Grubenunglück in Chile

12. Oktober 2010 06:53; Akt: 12.10.2010 10:50 Print

Die letzte gemeinsame NachtDie letzte gemeinsame Nacht

Dramatische Endphase: Laut Twitter werden die 33 eingeschlossenen Kumpel wahrscheinlich bereits heute Dienstag gerettet. Die Testläufe verliefen reibungslos.

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Für die Männer wurden grüne Massanzüge mit Reflektoren angefertigt. Sie sind hauteng und atmungsaktiv. Darunter sollen die Bergleute schweissabsorbierende Shirts tragen. Zudem sollen sie warme Handschuhe und Sicherheitsschuhe anziehen und eine Mütze und einen Helm aufsetzen. An den Füssen tragen die Kumpels spezielle Schuhe mit Stahlkappe und Gummisohle. Zur medizinischen Überwachung sollen sich die Minenarbeiter einen Hightech-Gürtel anschnallen, bevor sie in die Kapsel steigen. Der Gürtel checkt die Herzfrequenz, Blutdruck, Puls, Sauerstoffzufuhr und Atmung der Bergleute. Damit die Augen nach wochenlangem Dämmerlicht unter der Erde im grellen Licht an der Oberfläche nicht geschädigt werden, sollen die Bergleute spezielle Sonnenbrillen tragen, die UV-Strahlen blockieren. Drei Tunnels wurden gleichzeitig mit drei verschiedenen Bohrern gegraben. Schliesslich gelang es dem T-130, auch Plan B genannt, als erster zu den Kumpel durchzudringen. Der Schacht misst knappe 66 Zentimeter. Einige Kumpel wurden daher gezwungen, abzunehmen. Zur Bergung sollen drei kameraüberwachte Kapseln gesenkt werden, in denen die Bergleute auch mit den Rettern an der Oberfläche kommunizieren können. Der Aufzug an die Oberfläche dauert ungefähr 15 Minuten. Es wird erwartet, dass diese auf ihrem Weg an die Oberfläche insbesondere in Kurven zehn bis zwölf Mal rotiert. Um den Rettungsschacht wurden 34 Container aufgestellt, in denen die Kumpel die ersten zwei Stunden nach der Bergung verbringen werden. Den Bergleuten stehen fünf Helikopter der chilenischen Armada zur Verfügung, die sie nach der ersten Begegnung mit ihren Angehörigen in ein Spital fliegen werden. Zwei Nächte sollen die Kumpel im Spital von Copiapó verbringen. Erst nach einer gründlichen Untersuchung werden sie entlassen. An der ganzen Rettungsoperation waren schätzungsweise 500 Personen beteiligt. Zwischen 1500 und 2000 Journalisten von lokalen und internationalen Medien sind nach Copiapó gereist, um das Ereignis zu verfolgen. Die gesamte Rettungsaktion dürfte die chilenische Regierung 10 Millionen Franken gekostet haben. Jeder Kumpel darf aus dem Schutzraum eine gewisse Anzahl Objekte mitnehmen. Auch Steine aus 700 Metern Tiefe.

Fakten und Zahlen der spektakulären Bergungsaktion.

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Nach mehr als zwei Monaten Gefangenschaft rund 620 Meter unter Tage hat für die 33 chilenischen Bergleute am Montag die Endphase ihrer dramatischen Bergung begonnen. Nachdem der obere Teil des am Wochenende fertig gebohrten Rettungsschachts mit Metallrohren verstärkt wurde, absolvierte die Rettungskapsel «Phoenix 1» vier fehlerfreie Testläufe. Der Koordinator des Rettungsteams, Andre Sougarret, twitterte daraufhin: «Heute schlafen die Bergleute die letzte Nacht zusammen».

Das würde einen Bergungsbeginn noch am Dienstag nahelegen. Eine offizielle Entscheidung über den Beginn der Rettungsaktion wurde aber nicht bekannt gegeben. Der leitende Psychologe, Alberto Iturra, hatte empfohlen, am Mittwochmorgen mit der Bergung zu beginnen.

Ittura begründete dies damit, dass die Kumpel per Hubschrauber in die nahegelegene Stadt Copiapo geflogen werden sollen. In der Nacht könne allerdings Nebel zu schlechten Sichtverhältnissen rund um die Mine führen, sagte der Psychologe. Oberstleutnant Aldo Carbone erklärte daraufhin, dass die Piloten trotz Nachtsichtgeräten nur bei klarer Sicht fliegen würden. Der Flug dauert etwa zehn Minuten. Eine Fahrt mit den ebenfalls bereitstehenden Rettungsfahrzeugen würde rund eine Stunde dauern.

Die Testläufe der Rettungskapsel verliefen nach Angaben von Bergbauminister Laurence Golborne fehlerfrei. Die nach dem sich aus der Asche erhebenden mythischen Vogel benannte vier Meter lange «Phoenix 1» ist die grösste von drei Kapseln, die von Ingenieuren der chilenischen Marine gebaut wurde. «Sie hat noch nicht einmal Staub aufgewirbelt», berichtete Golborne. Der stellvertretende Leiter des Rettungsteams, Rene Aguilar, sagte der Nachrichtenagentur AP, die Hin- und Rückfahrt der Kapsel werde vermutlich rund eine Stunde dauern.

Für die Kumpel und ihre Familien beginnt nach der Bergung ein neues Leben

Seit dem 5. August sitzen die 33 Kumpel nach einem Einsturz in 620 Meter Tiefe fest. Gesundheitsminister Jaime Manalich sagte, als erste würden vier der physisch und psychisch fittesten Bergleute nach oben geholt. Sollte es Probleme geben, könnten sie am besten damit umgehen und später den Schwächeren sagen, wie sie diese meistern können. Danach werden die zehn schwächsten heraufgeholt: Ein Mann leidet unter Bluthochdruck, ein anderer an Diabetes, andere haben Zahn- und Atemwegsinfektionen oder Hautverletzungen.

Medienvertreter sollen mit einer Abschirmung davon abgehalten werden, die ersten Minuten der Bergleute nach der Bergung zu beobachten. Für Journalisten wurde rund 100 Meter vom Rettungsschacht entfernt eine Plattform errichtet.

Über die Kumpel wird nach der Bergung alles auf einmal hereinbrechen: Die Wiedersehensfreude mit ihren Angehörigen, der Jubel über die Rettung, die Anteilnahme der gesamten Nation und der internationalen Öffentlichkeit. Sie sind in den Präsidentenpalast eingeladen, bekommen Angebote, für viel Geld ihre Geschichte exklusiv für Medien, Bücher und Filme zu erzählen. Ihr Leben wird sich völlig ändern, sagt der Psychologe Sergio Gonzalez von der Universität in Santiago. «Bevor sie Helden sind, sind sie erst einmal Opfer. Diese Leute, die vom Grund der Mine heraufkommen, sind andere Menschen geworden - und ihre Familien auch.»

(dapd)