Haiti

05. April 2011 07:06; Akt: 05.04.2011 10:14 Print

«Sweet Micky» macht das Rennen«Sweet Micky» macht das Rennen

Der Musiker Michel Martelly hat dem vorläufigen offiziellen Ergebnis zufolge die Präsidentschaftswahl in Haiti gewonnen.

Michel Martelly ist in erster Linie Musiker. Hier eine Kostprobe: Sweet Micky - Pa Manyen (YouTube)
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Neuer Präsident von Haiti ist der Musiker Michel Martelly. Er setzte sich dem vorläufigen Endergebnis zufolge etwas überraschend klar gegen die ehemalige First Lady Mirlande Manigat durch, die die Siegerin des ersten Wahlgangs im vergangenen Jahr war. Der als «Sweet Micky» bekannte Künstler erhielt in der Stichwahl am 20. März nun aber fast 68 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission am Montag mitteilte.

Tausende Anhänger Martellys feierten das Ergebnis, kurz nachdem es bekannt gegeben worden war. Eine riesige Menschenmenge marschierte singend zu seinem Haus. «Heute ist ein grosser Tag», sagte einer der Martelly-Anhänger, der 22-jährige Jeanor Destine. «Wir hatten genug von der alten Regierung und wollte eine neue Regierung. Darum haben wir Martelly unterstützt.» In einer Nachricht auf Kreolisch erklärte Martelly über Twitter: «Danke für euer Vertrauen. Wir werden für alle Haitianer arbeiten. Zusammen schaffen wir es.»

Aus der ersten Wahlrunde mit 18 Kandidaten im vergangenen November war Manigat noch als Siegerin hervorgegangen. Sie kam damals nach einer Zählung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) auf 31,6 Prozent, Martelly auf 22,2 Prozent. Etliche Haitianer haben dem Musiker Martelly vorgehalten, dass er zu wenig politische Erfahrung habe. Schliesslich hatte er noch nie ein politisches Amt inne. Genau das war aber offenbar für noch mehr Menschen ein Grund ihn zu wählen: Mit den alten Politikern, die es bislang nicht geschafft haben, die Probleme des Landes zu lösen, hat er nichts zu tun.

Grosse Aufgaben vor sich

Als Präsident steht er vor grossen Herausforderungen. Nach dem schweren Erdbeben im vergangenen Jahr muss unter anderem der Wiederaufbau vorangebracht werden, denn noch immer leben fast eine Million Menschen in dem völlig verarmten Land in Notunterkünften. Schwierig dürfte die Politik für ihn auch deshalb werden, weil das Parlament immer noch von Anhängern des scheidenden Präsidenten Rene Preval beherrscht wird. Die Abgeordneten müssen aber seinen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten und das Kabinett bestätigen.

Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei rund 23 Prozent. Die endgültigen Ergebnisse werden am 16. April erwartet.
Die endgültigen Ergebnisse werden am 16. April erwartet.

(dapd)