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Joggen mit Stirnlampe
22. Oktober 2010 14:09; Akt: 25.10.2010 15:52 Print
Exklusive Bilder: So wars wirklich in der Grube
Wie die Kumpel während ihrer Gefangenschaft unter der Erde um ihr Überleben gekämpft und den Alltag bestritten haben, dokumentieren diese neuen Fotos.
Wohl kaum einer der 33 Bergleute, die am 13. Oktober aus dem 700 Meter tiefen Schacht geborgen wurden, hat bisher die Zufriedenheit gefunden. In Gesprächen mit Verwandten und Medien berichten sie über die schlaflosen Nächte, über die Albträume, immer noch im Schacht zu sein. Einer nach dem anderen erzählen sie von den gleichen Erfahrungen. Victor Segovia gab im Interview mit dem «Stern» zu, dass er ohne Antidepressiva die Tage nicht durchsteht.
Bildstrecken Ein Blick in 700 Meter Tiefe - die letzten BilderChile sucht den Super-KumpelDer Letzte soll das Licht ausschalten«Willkommen im Leben»Eine beängstigende FahrtAuch die anderen Verschütteten reden von der Angst, die sie hatten, nie mehr aus der Mine herauszukommen - und vor allem von der stockfinsteren Dunkelheit, die sie 69 Tage lang umschloss. Edison Peña erzählt dem britischen Journalisten Dan McDougall, welchen Frust er verspürte. Der Elektriker hatte sich in den Kopf gesetzt, «den Berg zu besiegen». So besessen war er, dass sich die Ärzte und Psychologen ernsthafte Sorgen um sein psychisches Wohlbefinden machten.
Peña hatte eine solche «Wut im Bauch, dass ich jeden Tag mehrere Kilometer joggen musste». Seine Freundin und das Rettungsteam schickten dem Kumpel ein Paar Turnschuhe. Mit den Wochen nahm diese Obsession zu und Peña schleppte sogar schwere Karren mit sich durch den Stollen. «Ich rannte mit einer batteriebetriebenen Stirnlampe. Aber die ging manchmal aus und ich stand im Dunkeln. Das ist das Schlimmste für mich.»
«Du wirst sterben»
McDougall und der Photograph Adam Patterson wollen dem gestörten Mineur helfen: Sie schicken ihm einen Fotoapparat, mit dem er die beängstigende Schwärze dokumentieren könne. Peña glaubte zu diesem Zeitpunkt, der Berg halte ihn gefangen. Er habe gehört, wie der knisternde Fels zu ihm sagte: «Du wirst sterben, du wirst langsam sterben, und du wirst nichts dagegen tun können.»
Die Geschichte von Edison Peña erreichte inzwischen die Organisatoren des New Yorker Marathons. Sie luden den 34-Jährigen ein am 7. November mitzumachen.
Früher oder später brechen alle zusammen
In ihren Interviews haben die meisten Kumpel von Konflikten gesprochen. In der Gruppe habe sich schnell eine Hierarchie gebildet. Wer die Chefrolle hätte einnehmen sollen, der Schichtleiter Luiz Urzua, habe allerdings die meiste Zeit geschwiegen. Prompt machte sich der 40-jährige Mario Sepulveda für die Organisation und Disziplin verantwortlich. «Wir alle waren froh, dass da überhaupt jemand die Initiative übernommen hat», erzählt Victor Segovia.
Sepúlvedas Autorität wird nach anfänglichen Schwierigkeiten nicht mehr in Frage gestellt. Mit autoritärer Stimme rationiert er täglich die halben Löffel Thunfisch und die knappe Portion Milch. Als er gerettet wird, steigt er euphorisch aus der Kapsel und stellt sich sofort nach der ärztlichen Untersuchung den Kameras.
Erst zwei Tage später, als die «Gruppe der Schwachen» schon aus dem Spital in Copiapó entlassen wurde, bricht «Super Mario» zusammen: Er schreit wie ein Besessener Ärzte und das Pflegepersonal an.
(kle)



























