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Jahrestag
12. Januar 2011 23:55; Akt: 13.01.2011 01:17 Print
Haiti steht still für die Erdbeben-Toten
Auf einen Schlag starben vor einem Jahr in Port-au-Prince und Umgebung rund 250 000 Menschen. Die Haitianer gedachten ihrer zusammen mit einigen angereisten Prominenten.
In Haiti hat am Mittwoch für kurze Zeit das Leben stillgestanden. In einer Schweigeminute gedachte das Karibikland um 16.53 Uhr (Ortszeit) der Menschen, die vor einem Jahr, am 12. Januar 2010, ums Leben gekommen waren. Anschliessend begannen in verschiedenen Teilen der Hauptstadt und in anderen Städten des Landes sogenannte «Feiern des Lebens» mit Musik und Tanz. Auch im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York erinnerte man sich der Beben-Opfer.
Eine Frau gedenkt der Erdbeben-Toten vor der Kathedrale in Port-au-Prince.(Bild: Reuters)
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Cholera-Epidemie in HaitiDie Totengräber von Port-au-Prince«Schweizer des Jahres» - von 2002 bis heute
Infografik
Timeline Haiti
Stichwort Cholera:
Die bakterielle Infektionskrankheit forderte insbesondere während des 19. Jahrhunderts zahlreiche Todesopfer. Doch auch heute gilt die Erkrankung noch nicht als besiegt. Besonders in Katastrophengebieten – so wie derzeit in Haiti - kommt es immer wieder zu Ausbrüchen des Leidens. Meist gelangt das Bakterium Vibrio cholerae durch Schmierinfektionen, kontaminiertes Trinkwasser oder verunreinigte Nahrungsmittel in den Organismus. Im Darm angekommen, vermehren sich die Keime und sondern ein Gift ab. Das Gift zwingt die Zellen der Darmschleimhaut zur Absonderung grosser Wassermengen. Der Erkrankte erleidet einen wässrigen Durchfall, in dessen Folge es zu einer Dehydrierung kommt. Dieser Flüssigkeitsmangel geht mit einem Verlust wichtiger Elektrolyte und Mineralstoffe einher – dem Betroffenen droht ein lebensbedrohliches Kreislaufversagen.
Viele Haitianer hatten vor der Schweigeminute in den Ruinen ihrer Kirchen gebetet und gesungen. Im Fernsehen wurde zum ersten Mal live auch eine religiöse Zeremonie des Voodoo-Kultes übertragen, die vom Obersten Priester Max Beauvoir angeführt wurde.
Zu Gast in Haiti ist auch der frühere amerikanische Präsident und UNO-Beauftragte für die Haiti-Hilfe, Bill Clinton. Er sagte, er sei zuversichtlich, dass die Hilfe in diesem Jahr in vollem Umfang einsetzen könne. Bisher seien nur 60 Prozent der für 2010 zugesagten Mittel ausgezahlt worden.
Mit 43 Schweigesekunden gedachte auch die UNO in New York der Opfer des Bebens - genau die Zeit, die das Beben dauerte. Generalsekretär Ban Ki Moon hatte zuvor einen Kranz für die Toten niedergelegt. «Wenn wir hier die Toten ehren, ehren wir auch die Lebenden», sagte Ban. «Wir ehren ihren Kampf ums Überleben und für ein besseres Leben.» Aber der Aufbau schreite voran, das könne jeder sehen. «Die Welt war in Ihrer dunkelsten Stunde bei Ihnen.»
Bei dem verheerenden Beben am 12. Januar 2010 waren laut Schätzungen zwischen
Zahlreiche UNO-Mitarbeiter gestorben
Das Jahr 2010 sei auch für die Vereinten Nationen ein «Annus Horriblis», ein «schreckliches Jahr» gewesen, sagte Ban. Das Unglück war der grösste Verlust, den die Vereinten Nationen in ihrer 65- jährigen Geschichte zu verzeichnen hatten.
An dem Januartag starben 102 UNO-Mitarbeiter, unter ihnen ihr Chef Hédi Annabi. Mit dem tunesischen Spitzendiplomaten kamen auch sein Stellvertreter Luiz Carlos da Costa und UNO-Polizeichef Doug Coates ums Leben. 14 weitere UNO-Mitarbeiter starben in den zwölf Monaten danach bei Unruhen in dem zu den ärmsten Ländern der Welt gehörenden Staat.
Viele Probleme ungelöst
Auch ein Jahr nach dem Beben kämpft Haiti mit den Folgen des Erdbebens. Die haitianische Wirtschaft schrumpfte im vergangenen Jahr um sieben Prozent. Weiterhin leben mehr als
US-Präsident Barack Obama erklärte in einer Stellungnahme, das haitianische Volk sei den unvorstellbaren Verlusten mit aussergewöhnlichem Mut begegnet. Die Fortschritte im Wiederaufbau seien jedoch nicht ausreichend, viele Probleme seien ungelöst.
«Zu viel Schutt blockiert die Strassen, zu viele Menschen leben weiter in Zelten und für so viele Haitianer ist Fortschritt nicht schnell genug gekommen», erklärte Obama und verwies darauf, dass der Karibikstaat noch Jahrzehnte auf Hilfe angewiesen sein könnte.
Kritischer Bericht wird später übergeben
Der amtierende haitianische Präsident René Préval bat darum, dass ein Bericht der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zu den Wahlen nicht während der Gedenkfeiern überreicht werde.
Die OAS habe diesen «völlig berechtigten Wunsch» akzeptiert, teilte die Organisation mit. In dem Bericht empfiehlt die OAS, wie vorab bekannt wurde, den Rückzug des von Préval favorisierten Kandidaten Jude Célestin. Dieser soll demnach seinen Platz in der Stichwahl an den bisher Drittplatzierten Michel Martelly abgeben.
(sda)



























