Rettungsschacht fertig

12. Oktober 2010 14:01; Akt: 12.10.2010 21:32 Print

Fahrt in die Freiheit steht unmittelbar bevorFahrt in die Freiheit steht unmittelbar bevor

Die Rettung der 33 verschütteten Bergleute ist greifbar nahe: Am Mittwoch um 1.00 Uhr Schweizer Zeit soll die erste Rettungskapsel in die Tiefe hinabgelassen werden.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Bergung der eingeschlossenen Bergleute in Chile wird voraussichtlich in der Nacht auf den 13. Oktober 2010 beginnen. Eine vorläufige Liste mit der Reihenfolge der zu rettenden 33 Kumpel wurde erstellt, aber nicht bekannt gegeben. Allerdings könnte die Rettung durch den 71 Zentimeter breiten Rettungsschacht langsamer als geplant vonstattengehen: ... Nach Medienberichten passen zwei der drei Rettungskapseln nicht durch das Bohrloch. Die Retter haben bereits mit medizinischen Vorkehrungen für eine möglichst reibungslose Bergung begonnen. So wurden den Kumpeln erste Medikamente gegeben, um Blutgerinnseln vorzubeugen. Zudem sollen die Bergleute Kompressionsstrümpfe und einen Spezialgürtel für die Bergung anziehen. In den letzten sechs Stunden vor dem Aufstieg bekämen sie ein sehr kalorienreiches Getränk, dass die US-Weltraumbehörde NASA zur Verfügung gestellt hat. Die Flüssignahrung soll Übelkeit während der Fahrt mit der Rettungskapsel vorbeugen. Es wird erwartet, dass diese auf ihrem Weg an die Oberfläche insbesondere in Kurven zehn bis zwölf Mal rotiert. Die grösste Sorge der Behörden sei es, dass es zu Panikattacken komme, sagte Manalich. Um die Kumpel während der Fahrt beobachten zu können, ist in der Kapsel eine Kamera angebracht. Für Journalisten wurde rund 100 Meter vom Rettungsschacht entfernt eine Plattform errichtet: Man wolle sie mit dieser Abschirmung abhalten, die ersten Minuten der Bergleute nach der Bergung zu beobachten. Die Testläufe der Rettungskapsel verliefen fehlerfrei. Die vier Meter lange «Phoenix 1» ist die grösste von drei Kapseln, die von Ingenieuren der chilenischen Marine gebaut wurde. «Sie hat noch nicht einmal Staub aufgewirbelt», berichtete Bergbauminister Golborne. Die Hin- und Rückfahrt der Kapsel soll vermutlich rund eine Stunde dauern.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Welcher Kumpel wann ans Tageslicht geholt wird, steht bereits vor Beginn der Bergung genau fest. Der Inhalt der Liste bleibt allerdings geheim. Chiles Gesundheitsminister Jaime Manalich sagte, er habe die Reihenfolge den Bergleuten angekündigt: Zuerst kommen die geistig Fittesten, dann die Schwächsten und am Ende die körperlich Stärksten.

Unter den Bergleuten herrsche Teamgeist und Solidarität, sagte Manalich. Einer der Kumpel habe nach der Ankündigung gesagt: «Sehr gut, Herr Minister, aber ich möchte gerne als Letzter raus.» Danach hätten andere darum gebeten, dass sie als Letzte gerettet würden.

Ja nicht als Erster

Allerdings hätten einige Kumpel auch einfach Angst, als Erste in der nur 53 Zentimeter breiten Rettungskapsel nach oben gezogen zu werden, berichteten Angehörige. Dario Segovia sei «sehr froh, aber sehr, sehr nervös», sagte sein Bruder vor den Medien. «Er will nicht der Erste sein, weil er Angst hat. Keiner will der Erste sein. Stell dir vor, 700 Meter nach oben zu fahren.»

Tatsächlich ist die Fahrt durch den dunklen Schacht nicht ganz ungefährlich: Die Kumpel werden eine Temperaturänderung von über 25 Grad Celsius innerhalb von 15 Minuten verkraften müssen. Ein Spezialanzug soll sie vor einem Kälteschock schützen.

Ausserdem könnten Steine aus der Schachtwand herausbrechen und in die Tiefe donnern - oder sich zwischen Kapsel und Felswand verklemmen. Der Schacht wurde nicht komplett bis in 624 Meter Tiefe mit Rohren ausgekleidet, sondern nur von oben an auf den ersten 100 Metern, auf denen der Schacht leicht gekrümmt ist.

(kle)