort unten nicht in Stress geraten.» In einer ersten Phase würden nur kurze Botschaften zugelassen. Erst später dürften die Angehörigen längere Briefe schreiben. Danach werden Sprachnachrichten erlaubt und erst dann werden die Angehörigen mit ihren Liebsten direkte Funkverbindung haben dürfen.

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Die Kapsel beziehungsweise der Metallkäfig soll den Plänen zufolge mit Atemluft versorgt und mit Kommunikationsmitteln, Licht und einer Videoüberwachung ausgerüstet werden.

Das erklärte Marinekommandeur Sergio Sandoval am Freitag (Ortszeit) im Sender Canal 24 Horas. Ausserdem solle eine Vorrichtung zum Angurten und zur Fixierung der Beine angebracht werden.

Schliesslich werde die Kapsel für den Fall, dass sie auf dem Weg aus 700 Metern Tiefe stecken bleibe zur Sicherheit so konzipiert, dass eine Umkehr möglich sei. Es wird erwartet, dass die Fahrt nach oben mindestens eine Stunde dauert.

Am Montag hatten die Bohrungen für einen Rettungsschacht begonnen, durch den die Arbeiter aus dem Stollen in 700 Meter Tiefe befreit werden sollen. Die Bohrungen werden nach Schätzungen von Experten bis zu vier Monate dauern. Die 33 Bergarbeiter sitzen seit dem 5. August in der Mine fest.

(sda)