Katastrophe in Haiti

18. Januar 2010 14:47; Akt: 18.01.2010 18:50 Print

Folgen mehr schwere Erdbeben?Folgen mehr schwere Erdbeben?

von Daniel Huber - Das verheerende Erdbeben, das Haiti verwüstet hat, könnte das erste einer ganzen Serie sein. Nur etwa die Hälfte der seismischen Energie sei beim Beben frei geworden, warnt ein Seismologe, der die Katastrophe schon vor zwei Jahren kommen sah.

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Ein dritter Schweizer Hilfsflug brachte am 25. Januar weitere 105 Tonnen Hilfsgüter in das Katastrophengebiet. 400 000 Menschen sollen wegen katastrophaler hygienischer Zustände aus den Zeltstädten in Port-au-Prince nach ausserhalb umgesiedelt werden, wie die haitianische Regierung am 21. Januar bekannt gab. In den Massengräbern werden jeden Tag tausende Leichen beigesetzt. Die US-Luftwaffe wirft Hilfsgüter über Haiti ab. Und so sieht ein Abwurf von unten aus. Ein Helikopter des Flugzeugträgers USS Carl Vinson bringt Hilfsgüter, die von Haitianern und Uno-Mitarbeitern in Empfang genommen werden. US-Helikopter nehmen beim Flughafen von Port-au-Prince Güter auf, um sie in der Stadt abzusetzen. Peruanische Uno-Blauhelmsoldaten sorgen für Ordnung bei einer Nahrungsmittelverteilung durch dominikanische Helfer. Haitianer kämpfen um Essenspakete während einer Verteilung durch die Uno. Ein Polizist stellt einen jungen Plünderer inmitten der Ruinen. Ein jordanischer Polizist der Uno bedroht Haitianer mit einem Tränengasgewehr. Die Haitianer betteln um Arbeit vor einem Haupteingang zum Flughafen von Port-au-Prince. US-Soldaten patroullieren durchs Zentrum von Port-au-Prince. US-Soldaten nach ihrer Landung am Flughafen von Port-au-Prince. Plünderer in einer Einkaufsstrasse der haitianischen Hauptstadt. Plünderung und Anarchie in Port-au-Prince. Mit dem Messer gehen die Menschen aufeinander los, um sich Essen und anderes zu ergattern. Wer nicht entkommen kann, wird von der Polizei festgenommen. Plünderungen in Port-au-Prince. Apokalyptische Zustände in der Hauptstadt von Haiti. Verzweiflung schlägt in Wut um. Auf dem Flughafen von Port-au-Prince geht nichts mehr. 200 Evakuierte werden mit der C-17 Globemaster nach Orlando in Florida geflogen. Ein haitianischer Polizist verhaftet einen mutmasslichen Plünderer in Port-au-Prince. Türkische Retter bei der Arbeit auf den Trümmern eines eingestürzten Supermarktes in Port-au-Prince. Zusammen mit amerikanischen Kollegen gelang es ihnen am 17. Januar drei Menschen nach fünf Tagen lebend zu bergen. Die Menschen rennen in Scharen zu einem US-Helikopter, der am 16. Janaur Wasser abwirft. Vor den Ausgabestellen für Nahrungsmittel und Trinkwasser bilden sich jeweils lange Schlangen. Sicherheitskräfte müssen haben alle Hände voll zu tun, um dort die Ordnung aufrechtzuerhalten. Ärzte aus aller Welt kümmern sich unter widrigsten Bedingungen um die Versorgung der Verletzten. Glücklich ist, wer in Port-au-Prince wenigstens ein (Zelt-)Dach über dem Kopf hat. Hunderttausende müssen seit Tagen unter freiem Himmel schlafen, wie diese Verletzen vor dem General Hospital in Port-au-Prince. Immer häufiger kommt es in der Hauptstadt Haitis zu Plünderungen, oft bandenmässig organisiert. Auch im Kampf um Nahrungsmittel kommt es vermehrt zu Gewaltausbrüchen. Wer Essen hat, lebt in Port-au-Prince gefährlich. Der erste Schweizer Hilfsflug (hier bei der Beladung auf dem Flughafen Zürich) ist am 16. Januar in Haiti gelandet. 