Chile

15. Oktober 2010 06:19; Akt: 15.10.2010 11:41 Print

Erste Kumpel kehren zu ihren Familien zurückErste Kumpel kehren zu ihren Familien zurück

Einen Tag nach ihrer Rettung sind die ersten drei der 33 geretteten Bergleute in Chile nach einem Krankenhausaufenthalt zu ihren Familien zurückgekehrt.

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Mit einem Feuerwerk feiern am 14. Oktober 2011 17 der geretteten chilenischen Kumpel den Jahrestag. Die Bergleute sind in ihrer Heimat immer noch sehr gefragt. «Ich will Gott dafür danken, dass er uns geschützt hat», die Zeremonie fand genau ein Jahr nach dem Unglück statt. Am 25. Oktober 2010 zeichnete Präsident Sebastián Piñera die Kumpel bei einer feierlichen Zeremonie im Präsidentenpalast La Moneda in der Hauptstadt Santiago mit dem Orden Bicentenario (200. Jahrestag der Unabhängigkeit) aus. Tausende Chilenen empfingen die inzwischen zu Stars gewordenen Bergarbeiter vor dem Präsidentenpalast. Die Bergleute nahmen ein Bad in der Menge und zeigten sich überwältigt von dem Empfang. Einige stiegen zum ersten Mal wieder in die Kapsel, die seit Tagen in Santiago ausgestellt wird. Ein Teil der Bergarbeiter tauschte danach den schwarzen Anzug mit Krawatte gegen Sportkleidung und trat in einem Freundschaftsspiel gegen eine Regierungsmannschaft an. Das Team «Camp Hoffnung», das aus den Bergleuten gebildet wurde, hängte das «Team Rettungseinsatz» zunächst klar ab. Der ehemalige Fussballprofi unter den Kumpeln, der 55-jährige Franklin Lobos, erzielte gleich zwei Treffer. Doch die Mannschaft aus Rettungskräften, Ministern und dem Präsidenten holte auf und siegte schliesslich mit 3:2 Toren. Der sonst «starke» Mario Sepulveda (links) klagte an einem Galadinner am 19. Oktober mit dem chilenischen Unternehmer Leonardo Farkas (Mitte), wie schwer ihm «dieses neue Leben» falle. «Wenn ich an die schönen Augenblicke zurückdenke, die wir in der Mine erlebt haben, und an die Menschen, die ich lieben lernte, würde ich lieber wieder dort unten sein.» Am 21. Oktober brach Victor Segovia sein Schweigen. «Immer wieder hat irgend einer geweint. Auch ich», gab er zu. In der Gruppe habe sich schnell eine Hierarchie gebildet. Schichtleiter Luiz Urzua habe allerdings die meiste Zeit geschwiegen. Die Chefrolle habe der 40-jährige Mario Sepulveda übernommen. Am 20. Oktober kommt es zu einer überraschenden Wende: Kumpel Juan Illanes erzählt dem chilenischen Abgeordneten Carlos Vilches, der einer parlamentarischen Kommission zur Ermittlung der Unglücksursache angehört, dass den 33 Männern trotz verdächtiger Geräusche am Tag des Einsturzes die Rückkehr ans Tageslicht verweigert worden war. Franklin Lobos sagte in seinem ersten Interview, er fühle sich nicht als Held, sondern eher als «Opfer von skrupellosen Minenbesitzern». Er habe manchmal gedacht, dass man ihn aus Kostengründen nicht aus der Mine retten würde. «Es wäre billiger gewesen, uns dort unten sterben zu lassen.» Am 18. Oktober 2010 erzählte Osman Araya den Medien von den ersten Tagen im Schacht: «Am Schlimmsten war die Langeweile. Es gab ja keinen Tagesablauf, nichts, was man hätte tun können.» Vier der Kumpel hätten am Anfang den Lebensmut verloren, sagte Araya. «Sie lagen einfach da; es war, als stünde der Tod direkt vor ihnen.» Die anderen hätten sie aufgemuntert. Namen nennt Araya nicht. Am 18. Oktober wurde bekannt, dass die Kumpel kurz vor ihrer Bergung eine Abmachung getroffen hatten: Keiner dürfe die Intimitäten eines anderen ausplaudern. Die eingeschlossenen Kumpel hatten beschlossen, der Presse niemals über die Erfahrungen der restlichen 32 Männern zu erzählen. Jeder darf nur über sich selbst und seine eigenen Erlebnisse berichten. Der 50-jährige Yonni Barrios erzählte nach seiner Entlassung aus dem Spital in Copiapó: «Es gab da unter Tage keine Anführer. Wir waren eine demokratische Gruppe. Immer wenn wir eine Entscheidung treffen mussten, haben wir abgestimmt.» Der Gedanke an seine Lebensgefährtin habe ihm Kraft gegeben, sagte Barrios. «Mehrere Male hatte ich alle Hoffnung verloren. Aber ein Mensch braucht immer einen Grund, um weiter zu kämpfen. Und sie war mein Grund.» Der 23-jährige Richard Villaroel erzählte am 17. Oktober in einem ersten Interview: «Wir schwanden dahin, wir waren so dünn. Unsere Körper frassen sich selbst auf.» Edison Peña und Carlos Mamani waren die Ersten, die bereits einen Tag nach der erfolgreichen Bergung ... ... von ihren Nachbarn mit Applaus begrüsst wurden. Peña sagte: «Ich dachte, ich würde niemals zurückkehren.» Die ersten drei der 33 geretteten Bergleute sind nach einem Krankenhausaufenthalt zu ihren Familien zurückgekehrt. Das Staatsfernsehen zeigte, wie die Männer die Klinik in Copiapó verliessen und in einen weissen Kleinbus stiegen. In den nächsten Tagen sollten noch weitere Kumpel nach Hause kommen. In Bademänteln des Spitals posierten die Männer am 14. Oktober für ein Gruppenfoto mit Präsident Sebastián Piñera. Über das Minenunglück und die dramatische Rettung erscheint im kommenden Jahr ein Buch. Ihre Bergung nach 69 Tagen bangen Wartens sei eine «erhebende und fesselnde» Geschichte im Gegensatz zu den Tragödien und der Not, die üblicherweise die Nachrichten dominierten, erklärte der Präsident des US-Senders Discovery. Geplant ist bereits eine Reality-Show über Bergbau. Discovery hat ein Special für Ende Oktober über die Ereignisse in Chile angekündigt. Dem Sender ABC brachte ein Special über die Rettung der Kumpel am Tag der Bergung so viele Zuschauer ein wie noch nie in den vergangenen zehn Monaten. Und als der erste gerettete Kumpel ans Tageslicht geholt wurde, sahen bei CNN, Fox News und MSNBC 10,6 Millionen Menschen zu. Das sind mehr als viermal so viele Zuschauer wie die Sender üblicherweise alle zusammen zu dieser Zeit erreichen. Der Journalist Jonathan Franklin wird zudem ein Buch über die Rettung der 33 Arbeiter und das vorangegangene menschliche Drama schreiben. «The 33» soll demnach Anfang 2011 in Grossbritannien erscheinen. Und auch die Bergarbeiter und ihre Angehörigen dürften finanziell von dem Hype um ihre Geschichte profitieren. Auch wenn Fernsehsender für Interviews nichts zahlen dürfen, fliesst in der Regel Geld in Form von Reisekosten oder der Verwertung von Familienbildern.

