Minendrama

08. September 2010 07:22; Akt: 09.09.2010 07:41 Print

«T-130» frisst sich in einem Tag 150 Meter vor«T-130» frisst sich in einem Tag 150 Meter vor

Es geht rasant vorwärts mit den Bohrarbeiten zur Rettung der verschütteten chilenischen Bergleute. Die zweite Maschine hat in nur 24 Stunden 150 Meter geschafft.

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10.10.2010: Ein Stahltunnel wird ins Erdloch gelassen, um dieses zu verstärken. Die grösste Sorge der Behörden ist es, dass es im Tunnel zu Panikattacken kommt. Die Kumpel sollen am Tag der Bergung Kompressionsstrümpfe und einen Spezialgürtel anziehen. Nach mehr als zwei Monaten ist seit dem 9. Oktober endlich ein Fluchtweg für die verschütteten Kumpel in Chile frei. Der Bohrer T-130 erreichte einen Werkstattraum in etwa 620 Meter Tiefe. Die Angehörige der Verschütteten brachen in Jubel aus und ... ... fielen sich weinend in die Arme. Die Sirenen der Bohrarbeiter und von Polizeiautos heulten und ein Lehrer der Behelfsschule für die Kinder unter den Angehörigen schlug unermüdlich etwa eine halbe Stunde lang die Schulglocke. Am 6. Oktober sind für die Rettung der seit zwei Monaten eingeschlossenen Bergleute spezielle Schutzbrillen eingetroffen. Die Brillen sollen die Augen der Bergleute vor dem Sonnenlicht schützen, wenn sie nach der langen Zeit in der Dunkelheit wieder ans Tageslicht kommen. Sie wurden von einem US-Unternehmen gestiftet. Preis pro Stück: 450 Dollar. Zudem soll jeder Kumpel einen Gürtel bekommen, mit dem der Herzkreislauf überwacht werden kann. Am 2. Oktober wurden 34 Wohncontainer im Campamento Esperanza geliefert. Dort sollen die Kumpel die ersten Stunden nach der Bergung verbrigen. Sie werden ihre engsten Verwandte begrüssen dürfen und sich ausruhen, bevor sie per Helikopter ins Spital geflogen werden. Die Container sind klimatisiert und werden dunkel gehalten, damit sie von Anfang an gegen das Sonnenlicht geschützt werden, sonst könnte die Netzhaut geschädigt werden. Die erste von insgesamt drei Rettungskapseln für die 33 verschütteten Bergleute steht seit dem 26. September bereit. In dem extrem engen Stahlbehälter «Fénix» sollen die Arbeiter wie in einem Lift einer nach dem anderen aus ihrem Verlies in 700 Metern Tiefe an die Oberfläche gezogen werden. Am 22. September überreichten arbeitslose Bergarbeiter der Ehefrau des verschütteten Mario Gomez einen Brief, mit der Bitte, sich um ihre misslige Situation zu kümmern. Präsident Sebastian Piñera besuchte am 19. September die Gold- und Kupfermine San José. «Wir wissen nicht, welches der insgesamt drei Bohrgeräte als erstes (mit einem Rettungsschacht) fertig sein wird, aber wir wissen eins: dass sie mit Gottes Hilfe Erfolg haben werden», sagte der Staatschef. Rechtzeitig zu den Feiern des 200. Jahrestages der Unabhängigkeit Chiles war am 17. September die erste Rettungsbohrung zu der in einer Mine eingeschlossen Kumpel durchgedrungen. Die tagelang wegen technischer Probleme unterbrochenen Rettungsbohrungen waren am 15. September fortgesetzt worden. Damit sind zurzeit wieder zwei Bohrgeräte im Einsatz. Der verschüttete Bergarbeiter Ariel Tiscona hat seit 14. September einen weiteren Grund, sich auf seine Rettung zu freuen: Er wurde Vater einer Tochter. Die Kleine heisst Esperanza (zu deutsch Hoffnung). Die Arbeiten an Plan B, bei dem mit höherer Geschwindigkeit ein enger Bergungsschacht gebohrt werden soll, waren seit mehreren Tagen ausgesetzt. Unbekannte hatten ausserdem Teile der Maschine Strata 950. gestohlen. Am 9. September erhielten die 33 Kumpel vom spanischen Star-Fussballer David Villa zwei Trikots des FC Barcelona - als Zeichen seiner Solidarität. Die Maschine T-130 bohrte am 8. September innerhalb von 24 Stunden ein 150 Meter tiefes Loch ins Erdreich. In den letzten 24 Stunden waren der Bohrer «Strata 950» auf 141 Meter Tiefe und der «T-130» auf 268 Meter vorgedrungen. In der Nacht vom 1. zum 2. September musste die Bohrung vorübergehend unterbrochen werden. Wegen einer Gesteinsspalte mussten die Schachtwände zuerst mit Zement befestigt werden. Die Bohrung konnte aber wenig später fortgesetzt werden. Am 1. September wurde den 33 Verschütteten erstmals eine warme Mahlzeit durch eine der engen Versorgungsröhren geschickt: ... ... Reis mit Hackfleisch oder mit Hähnchen. Bisher hatten sie belegte Brote, Joghurt, Wasser und Spezialnahrung erhalten. Vier Experten der US-Raumfahrtbehörde NASA, die als Berater nach Chile gereist sind, rieten den chilenischen Behörden, sich gegenüber den Eingeschlossenen nicht auf einen genauen Termin für eine Rettung festzulegen. NASA-Gesundheitsexperte Michael Duncan (vorne im Bild) empfahl ausserdem ab jetzt die Aussenkontakte zu intensivieren. Aus medizinischer Sicht ist es demnach vorrangig, die Kalorienaufnahme zu erhöhen und für einen regelmässigen Schlafrhythmus zu sorgen. Seit dem 31. August soll ein Untersuchungsausschuss des chilenischen Parlaments in Valparaiso die Verantwortung der Minenbesitzer Alejandro Bohn (im