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Minenunglück in Chile
21. Oktober 2010 14:05; Akt: 21.10.2010 14:20 Print
Alle sind verrückt nach der Kapsel
Nun steht die Stahlkapsel, die bei der Bergung der 33 Kumpel zum Einsatz kam, vor dem Präsidentenpalast in Santiago. Tausende stehen Schlange – auch Leserreporter Gregory.
Während 24 Stunden war die «Phoenix 2» vor einer Woche im Einsatz, um die 33 verschütteten Bergarbeiter aus dem 700 Meter tiefen Schacht zu bergen. Nun ist sie zu einem begehrten Objekt geworden. Seit Mittwoch ist sie in der chilenischen Hauptstadt vor dem Präsidentenpalast ausgestellt.
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Täglich pilgern tausende Chilenen zur Plaza de la Constitución, um sich mit der berühmten Stahlkapsel fotografieren zu lassen. Auch der Schweizer Gregory, der als Unternehmer zurzeit durch Südamerika reist, nahm das lange Warten auf sich, um das begehrte Objekt persönlich begutachten zu können. Im Gespräch mit 20 Minutes Online erzählt er: «Die Ausstellung ist gratis. Man muss aber viel Geduld haben, denn die Wartezeit beträgt mindestens eine Stunde.» Jeder dürfe aus einer Entfernung von einem Meter eine Minute lang vor der Kapsel stehen. «Danach muss man weitergehen.»
Die Begeisterung der Chilenen habe eine Woche nach der Bergungsaktion nicht nachgelassen, sagt Gregory: «Im Fernsehen wird immer noch rund um die Uhr darüber berichtet. Die Sender zeigen immer wieder die Bilder der Bergung. Die Mineure werden dabei zu Stars gemacht und jedes Wort und jede Geste wird von den Reportern kommentiert.»
Bürgermeister von Copiapó ist beleidigt
Der Ausstellungsort der Kapsel hatte in den Tagen zuvor eine grosse Debatte ausgelöst. Innenminister Rodrigo Hinzpeter hatte am Wochenende verlauten lassen, dass über den endgültigen Standort der Phoenix 2 noch nichts entschieden sei, aber dass sie vorerst in die Hauptstadt komme, damit «möglichst viele Leute sie sehen können».
Mindestens zwei Städte haben bereits Anspruch auf diese Kapsel angemeldet: Copiapó, rund 70 Kilometer westlich der Mine San José, und das rund 2000 Kilometer weiter südlich gelegene Talcahuano. Dort wurden die Kapseln in einer Werft der Marine hergestellt. Hinzpeter sagte, ihm schwebe vor, ein Bergbaumuseum zu gründen, wo die in den Nationalfarben rot, weiss und blau gestrichenen Kapseln prominent ausgestellt werden könnten.
Der Bürgermeister von Copiapó gibt sich mit der Entscheidung der Regierung äusserst unzufrieden. «Sie haben uns die Kapsel gestohlen und nach Santiago gebracht. Ganz Copiapó ist empört. Wir hoffen, dass der Minister das einsieht und sie uns zurückgibt, damit wir sie ausstellen können», sagte Maglio Cicardini gegenüber BBC World.
Die Deutschen wetten mit
Auch das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum hat angekündigt, die Rettungskapsel in seiner geplanten Sonderausstellung zum chilenischen Kupferbergbau zeigen zu wollen. «Es sieht im Moment so aus, als ob die Rettungskapsel Phoenix sehr wahrscheinlich bekommen werden», sagte Museumssprecherin Eva Koch der in Essen erscheinenden «Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung».
Im Bochumer Bergbaumuseum sei das Konzept für die ohnehin geplante Schau «Das Kupfer der Anden – Kupfer für die Welt» nach dem Grubenunglück in der Mine San José geändert worden, sagte Museumssprecherin Koch. «Wir werden jetzt auf jeden Fall Bezug auf das Unglück nehmen.» In einer «sehr anschaulichen Ausstellung» würden die Besucher «eine genaue Vorstellung davon bekommen, wie das Unglück passiert und die Rettung abgelaufen ist». Die Eröffnung der Sonderausstellung ist derzeit für den Mai kommenden Jahres geplant.
(kle)



























