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Medienwahnsinn
15. Oktober 2010 10:27; Akt: 15.10.2010 11:49 Print
Chile sucht den Super-Kumpel
von David Bauder, AP - Anfragen, Interviews, Filmangebote: Nach ihrer dramatischen Rettung ist die Nachfrage nach den 33 Bergleuten riesig.
Ihre Bergung nach 69 Tagen bangen Wartens sei eine «erhebende und fesselnde» Geschichte im Gegensatz zu den Tragödien und der Not, die üblicherweise die Nachrichten dominierten, erklärt Clark Bunting, der Präsident des US-Senders Discovery, die Faszination für das Schicksal der Geretteten.
Bildstrecken «Willkommen im Leben»Zahlen und Fakten zur BergungGeplant ist bereits eine Reality-Show über Bergbau: Discovery hat ein Special für den 28. Oktober über die Ereignisse in Chile angekündigt. Dem Sender ABC brachte ein Special über die Rettung der Kumpel am Mittwoch so viele Zuschauer ein wie noch nie in den vergangenen zehn Monaten. Und als am Dienstagabend der erste gerettete Kumpel ans Tageslicht geholt wurde, sahen bei CNN, Fox News und MSNBC 10,6 Millionen Menschen zu – das sind mehr als viermal so viele Zuschauer wie die Sender üblicherweise alle zusammen zu dieser Zeit erreichen, wie das Marktforschungsunternehmen Nielsen mitteilte.
«Wunder geschehen»
Mehr Zeit als das Fernsehen lässt sich das Verlagshaus Transworld Publishers in London. Der Journalist Jonathan Franklin, der für die Zeitung «The Guardian» aus Chile berichtet, werde das Buch über die Rettung der 33 Arbeiter und das vorangegangene menschliche Drama schreiben, hiess es am Donnerstag. «The 33» soll demnach Anfang 2011 in Grossbritannien erscheinen.
Wesentlich schneller waren naturgemäss die Einträge im Online-Netzwerk Facebook und bei Twitter. «Wunder geschehen», schrieb Teenie-Star Justin Bieber über den Kurzmitteilungsdienst. Schauspieler Michael Caine sprach vom «glücklichsten Moment, den ich jemals im Fernsehen gesehen habe».
«Die bedeutsamste Show, die wir jemals gespielt haben»
Und auch die Bergarbeiter selbst dürften finanziell von dem Hype um ihre Geschichte profitieren. Auch wenn Fernsehsender für Interviews nichts zahlen dürfen, fliesst in der Regel Geld in Form von Reisekosten oder der Verwertung von Familienbildern. Buchstäblich Tausende Medien wollten Interviews mit den Kumpeln, sagte Jim Bell vom US-Sender NBC. Am meisten Interesse weckt zweifellos Yonni Barrios, der nach seiner Rettung von seiner Geliebten begrüsst wurde – während seine Frau demonstrativ zuhause blieb. Sowohl die «New York Daily News» als auch die «Post» widmeten Barrios am Donnerstag ihre Titelseiten.
Und nicht zuletzt inspirierte die dramatische Rettung mit Happy End Musiker. Die Rockband Pixies spielte am Mittwoch in der chilenischen Hauptstadt Santiago 33 Songs, einen für jeden Bergarbeiter. So viele Lieder habe die Band noch nie auf ihrer Setlist gehabt, sagte Sänger Black Francis. «Das war eindeutig die bedeutsamste Show, die wir jemals gespielt haben.»



























