Ein Jahr nach Beben

09. Januar 2011 12:00; Akt: 10.01.2011 08:27 Print

Trotz Haiti-Hilfe ist alles beim AltenTrotz Haiti-Hilfe ist alles beim Alten

von Karin Leuthold - Zwei Haiti-Helfer wurden zu «Schweizern des Jahres» gewählt. Doch ein Jahr nach dem Erdbeben sind kaum Fortschritte zu erkennen – auch wegen der Regierung.

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Gestern und heute: Haitis Präsidentenpalast im Januar 2010 und ein Jahr später (unten). Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti prägen Armut und Elend das Leben der Menschen in den zerstörten Gebieten in und um die Hauptstadt Port-au-Prince. Für viele der rund neun Millionen Einwohner Haitis ist die Lage noch immer dramatisch. In Port-au-Prince, wo noch immer 1,3 Millionen Obdachlose in provisorischen Camps leben, seien die Besitzverhältnisse völlig unklar. «Wir können keine neuen Häuser bauen, wenn nicht klar ist, wem das Land gehört», erklären die Helfer. Deshalb konzentrieren sich die meisten Schweizer Hilfswerke auf ländliche Regionen, wo die sozialen Strukturen überschaubarer sind. Ein Jahr nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 gehe es darum, möglichst vielen Menschen in den betroffenen Gebieten die Rückkehr in eine gewisse Normalität und in ein würdevolles und sicheres Leben zu ermöglichen. Die Partner der Glückskette haben Wiederaufbauprojekte für Häuser, Landwirtschaft und Kleinstunternehmen gestartet. Neben der Armut breitet sich in vielen Teilen des Landes die Gewalt aus: Plünderungen und Strassenschlachten gefährden nicht zuletzt die Arbeit der Hilfsorganisationen. Die Hilfe sei schwierig und laufe sehr langsam, teilte die Glückskette ein Jahr nach der Katastrophe mit. Der Karibikstaat sei ein permanenter Notfall, behaupten Mitarbeiter diverser Hilfsorganisationen. Die Rahmenbedingungen seien äusserst schwierig und stellten die Organisationen vor neue Herausforderungen. «Was in andern Ländern geht, geht in Haiti nicht oder nur sehr langsam», lautet ein verbreitetes Urteil. Die Not- und Wiederaufbauhilfe brauche Zeit. Man rechne mit mindestens fünf Jahren. Derzeit findet der Wiederaufbau in den ländlichen Regionen des Erdbebengebietes westlich der Hauptstadt Port-au-Prince statt. Erst im Oktober, neun Monate nach dem Beben, habe Haitis Administration die neuen, erdbebensicheren Standards vorgelegt. Der Staat in Haiti ist faktisch inexistent. Für Bildung und medizinische Versorgung zuständig sind humanitäre Organisationen. Beim Wiederaufbau sind die Hilfswerke mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Die Hilfe soll langfristig sein und mehrere Jahre dauern.

Haiti im Januar 2011: Die Wiederaufbauarbeiten gehen nur sehr langsam voran.

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Vor knapp einem Jahr bebte die Erde in Haiti und vergrub 222 570 Menschen unter Schutt und Asche. In der Hauptstadt Port-au-Prince wurden etwa 60 Prozent der Gebäude zerstört oder schwer beschädigt - einschliesslich des Präsidentenpalastes. In der Küstenstadt Leogane, in deren Nähe das Epizentrum des Bebens lag, war die Verwüstung noch schlimmer. Insgesamt wurden rund 1,3 Millionen Menschen obdachlos. Zwei Schweizer halfen mitten im Elend: Am 8. Januar 2011 wurden in Zürich die Krankenschwester Marianne Kaufmann und der Arzt Dr. Rolf Maibach für ihren Einsatz im Albert-Schweitzer-Spital in Haiti zu den «Schweizern des Jahres gewählt (20 Minuten Online berichtete).

Hilfsorganisationen und die internationale Staatengemeinschaft versprachen Ende März vergangenen Jahres rund zehn Milliarden Dollar, um das Land wieder aufzubauen und den Haitianern ein würdevolles und sicheres Leben zu ermöglichen. Millionen von Menschen im ärmsten Staat der westlichen Hemisphäre sind dauerhaft auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Laut Schätzungen von Nichtregierungsorganisationen haben 90 Prozent der Haitianer keine Arbeit, jeder zweite ist Analphabet. Es gibt kaum Industrie und eine nur wenig produktive Landwirtschaft. Ausser Zuckerrohr und Kochbananen müssen die meisten Nahrungsmittel importiert werden.