Bild) und Marcelo Kemeny für den Einsturz der Gold- und Kupfermine klären. Beide baten die Betroffenen um Verzeihung: «Der Schmerz, der durch diese von uns nicht gewollte und nicht vorgesehene Situation verursacht wurde, erfordert, dass wir um Verzeihung bitten für die in diesen Tagen gefühlte Angst.» (Im Bild: Mitbesitzer Marcelo Kemeny) «Diese Situation ist schrecklich», sagte Bohn. «Und wir hoffen, dass sie bald ein glückliches Ende findet.» Ganz Chile steht den Verschütteten bei: Die Angehörigen, Rettungsteams und sogar Regierungsmitglieder harren seit Wochen in Zelten vor der Gold- und Kupfermine in der Atacama-Wüste aus. «Die Regierung ist bei ihnen. Das ganze Land ist bei ihnen und ich möchte, dass sie ganz beruhigt sind, denn ihre Familien bekommen alle Hilfe und Unterstützung», versicherte Piñera dem eingeschlossenen Schichtleiter über eine Sprechanlage. Trotz der bitterkalten Nächte in der Atacama-Wüste – in Chile ist derzeit Winter – haben viele Angehörige ihr Zelt an der San José-Mine aufgeschlagen. Der kleine Campingplatz, der inzwischen entstanden ist, trägt den Namen «Campamento Esperanza» - «Zeltplatz der Hoffnung». In der Nacht auf den 31. August hat das Rettungsteam mit der Bohrung eines Schachtes begonnen. Jeden Tag wird sich der Spezialbohrer «Strata 950» acht bis zehn Meter tiefer ins Gestein fressen. Ein aus Deutschland eingetroffener Bohrkopf und ein zusätzlicher Antriebsmotor sollen die Bohrzeit verkürzen. Der erste Kanal ist 40 Zentimeter breit und wird in einem zweiten Bohrgang auf 70 Zentimeter erweitert. Rechnerisch sind das für zwei Bohrgänge schon 120 Tage. Der stärkere Bohrmotor war am 28. August eingetroffen. Er könnte die Evakuierung um zwei Monate beschleunigen. Bergbauminister Laurence Golborne erklärte, das Verhalten der 33 Bergleute nach dem Unglück in knapp 700 Metern Tiefe sei beispielhaft für das ganze Land. Über zwei enge Röhren in einer Versorgungssonde werden die Männer seit 22. August 2010 mit dem Nötigsten versorgt. Täglich werden mehrere «Palomas», Kapseln mit Vorräte, in den Stollen hinabgeschickt. Die Männer erhalten in erster Linie Nahrung ... ... und Wasser. Weil zwei der Verschütteten ausgebildete Krankenpfleger sind, wurde ihnen auch noch ein Thermometer und ein Blutdruckmesser geschickt. Ausserdem erhalten sie Medikamente gegen Magengeschüre, da sie über mehrere Tage nichts gegessen hatten. Der Eingang zur Mine ist seit der Verschüttung gesperrt. Mit dem Bohrer «Raisebore», soll ein neuer Rettungstunnel gebohren werden, damit die 33 Männer geborgen werden können. Die Arbeiten werden mehrere Monate andauern. Die Verschütteten wurden erst am 25. August darüber informiert, dass sie vier Monate in der Tiefe der Mine ausharren müssen. Über Funktelefon können sie regelmässig mit den Helfern und Regierungsvertretern Kontakt aufnehmen. So konnten sie von ihren Überlebensstrategien in den ersten Tagen berichten. «Sie haben alle 48 Stunden zwei Löffel Thunfisch gegessen und ein halbes Glas Milch getrunken». Jeder der Eingeschlossenen konnte mit den Rettungsmannschaften sprechen. Sie fühlten sich alle hungrig, waren ansonsten aber wohlauf. Ausserdem baten sie um Zahnbürsten. Am 24. August war bekannt geworden, dass die verschütteten Bergleute offenbar nur wegen einer fehlenden Leiter am Lüftungsschaft nicht rechtzeitig ins Freie gelangen konnten. Zwei Tage war die erleichternde Nachricht gekommen: Rettungsmannschaften hatten es erstmals geschafft, Kontakt zu 33 Arbeiter herzustellen, die am 5. August 2010 verschüttet worden waren. Sie alle leben. Den Rettern war es gelungen, mit einem Bohrschacht zu den Männern vorzudringen. Die Bergungsmannschaften hatten zuvor Klopfgeräusche gehört. Die Verschütteten schickten zunächst einen kleinen Zettel an die Erdoberfläche mit der Botschaft: «Hier sind 33 Personen. Wir sind alle am Leben.» In einer weiteren Botschaft schrieb der Bergarbeiter Mario Gómez kurze Zeit später: «Mir geht es Gott sei Dank gut. Ich hoffe, bald hier rauszukommen. Geduld und Glaube. Gott ist gross und mit seiner Hilfe werden wir es schaffen, hier aus dieser Mine lebend rauszukommen, auch wenn wir Monate warten müssen.» Direkt nach Erhalt der Nachricht begannen die Retter, einen weiteren Kanal mit grösserem Durchmesser zu bohren. Sie hoffen, die Verschütteten durch diesen Zugang mit Lebensmitteln versorgen zu können. Die vor der Mine wartenden Angehörigen applaudierten, weinten und fielen sich vor Freude in die Arme. Viele stimmen die Nationalhymne an. Allerdings wissen die Rettungskräfte jetzt, wo sich die Verschütteten befinden. Die Männer waren am 5. August in der Mine bei der Stadt Copiapó, rund 800 Kilometer nördlich von Santiago, ... ... in 688 Metern Tiefe verschüttet worden. Seither waren mehrere Versuche gescheitert, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. In den vergangenen Tagen hatte ein riesiger Felsbrocken das Vorankommen der Sonden verhindert. Das Bergwerk war 2007 geschlossen, ein Jahr später aber wieder geöffnet worden.

