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Debatte
11. Oktober 2010 14:34; Akt: 11.10.2010 15:37 Print
Wie eine Reality Show – aber in echt
von Karin Leuthold - 33 Eingeschlossene, eine Videokamera und gespanntes Publikum: In Chile sind alle Elemente für die einzige wahrhafte Reality Show gegeben.
Die Medienleute lauschen gespannt, wenn die Angehörigen der 33 Kumpel etwas über sich oder die Verschütteten erzählen. Tagein, tagaus wohnen die verzweifelten Familien seit 66 Tagen mit über 1500 Vertretern aus lokalen und internationalen Medien zusammen. Sie frühstücken zusammen, sie teilen sich das Mittag- und Nachtessen. Für einige ist es eine willkommene Erfahrung, andere ersticken unter dem Druck.
Bildstrecken Ein Blick in 700 Meter TiefeDie Hoffnung lebt auf einem Fetzen PapierDrama um verschüttete BergarbeiterSo intensiv ist die Verfolgung der Presse, dass die Zeltplätze der Angehörigen seit einigen Tagen von Polizisten bewacht werden müssen. Wer mit den Medien sprechen möchte, darf dies gerne an den öffentlichen Stellen tun. «Es ist zum Teil sehr belastend», sagt die Mutter eines Verschütteten der argentinischen Zeitung «La Nacion»: «In den letzten Tagen hat sich die Anzahl Journalisten sogar verdoppelt. Andersrum muss ich sagen, dass ohne Presse niemand auf diese Tragödie aufmerksam geworden wäre.»
Big Brother vs. echtes Leiden
Für die Medien ist die Situation in Copiapó ein gefundenes Fressen. Denn so nah an ein Drama in Echtzeit werden sie kaum wieder kommen. Daher ist jedes Detail aus den Privatleben der Bergarbeiter, das sie ausbuddeln können, Gold wert.
Denn anders als die Big-Brother-Sendung ist der Horror, über zwei Monate in einem Loch 700 Metern unter der Erde zu leben, bitterernst. Ebenfalls anders als im Studio ist das Ende der Verschütteten immer noch ungewiss. Die Medienschaffenden schien dies bislang wenig zu kümmern. Erst nachdem vor wenigen Wochen Kritik bei Ethikern und Medienbeobachter aufgekommen war, wurden die Videoaufnahmen aus dem Schutzraum auf ein Minimum reduziert. «Jetzt veröffentlichen wir nur noch Bilder, die die Kumpel beim Räumen des Gerölls zeigen», gesteht ein Regierungsmitarbeiter ein.
Film über das Bergdrama ist bereits geplant
Die Geschichte der Kumpel liess nicht nur News-Journalisten in die Atacama-Wüste reisen. Auch Dokumentarfilmer interessierten sich plötzlich für das unglaubliche Überlebungsabenteuer: Vom Discovery Channel über die BBC bis hin zu HBO waren sie alle mit Tonnen Ausrüstungsmaterialien gekommen, um für zukünftige TV-Serien über die spektakulären Bergung zu sorgen. Der chilenische Regisseur Rodrigo Ortúzar sammelt fleissig Filmmaterial für seinen nächsten Film: «Die 33».
Es ist vorherzusehen, dass die Berichterstattung über die Bergung ganz Chile über 36 Stunden lang paralysieren wird. Der öffentlich-rechtliche Sender TVN wird live berichten. Dafür wurden im Campamento Esperanza mehrere Grossleinwände aufgestellt. Von den 2000 anwesenden Journalisten haben knapp 400 Zugang zu einer Plattform erhalten, von der aus man die Bergungsaktion aus nächster Nähe erleben kann. Das Herausschlüpfen der Metallkapsel aus dem Tunnel soll allerdings nicht sichtbar sein – schliesslich sind belustigte Zuschauer bei einer Geburt auch nicht erwünscht.
Was denken Sie zu dem Medienrummel um die verschütteten Bergleute in Chile? Teilen Sie Ihre Meinung im TalkBack!
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Medienrummel
Der Voyeurismus kennt keine Grenzen! Ich bin aber nicht sicher ob ohne den ganzen Meidenrummel die Rettung so schnell, wenn überhaupt geklappt hätte! Die Welt d.h. die Menschen auf dieser Erde haben leider nur ein Kurzzeitgedächnis. Es ist alles glatt gegangen und ich bin froh für die Kumpels und Ihre Familien, dass es so und nicht anders gekommen ist! Ich muss gestehen das auch ich ab und zu beim Chilenischen Fernsehen reingeschaut habe und eindrückliche Bilder gesehen habe. Hut ab vor diesen Männern!