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Die ersten drei aus der San-José-Mine geretteten Bergleute haben zu ihren Familien zurückkehren können. In einem abgedunkelten Fahrzeug verliessen sie begleitet von einem Blitzlichtgewitter am Donnerstagabend das Spital in Copiapó.

Die Namen der entlassenen Bergarbeiter wurden von offizieller Seite nicht genannt. Nach Angaben chilenischer Medien handelte es sich bei ihnen um den 52-jährigen Juan Illanes, den 34-jährigen Edison Pena und den 23 Jahre alten Bolivianer Carlos Mamani. Am Freitag und am Wochenende sollen noch weitere Kumpel nach Hause kommen.

Gruppenfoto mit dem Präsident

In Bademänteln des Krankenhauses posierten die Männer für ein Gruppenfoto mit Präsident Sebastián Piñera. Edison Pena war dann der Erste, der am Donnerstag von seinen Nachbarn mit Applaus begrüsst wurde. «Ich dachte, ich würde niemals zurückkehren», sagte er.

Nach ihrer spektakulären Rettung aus der Mine San José in der nordchilenischen Atacama-Wüste waren alle 33 Bergarbeiter medizinisch untersucht worden.

Drei Kumpel mussten sich am Donnerstag einer Zahn-Operation unterziehen, ein weiterer wurde wegen einer Lugenentzündung behandelt. Die Ärzte gingen davon aus, dass am Freitag weitere Kumpel zu ihren Familien zurückkehren können.

Ärzte sind überrascht

Die 33 Männer hatten das Martyrium unter Tage körperlich fast unversehrt überstanden. Die chilenischen Mediziner sagten, alle Bergleute seien «einem sehr hohen Stress-Level» ausgesetzt gewesen. Aber offensichtlich hätten sie die Belastungen gut weggesteckt.

«Niemand hat einen Schock», sagte ein Arzt im Krankenhaus in Copiapó. Dorthin waren die Kumpel gebracht worden. Die gute gesundheitliche Verfassung, in der sie sich befinden, sei eine Überraschung für das Ärzteteam. Experten gehen davon aus, dass die psychische Aufarbeitung Spätfolgen zeitigen könnte.

«Jobangebote» aus aller Welt

Die 33 Kumpel haben nach ihrer dramatischen Rettung inzwischen jede Menge Angebote aus fast aller Welt bekommen: Ein griechisches Bergbauunternehmen hat ihnen Erholung auf einer Insel in der Ägäis in Aussicht gestellt. Fussballclubs in Madrid, Manchester und Buenos Aires wollen sie in ihren Stadien sehen, und der bolivianische Präsident Evo Morales hat die Männer in seine Residenz eingeladen.

Die Minenarbeiter waren 69 Tage lang in mehr als 600 Metern Tiefe gefangen. Noch nie hatten Bergleute so lange unter Tage ausharren müssen. In einer beispiellosen Rettungsaktion waren sie innert weniger als 23 Stunden mit einer Kapsel an die Oberfläche gebracht worden.

(sda/dapd)