Warnung vor Kinderhandel in Haiti

19. Januar 2010 06:24; Akt: 19.01.2010 08:06 Print

«Ihre Not hier ist kaum zu erfassen»«Ihre Not hier ist kaum zu erfassen»

Tausende traumatisierte Kinder irren nach dem schweren Erdbeben in Haiti allein durch die Strassen. In Kinderheimen ist die Lage katastrophal und spitzt sich weiter zu, berichteten Helfer und Experten. Viele obdachlose Kinder sind ohne jegliche Betreuung.

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Die neunjährige Tamara Marc (links) und ihre siebenjährige Schwester Fabie Marc warten vor einem Feldspital der ONU, abgeholt zu werden. Das Hilfswerk «Save the Children» zeigt sich besonders besorgt über die Gesundheit und Sicherheit der Kleinkinder und Säuglinge in den Notlagern. Krankheiten könnten sich rasch ausbreiten, sagte der Präsident des Hilfswerks, Charles MacCormack. Die Kinder müssen in den Feldspitälern als erstes ernährt und psychologisch betreut sowie identifiziert werden. Bis zu zwei Millionen Kinder könnten nach dem Erdbeben einer akuten Gefahr ausgesetzt sein: ... ... Ausgerechnet in diesen dramatischen Situationen werden Kinder oft Opfer von Angriffen und Entführungen. Berichten zufolge laufen kleine Kinder verwirrt und orientierungslos durch die Strassen. Nachts schlafen sie im Freien neben den Leichen von Erdbebenopfern. An der Schule St. Gerard bricht Cindy Terasme in Tränen aus, ... ... als sie die Füsse ihres 14-jährigen Bruders Jean Gaelle Dersmorne sieht, die leblos aus den Trümmern ragen. UNICEF-Chefin Ann Veneman macht sich grosse Sorgen, dass die verwaisten Kinder in den Fängen von Kinderhändlern landen. «Genau unter diesen Umständen werden Kinder auf offener Strasse entführt und später verkauft», erzählt Veneman. «Wir nehmen die Kinder zu uns. Wir versuchen sie zu identifizieren und lassen sie nicht gehen.» «Die Kinder brauchen Wasser und Essen. Wir brauchen grosse Zelte, in denen sie vorübergehend versorgt werden.» Urs Bernhard von World Vision setzt seine Priorität in der psychologischen Betreuung der Kleinen: «Wir sind jetzt dabei, sogenannte 'Childfriendly Spaces' aufzubauen, wo wir mit den Kindern spielen und sonstige Aktivitäten anbieten.» Der zweijährige Redjeson Hausteen wurde unter Trümmern seines Elternhauses begraben. Zwei Tage wartete er zwischen Staub und Gestein auf Hilfe, bis ihn endlich spanische Rettungsleute bergen konnten. Diverse Hilfsorganisationen rechnen nun nach dem Erdbeben mit einem rasanten Zuwachs in den Waisenhäusern, die bereits jetzt schon überbelegt sind.

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Haiti hat als ärmstes Land Amerikas auch eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt - etwa 40 Prozent der Einwohner sind Statistiken zufolge jünger als 15 Jahre. Das Kinderhilfswerk terre des hommes warnte vor Kinderhändlern und Schleppern. Kinderhändler würden erfahrungsgemäss Notlagen wie jetzt in Haiti ausnutzen, teilte die Hilfsorganisation mit.

Nach Angaben des Vereins Haiti-Kinderhilfe muss vor allem den Kindern geholfen werden, die nicht bei ihren Eltern leben, sondern zum Arbeiten in andere Familien geschickt wurden. Sie würden von niemandem gesucht oder versorgt, sagte Stephan Krause, Vorsitzender der Haiti-Kinderhilfe e.V. am Montag der dpa.

Kaum mehr intakte Waisenhäuser

Eine anständige Versorgung könne nur ausserhalb der zerstörten Hauptstadt gewährleistet werden. Es gebe noch einige wenige kaum zerstörte Waisenhäuser.

Die Kinderhilfsorganisation World Vision berichtete am Montag von einem völlig überfüllten Waisenhaus in Delmas im Grossraum Port-au- Prince, in dem Kinder seit zwei Tagen ohne Wasser waren. «Als wir Hilfe brachten, streckten uns dutzende Kinder ihre Arme entgegen.»

Die meisten sind erschöpft, viele leiden unter Krankheiten wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Hautausschlag. Die Waisenhaus-Leitung hatte aus Verzweiflung Wasser aus einem naheliegenden Fluss geholt und es abgekocht», sagte Mitarbeiter James Addis laut Mitteilung.

Ein Mitarbeiter der Organisation Plan International Deutschland e.V., der Trauma-Experte Dr. Unni Krishnan, sagte über die Situation der Kinder: «Wir müssen ihnen psychologische Hilfe geben. Nach dem, was passiert ist, wissen die Mädchen und Jungen nicht, wohin mit ihrer Ungewissheit und Trauer. Sie suchen ihre Eltern und Geschwister - ihre Not hier ist kaum zu erfassen.»

Frankreich will adoptierte Kinder ausfliegen

Frankreich und die Niederlande wollen Kinder schnell ausfliegen, die bereits von Europäern adoptiert wurden, sich aber noch in Haiti aufhalten. Dafür müssten aber alle Papiere in Ordnung sein, sagte Entwicklungsstaatssekretär Alain Joyandet dem Radiosender Europe-1; Zahlen nannte er nicht.

Elternvereinen zufolge laufen jedoch zurzeit 1200 bis 1500 Anträge. Jedes Jahr werden tausende Kinder aus Haiti von ausländischen Eltern adoptiert.

(sda)