Versorgung

25. Januar 2010 16:06; Akt: 25.01.2010 16:18 Print

Haitianerinnen gebären in den TrümmernHaitianerinnen gebären in den Trümmern

Die genaue Zahl der Erdbebenopfer ist nicht bekannt. Obschon die internationale Hilfe angelaufen ist, sterben noch viele Frauen – leise und alleine. Sie werden in keiner Statistik erwähnt.

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In Haiti war es nie unüblich, dass schwangere Frauen ihre Kinder alleine zu Hause – und ohne medizinische Versorgung - zur Welt brachten. Doch seit dem Erdbeben, welches vor einer Woche das Land erschütterte, hat sich die prekäre Situation verschlimmert. «Die Frauen kommen nicht zu uns ins Spital, um zu gebären», erzählt die norwegische Krankenschwester Veronica Gran von «Ärzte ohne Grenzen». «Die meisten wissen nicht, dass sie kostenlos behandelt werden. Andere haben im Moment keine Möglichkeit ohne Transportmittel zu uns zu kommen», meint Gran im Interview mit der spanischen Tageszeitung «El País».

Ein weiterer Grund ist laut Gran, die im Armenviertel Cité Soleil arbeitet, dass die meisten Hochschwangeren befürchten, in den Krankenhäusern würden nur Erdbebenverletzungen behandelt. Das mache – wie bei jeder Katastrophe – Frauen und Kinder zu den benachteiligtsten aller Opfern, so ihr Fazit.

Gebärende wurden abgewiesen

Die wenigen Gebärenden, die es ins Spital schaffen, kommen zum Teil zu spät. «Sie haben keine einzige vorsorgliche Untersuchung gemacht. Viele haben Harninfekte, die sich später auf die Neugeborenen übertragen», weiss die Norwegerin. «Manche liegen tagelang in den Wehen zuhause und wenn sie gebracht werden, ist das Kind in ihrem Leib bereits tot. Andere wiederum sind derart schwach und blutarm, dass sie die starken Blutungen der Geburt nicht überleben.»

Ein ortsansässiger Arzt der Geburtsklinik Isaie Jeanty & Leon Audain bestätigt die Beobachtungen der europäischen Krankenschwester. Viele Frauen seien in den ersten Tagen nach dem Beben abgewiesen worden, um Verletzte den Vorrang zu geben. «Wir haben unsere Geburtabteilung wieder geöffnet, aber die Frauen kommen nicht. In diesem Chaos haben sie das gar nicht erfahren, obwohl wir es laufend im Radio durchsagen lassen.»

(kle)