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Katastrophe in Haiti
18. Januar 2010 14:47; Akt: 18.01.2010 18:50 Print
Folgen mehr schwere Erdbeben?
von Daniel Huber - Das verheerende Erdbeben, das Haiti verwüstet hat, könnte das erste einer ganzen Serie sein. Nur etwa die Hälfte der seismischen Energie sei beim Beben frei geworden, warnt ein Seismologe, der die Katastrophe schon vor zwei Jahren kommen sah.
Bildstrecke: Das verheerende Beben in Haiti
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Die Waisenkinder von Haiti
Paul Mann von der Universität von Austin (Texas) zog auf einem Geologenkongress im Jahr 2008 an der Alarmglocke: In der Enriquillo-Plantain-Garden-Verwerfung südlich von Haiti hatte sich über einen Zeitraum von 250 Jahren eine solche Spannung aufgebaut, dass eine heftige Entladung in der Gegend von Port-au-Prince unvermeidlich schien. Mann und sein Team sagten die Schwere des Bebens präzise voraus: 7 auf der Richter-Skala. Lediglich den Zeitpunkt konnten die Geologen nicht prognostizieren.
Geologe Mann
Glückskette sammelt Spenden
Die Glückskette hat ihr Spendenkonto geöffnet. Die Glückskette und ihre Schweizer Partnerhilfswerke bereiteten sich vor, in den kommenden Monaten Unterstützung zu leisten.
Diese werde sich von der Nothilfe bis zum Wiederaufbau erstrecken, teilte die Glückskette am Mittwoch mit. Die Glückskette finanziere bereits mehrere Hilfsprojekte in dem als ärmsten Land der westlichen Hemisphäre geltenden Land.
Für Spenden: Postkonto 10-15 000-6 mit Vermerk «Haiti» oder via www.glueckskette.ch
Jetzt warnt Mann erneut: Das verheerende Erdbeben, das den Karibikstaat letzten Dienstag ins Unglück stürzte und wohl über hunderttausend Todesopfer forderte, hat wahrscheinlich nur die Hälfte der Spannungsenergie verbraucht. Mann erwartet noch mindestens ein Beben der gleichen Stärke; es könnten jedoch noch mehr werden, denn in benachbarten Verwerfungen stecke nach wie vor viel seismische Energie.
«Das letzte Mal gab es eine Reihe von Erdbeben»
Auch der Seismologe Uri ten Brink vom US Geological Survey in Woods Hole (Massachusetts) befürchtet ein weiteres Beben. Er verweist auf ein historische Muster, nach dem die karibischen Inseln ungefähr alle 250 Jahre von einem schweren Beben getroffen werden. «Das letzte Mal gab es eine Reihe von Erdbeben», sagte Ten Brink mit Blick auf das 18. Jahrhundert, als drei schwere Beben zwischen 1751 und 1770 die Region erschütterten. «Ich mache mir Sorgen, denn die östliche Seite der Verwerfung dürfte als nächste brechen.» Andere Geologen wie Bill McGuire vom University College London stimmen mit Ten Brink überein. Die Erschütterung werde entlang der Verwerfung weitere Beben auslösen.
Betroffen wäre dann die Dominikanische Republik, die sich mit Haiti die Insel Hispaniola teilt, oder — noch weiter östlich — das französische Übersee-Gebiet Guadeloupe. Aber auch Jamaika und Kuba sind nicht sicher, denn dort verlaufen benachbarte Bruchlinien, an denen sich ebenfalls Spannung aufgebaut hat. Die Geologen können zwar warnen, aber sie können den genauen Zeitpunkt der nächsten Entladung nicht voraussagen. Viel länger als zwanzig Jahre werde das nächste schwere Beben aber nicht auf sich warten lassen, fürchten sie.
Tsunami-Gefahr
Grosse Sorgen macht den Geologen aber auch eine andere geologische Bruchlinie weiter im Osten, wo die Atlantische Platte sich langsam unter die Karibische Platte schiebt und dabei die karibischen Inseln aus dem Ozean hebt (siehe Grafik II unten). Sollte die noch vorhandene seismische Energie sich als Seebeben an diesem unterseeischen Grabenbruch freisetzen, würde dies einen gewaltigen Tsunami auslösen, wie es im Dezember 2004 im Indischen Ozean geschah. Seebeben der Stärke 8,5 oder gar 9 entlang dieser unterseeischen Bruchlinie treten etwa alle 2000 Jahre auf, schätzen die Geologen. Ein Tsunami in dieser Region, die viel kleiner ist als der Indische Ozean, würde die dicht besiedelten Küsten des Golfs von Mexiko und der Karibik verwüsten — ein Alptraumszenario.
Tektonische Bruchlinien in der Region der Grossen Antillen
(Quelle: www.jsg.utexas.edu)
Plattentektonik in den östlichen Antillen
(Quelle: www.abuhrc.org)


