30 Tonnen Hilfsgüter an Bord sollen Menschen helfen. Auf dem Flugzeugträger USS Carl Vinson werden Helikopter mit Hilfsgütern beladen. Ein verletzter Amerikaner wird auf die Carl Vinson zur Pflege gebracht. Die Plätze in Haiti sind auch drei Tage nach der Katastrophe mit Leichen übersät. Ganze Strassenzüge liegen in Schutt. Mit blossen Händen wird in den Trümmern nach Überlebenden gesucht. Überall zerstörte Gebäude. Menschen flüchten aus der zerstörten Stadt. Trinkwasser ist zum raren Gut geworden. Leichen, so weit das Auge reicht. Menschen suchen nach ihren vermissten Verwandten und Bekannten. Der Präsidentenpalast ist nur noch eine Ruine. Luftaufnahmen von Port-au-Prince zeigen das unglaubliche Ausmass der Zerstörung. Auch die Kathedrale wurde weitgehend zerstört. Kein Stein blieb auf dem anderen. US-Soldaten entladen Flugzeuge mit Hilfsgütern in Port-au-Prince. Leichen liegen überall herum. Leute schlafen auf offener Strasse. Helfer bergen einen Toten. Leichen werden an die Strassenränder gelegt. Häuser sind einfach umgekippt. Google Earth zeigt Satellitenbilder vor und nach dem Erdbeben. Die Zerstörung ist unfassbar. Wie viele Menschen unter den Trümmern begraben wurden, war am 13. Januar noch nicht klar. Der haitianische Ministerpräsident Jean-Max Bellerive befürchtete, es könnten über 100 000 sein. Überlebende irrten durch die Strassen. Hilfe war am ersten Tag nur sehr spärlich vorhanden. Hilfesuchende beim Gebäude von Medecins Sans Frontières. Der haitianische Musiker Wyclef Jean trifft am Mittwoch in Port-au-Prince ein. Er hatte zur Hilfe aufgerufen. Ein verletztes Kind wird medizinisch betreut. Fieberhafte Suche nach Verschütteten. Verängstigte Menschen sammeln sich in den Strassen von Port-au-Prince. Ein Verletzter wartet auf medizinische Hilfe. Schockierte Bewohner von Port-au-Prince inmitten der Trümmer. Viele Kinder wurden verletzt. Der Präsidentenpalast in Port-au-Prince ist eingestürzt. So sah der Palast vor dem Erdbeben aus. Ein Mann, der in den Trümmern der Universität von Port-au-Prince eingeklemmt ist, ruft nach Hilfe. Ein Haus in Thomassin, 19 Kilometer ausserhalb der Hauptstadt, ist in sich zusammengebrochen. Menschen versuchen Erbebenopfer zu bergen. Eine Grafik des Geologischen Instituts der USA zeigt die Verteilung der Erdbebenstärken (rot = starke Schäden zu erwarten; danach abnehmend über gelb = leichte zu erwartende Schäden bis türkis, keine Schäden zu erwarten). Notdürftige Versorgung der Verletzten in Port-au-Prince. Hier im Hotel Villa Créole. Die Zerstörung ist bei vielen Häusern total. Die Leute flüchten auf die Strassen. Ein verletzter Junge wird verarztet. Die Menschen wurden vom Erdbeben völlig überrascht. Diese Frau konnte aus den Trümmern gerettet werden. Eine verletzte Frau wird von Helfern weggebracht. Der Schaden an den Gebäuden ist enorm, hier das Hotel Créole. Amerikanische Rettungskräfte machen sich zum Abflug bereit. Feuerausbruch nach dem Erdbeben. Ganze Strassenzüge in Port-au-Prince sind verwüstet. Wie viele Todesopfer das Erdbeben gefordert hat, war Stunden später noch unklar. Ein völlig zerstörtes Haus in Port-au-Prince.

