Tödliche Seuche

05. Januar 2011 08:24; Akt: 05.01.2011 08:46 Print

Über 157 000 Cholera-Infizierte in HaitiÜber 157 000 Cholera-Infizierte in Haiti

Die Zahl der Choleraopfer in Haiti steigt kontinuierlich an. Bislang starben 3481 Menschen an der Seuche. Und es dürften noch mehr werden.

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18. November 2010: Die Situation in Port-au-Prince eskaliert: Demonstranten errichteten Barrikaden und setzten diese in Brand gesetzt. Fahrzeuge der Vereinten Nationen und von ausländischen Hilfsorganisationen wurden mit Steinen beworfen. Die Polizei schoss Tränengas in die Menge. Bei den Protesten riefen Demonstranten: «Wir sagen nein zur MINUSTAH und nein zur Cholera.» Einige trugen Plakate mit der Aufschrift «Die MINUSTAH und die Cholera sind Zwillinge» bei sich. 17. November 2010: Für viele Menschen kommt die ärtzliche Hilfe zu spät. Auf den Weg in den Spitälern, um sich behandeln zu lassen, sterben Viele auf der Strasse. Die Behörden haben verboten, die Toten an die Verwandten herauszugeben. Sie kommen in Massengräber. 16. November 2010: Die Krankheit breitet sich rasant aus. Ein erster Cholera-Fall wird im US-Bundesstaat Florida gemeldet. Einige Patienten kommen völlig dehydriert und von starken Krämpfen geschüttelt in den Spitälern. «Bis zu 15 Liter Flüssigkeit verlieren die Kranken am Tag», erzählt ein Arzt. 15. November 2010: Wegen des Cholera-Ausbruchs haben in Port-au-Prince mindestens 1000 Demonstranten vor einem Stützpunkt nepalesischer UNO-Blauhelmsoldaten demonstriert. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben. Bisher sind fast 1100 Menschen in dem verwüsteten Haiti an Cholera gestorben. In der Bevölkerung herrscht Angst und Verwirrung über die Krankheit. Die meisten Betroffenen gibt es auf dem Land. Verwandte tragen sie nach Port-au-Prince ins Krankenhaus. Oft in Schubkarren werden die Patienten zum Krankenhaus gebracht, die blassen Lippen ausgedörrt und aufgesprungen. 13. November 2010: Auf dem Krankenhausgelände haben die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen und das Gesundheitsministerium zusätzliche Zelte aufstellen lassen. Die Kranken liegen in Reihen nebeneinander, Infusionsschläuche im Arm. Wer zu schwach ist, sich zu bewegen, bekommt ein Bett mit Loch in der Mitte und Eimer drunter. 11. November 2010: In der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince wächst die Angst, die grassierende Cholera-Epidemie könnte völlig ausser Kontrolle geraten. «Port-au-Prince ist ein einziger ausgedehnter Slum», sagte der stellvertretende Chef der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO), Jon Andrus. Die Hygiene-Standards seien miserabel, die Versorgung mit sauberem Wasser mangelhaft. Der Hurrikan «Tomas» hatte am 6. November 2010 grosse Schäden auf der Insel angerichtet und viel Niederschlag gebracht. Den Behörden bereiten vor allem die prekäre Lage der rund 1,3 Millionen Menschen grosse Sorgen, die seit dem schweren Erdbeben in hunderten provisorischen Unterkünften und Zeltlagern leben. Verzweifelte Szenen werden auch aus anderen Städten im Norden des Karibikstaates gemeldet. Viele Menschen sterben auf dem Weg ins Spital, weil kein Taxi sie befördern will. Im Arbonite-Tal werden die meisten Cholera-Fälle registriert, dort steigt die Zahl der Erkrankten rapide an. Ist dies der Grund für die Cholera-Epidemie? Ein Tanklaster entlädt Exkremente von Nepals Friedenssoldaten. Die nepalesischen UNO-Soldaten gerieten unter Verdacht, weil der Cholera-Ausbruch am Fluss Artibonite in der Nähe ihres Lagers begann. Sie trafen im Oktober in Haiti ein. Kurz zuvor hatte es in Nepal eine Cholera-Epidemie gegeben. Eine Woche nach der Ankunft der UNO-Soldaten begann die Cholera-Epidemie in Haiti. 25. Oktober 2010: Kranke liegen in einem Gang des Spitals in St. Marc. 24. Oktober 2010: Zwei Männer tragen den Sarg von Frist Fleurant (10), der an Cholera gestorben ist in Rossignol. Eine Verwandte schiebt einen kaputten Wagen, auf dem der Sarg von Tikont Dolamard (36) auf den Friedhof von Dessalines gefahren wird. Tikont Dolamard wird in Dessalines beerdigt. Die UNO fürchtet sich vor allem vor einem Übergreifen der Epidemie auf die Zeltlager der Erdbebenopfer, wie hier in Port-au-Prince. Unter den Erkrankten hat es viele Kinder. Sie werden in den Spitälern behandelt. Die medizinische Versorgung ist aber bei Weitem nicht genügend. Die Leute warten, wie hier in Saint Marc, auf die Behandlung. Ein amerikanischer Arzt versucht zu helfen. Kleine Kinder mit den Krankheitssymptomen bekommen ein Serum. Das Leiden der Erkrankten ist gross. Oft helfen Verwandte bei der Pflege.

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Bis zum 29. Dezember 2010 sind landesweit 3481 Tote registriert worden. Und 157 300 Menschen hätten sich seit dem Ausbruch der Epidemie vor zehn Wochen in Haiti infiziert. Pro Tag sterben den Angaben zufolge immer noch mehr als 22 Menschen. Das sind allerdings weniger als in den Wochen zuvor, als bis zu 60 Tote am Tag gezählt worden waren.

Experten gehen davon aus, das die tatsächliche Zahl der Toten und Erkrankten viel grösser ist als offiziell angegeben. Die Cholera war zum ersten Mal seit über 100 Jahren am 19. Oktober am Fluss Artibonite in Zentralhaiti ausgebrochen.

Trotz umfangreicher Aufklärungskampagnen der Hilfsorganisationen wissen viele Haitianer vor allem auf dem Lande oft nicht, wie sie sich im Falle einer Ansteckung verhalten sollen, und suchen zu spät medizinische Hilfe.

(sda)