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Gerettete Kumpel
14. Oktober 2010 13:01; Akt: 14.10.2010 14:34 Print
Der Held unter den 33
Als der Schacht einbrach und die chilenischen Bergleute Hunderte Meter tief unter 700 000 Tonnen Felsgestein festsassen, hatten sie eigentlich keine echte Chance auf Rettung. Doch zum Glück hatten sie Luis Urzua.
Das Drama von Copiapó in Bildern.
Mit all seiner Geistesgegenwart, Erfahrung und Führungskraft half der 54-jährige Schichtleiter seinen Leuten, ruhig und überlegt zu bleiben und 17 endlose Tage zu überstehen, bis die Retter zu ihnen vorstiessen. Kein Wunder, dass er nach über zwei Monaten Gefangenschaft dann auch erst ausfuhr, als alle Männer in Sicherheit waren – wie ein Kapitän, der sein Schiff als letzter verlässt.
Bildstrecken Eine beängstigende FahrtZahlen und Fakten zur Bergung Infografik Grubenunglück in ChileUrzua hatte mit seinem Charakter auch das Rettungsteam beeindruckt. «Der Typ muss etwas Spezielles haben», sagte Alberto Iturra, Leiter des Psychologenteams, der später regelmässig mit Urzua sprach. «Es ist nicht einfach, eine Gruppe von 33 Männern in einer verzweifelten Lage und mit nur zwei Esslöffeln Thunfisch am Tag über 17 Tage ruhig zu halten.»
«Das darf nie wieder passieren»
Um 21.46 Uhr (Ortszeit) am Mittwoch verabschiedete sich der «Jefe» mit Handschlag und Umarmung von den zur Hilfe gekommenen Rettern, kletterte in die enge Rettungskapsel und wurde durch den schmalen Schacht hochgezogen. Elf Minuten später erreichte er unter Jubel, Beifall und Freudengesang die Oberfläche. «Wir haben getan, worauf die ganze Welt gewartet hat», sagte er zu Staatspräsident Sebastián Piñera. «Die 70 Tage, die wir so hart gekämpft haben, waren nicht vergebens.»
Der Präsident begrüsste den Vorarbeiter quasi von Chef zu Chef. «Sie sind erlöst, kommen zuletzt heraus wie ein guter Capitán», sagte Piñera. Er wisse gar nicht, wie alle Chilenen mit dem Verschütteten gelitten, gehofft und sich gefreut hätten. «Sie sind nicht mehr dieselben, und dieses Land ist danach nicht mehr dasselbe», sagte der Präsident. «Sie waren ein Vorbild.»
Urzua liess sich aber nicht die Gelegenheit nehmen, um über die schlechten Arbeitsbedingungen der Mineure zu warnen: «Das darf nie wieder passieren», sagte er, bevor er zu seiner Frau und seiner Tochter ging und sie umarmte. Seite an Seite stimmte er dann mit Piñera die Nationalhymne an.
«Wir hatten nur wenig zu essen»
Robinson Marquez hat früher einmal zusammen mit Urzua im Bergwerk Punta del Cobre in der Nähe gearbeitet. «Er beschützt seine Leute und hat sie offensichtlich gern», sagte er über seinen alten Kollegen. Niemals wäre er gegangen, so lange sie nicht alle in Sicherheit waren.
Als sich nach dem Felssturz der Staub gelegt hatte und die Männer erkennen konnten, dass tonnenweise Gestein den Ausweg blockierte, war Urzua schon klar, dass eine Rettung länger dauern würde. «Manche dachten, das werden zwei Tage. Aber als ich das sah, wusste ich es besser», sagte er. Unter seiner Führung streckten die Männer mit eiserner Disziplin eine für 48 Stunden gedachte Notration über zweieinhalb Wochen. Bis der Bohrer von oben durchkam, nahmen sie nur winzige Schlucke Milch und alle zwei Tage ein Häppchen Thunfisch zu sich, statt alles gleich zu verspeisen.
«Wir hatten nur wenig zu essen», sagte der Vorarbeiter. «Gott sei Dank konnten wir widerstehen.» Sparsam gingen sie auch mit ihren Helmlampen um, ihrer einzigen Lichtquelle abgesehen von ein paar Grubenfahrzeugen. Sie liessen einen Bulldozer an, um an ein Wasservorkommen heranzukommen, benutzten die Fahrzeuge sonst aber kaum, um die verfügbare Atemluft nicht zu verschmutzen.
«Alle wollten nur den Bohrkopf umarmen»
Als endlich eine kleine Bohrung ihren Schutzraum erreichte, waren die Männer nach Urzuas Schilderung so begeistert, dass «jeder den Bohrkopf umarmen wollte». Wie sie die Lebensmittel rationiert und wie sie sich überhaupt in dieser Krise verhalten hätten, sei vorbildlich für alle gewesen, sagte Bergbauminister Laurence Golborne damals nach einem ersten Telefonat mit den Eingeschlossenen. Er lobte ihre Stärke, ihren Durchhaltewillen und ihre gute Organisation. Urzua sprach nach dem Einsturz als Erster mit Piñera und bat nachdrücklich, ihn und seine Leute nicht im Stich zu lassen. «Lassen Sie uns nicht allein!», beschwor er den Präsidenten.
Sein früherer Arbeitskollege beschrieb Urzua als «einen ruhigen Menschen, einen Profi», eine geborene Führungspersönlichkeit. «Das ist seine Art», sagte Marquez. «Das ist seine Begabung.»
(kle/AP)



