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Paul Mann von der Universität von Austin (Texas) zog auf einem Geologenkongress im Jahr 2008 an der Alarmglocke: In der Enriquillo-Plantain-Garden-Verwerfung südlich von Haiti hatte sich über einen Zeitraum von 250 Jahren eine solche Spannung aufgebaut, dass eine heftige Entladung in der Gegend von Port-au-Prince unvermeidlich schien. Mann und sein Team sagten die Schwere des Bebens präzise voraus: 7 auf der Richter-Skala. Lediglich den Zeitpunkt konnten die Geologen nicht prognostizieren.

Jetzt warnt Mann erneut: Das verheerende Erdbeben, das den Karibikstaat letzten Dienstag ins Unglück stürzte und wohl über hunderttausend Todesopfer forderte, hat wahrscheinlich nur die Hälfte der Spannungsenergie verbraucht. Mann erwartet noch mindestens ein Beben der gleichen Stärke; es könnten jedoch noch mehr werden, denn in benachbarten Verwerfungen stecke nach wie vor viel seismische Energie.

«Das letzte Mal gab es eine Reihe von Erdbeben»

Auch der Seismologe Uri ten Brink vom US Geological Survey in Woods Hole (Massachusetts) befürchtet ein weiteres Beben. Er verweist auf ein historische Muster, nach dem die karibischen Inseln ungefähr alle 250 Jahre von einem schweren Beben getroffen werden. «Das letzte Mal gab es eine Reihe von Erdbeben», sagte Ten Brink mit Blick auf das 18. Jahrhundert, als drei schwere Beben zwischen 1751 und 1770 die Region erschütterten. «Ich mache mir Sorgen, denn die östliche Seite der Verwerfung dürfte als nächste brechen.» Andere Geologen wie Bill McGuire vom University College London stimmen mit Ten Brink überein. Die Erschütterung werde entlang der Verwerfung weitere Beben auslösen.

Betroffen wäre dann die Dominikanische Republik, die sich mit Haiti die Insel Hispaniola teilt, oder — noch weiter östlich — das französische Übersee-Gebiet Guadeloupe. Aber auch Jamaika und Kuba sind nicht sicher, denn dort verlaufen benachbarte Bruchlinien, an denen sich ebenfalls Spannung aufgebaut hat. Die Geologen können zwar warnen, aber sie können den genauen Zeitpunkt der nächsten Entladung nicht voraussagen. Viel länger als zwanzig Jahre werde das nächste schwere Beben aber nicht auf sich warten lassen, fürchten sie.

Tsunami-Gefahr

Grosse Sorgen macht den Geologen aber auch eine andere geologische Bruchlinie weiter im Osten, wo die Atlantische Platte sich langsam unter die Karibische Platte schiebt und dabei die karibischen Inseln aus dem Ozean hebt (siehe Grafik II unten). Sollte die noch vorhandene seismische Energie sich als Seebeben an diesem unterseeischen Grabenbruch freisetzen, würde dies einen gewaltigen Tsunami auslösen, wie es im Dezember 2004 im Indischen Ozean geschah. Seebeben der Stärke 8,5 oder gar 9 entlang dieser unterseeischen Bruchlinie treten etwa alle 2000 Jahre auf, schätzen die Geologen. Ein Tsunami in dieser Region, die viel kleiner ist als der Indische Ozean, würde die dicht besiedelten Küsten des Golfs von Mexiko und der Karibik verwüsten — ein Alptraumszenario.

Tektonische Bruchlinien in der Region der Grossen Antillen


(Quelle: www.jsg.utexas.edu)

Plattentektonik in den östlichen Antillen


(Quelle: www.abuhrc.org)