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Einer der zur Rettung der 33 in einer chilenischen Mine eingeschlossenen Bergleute eingesetzten Bohrer ist bereits bis in eine Tiefe von 268 Metern vorgedrungen. Die als zweiter Bohrer in Betrieb genommene Bohrmaschine «T-130» habe allein in den vergangenen 24 Stunden einen Fortschritt von 150 Metern gemacht, sagte der Einsatzleiter der Rettungsbohrungen, Andres Sougarret, am Mittwoch.

Die Bergleute sitzen seit über einem Monat in einer Tiefe von 700 Metern in der Kupfer- und Goldmine in Copiapo fest. Der seit Sonntag eingesetzte Bohrer überholte den Angaben zufolge inzwischen die zuerst in Betrieb genommene Bohrmaschine «Strata 950», die bislang bis in eine Tiefe von 141 Metern gebohrt hat.

Der «T-130» befinde sich aber erst auf seiner ersten Etappe, dämpfte Sougarret Hoffnungen auf eine schnellere Befreiung der 33 Kumpel. Der Bohrer soll in einem ersten Durchgang einen bereits bestehenden Versorgungsschacht bis in eine Tiefe von 630 Metern von derzeit zwölf Zentimetern Durchmesser auf 30 Zentimeter Durchmesser erweitern.

In einem zweiten Schritt soll der Bohrer den Schacht dann auf bis zu 70 Zentimeter erweitern. Die Befreiung der Bergleute kann sich nach Einschätzung der Rettungskräfte bis Dezember hinziehen.

Bergleute hören Geräusche

Die Bergleute konnten unterdessen bereits Geräusche von den Bohrarbeiten hören. «Sie sind glücklich, weil sie merken, dass es vorangeht», sagte Ingenieur Rene Aguilar.

Zwei der Bergleute müssen mit Medikamenten behandelt werden. Einer der Bergleute erhält Antibiotika wegen starker Zahnschmerzen, der andere wird wegen erhöhten Blutdrucks behandelt, wie die Rettungskräfte mitteilten. Der Arbeiter litt demnach bereits vor dem Unglück unter erhöhtem Blutdruck.

Nati-Spiel für die Bergleute

Eine willkommene Abwechslung sollte den Bergleuten am Nachmittag geboten werden: Ein Freundschaftsspiel zwischen der chilenischen Nationalmannschaft und der Auswahl aus der Ukraine sollte über eine Fiberglasleitung live in die Rettungskammer übertragen werden, in der sich die Bergleute aufhalten.
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Das dürfte vor allem einen der Bergleute erfreuen: Franklin Lobos war Anfang der 1980er-Jahre selbst international spielender Profifussballer. Über das Kommunikationssystem hatten die Bergleute bereits Kontakt mit ihren Angehörigen aufnehmen können.

(sda)