Dem Wiederaufbau steht Haiti selbst im Weg

Die Schweiz zeigte sich nach dem Hilfeaufruf spendabel: Die Glückskette sammelte innert kürzester Zeit knapp 66 Millionen Franken. Ein Drittel des Geldes wurde bisher eingesetzt. Doch die Hilfe sei schwierig und laufe sehr langsam, teilte die Glückskette kurz vor dem Jahrestag mit. Dafür sei die Regierung Haitis verantwortlich, erklärt Priska Spörri, Pressesprecherin der Glückskette, gegenüber 20 Minuten Online. «Was in andern Ländern geht, geht in Haiti nicht oder nur sehr langsam.» Der Staat ist faktisch inexistent.

Für Bildung und medizinische Versorgung zuständig sind humanitäre Organisationen. Für Sicherheit sorgen Blauhelm-Soldaten der UNO. Ein Vergleich mit den vom Tsunami betroffenen Gebieten oder dem überschwemmten Pakistan könne man daher nicht ziehen. «Diese Regierungen haben zum Zeitpunkt der Katastrophe funktioniert. Aber in Haiti ist die Regierung abwesend», so Spörri weiter.

Tatsächlich ist das Bild ein Jahr nach dem Erdbeben desolat. Für viele der rund neun Millionen Einwohner Haitis ist die Lage noch immer dramatisch. Neben der Armut breitet sich in vielen Teilen des Landes die Gewalt aus: Plünderungen und Strassenschlachten gefährden nicht zuletzt die Arbeit der Hilfsorganisationen. Die Cholera-Epidemie, die Mitte Oktober ausbrach, verschärfte zusätzlich die schwierige Situation: «Die Zustände hier sind katastrophal. Die Menschen sterben wie die Fliegen», berichtet der Schweizer Rotkreuz-Arzt Martin Weber, der mit seinem Team und Médecins du Monde in den Küstendörfern Grand-Goâve und Petit-Goâve gegen die Cholera kämpft.

Kritik aus Hollywood

Inmitten der Bemühungen der internationalen Hilfsorganisationen erhebt ein Mann jedoch schwere Vorwürfe gegen deren Arbeit: Hollywood-Schauspieler Sean Penn kritisiert in einem Interview mit der deutschen Zeitschrift «Stern», dass von dem zugesagten Geld kaum etwas im Land angekommen sei. Die Wiederaufbauhilfe bleibe aus, meint er. Die freiwilligen Helfer würden lieber weiterhin Essen verteilen, statt Jobs für die Einheimischen zu schaffen und Häuser zu bauen.

Diese Kritik kann Priska Spörri von der Glückskette nicht verstehen: «Es stimmt, dass in Port-au-Prince die Wiederaufbauarbeiten stocken, aber man kann mit der Arbeit nicht beginnen, bevor die haitianischen Behörden die Besitz- und Bodenverhältnisse geklärt haben.» Das werde wahrscheinlich Jahrzehnte dauern. Man könne derzeit nicht mehr als Vorbereitungsarbeit leisten. Es sei ausserdem Aufgabe der UNO, auf die Regierung Druck auszuüben.

Der Wiederaufbau wird Jahre dauern

Erst im Oktober habe Haitis Administration die neuen, erdbebensicheren Standards vorgelegt, stimmt Jean Volet, Projektleiter der Heilsarmee Schweiz, zu. Er versuche seit einem Jahr in Selma, einem Stadtteil von Port-au-Prince, eine eingestürzte Schule wieder aufzubauen. Wie für alles in Haiti gelte auch für den Wiederaufbau: «Alles geht langsam, nichts ist einfach.»

Deshalb konzentrieren sich die meisten Schweizer Hilfswerke auf ländliche Regionen, wo die sozialen Strukturen überschaubarer sind. Die Partner der Glückskette haben Wiederaufbauprojekte für Häuser, Landwirtschaft und Kleinstunternehmen gestartet. Die Hilfe soll langfristig sein und mehrere Jahre dauern.

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  • roland_rohrbach am 09.01.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Stopp mit Spenden!

    Spenden an Korrupte Regierungen und an Menschen wo nur eines im Kopf haben sich zu vermehren wie Ratten, sollten untersagt werden! Vielleicht kehrt dann mal ein anderes Bewusstsein ein mit mehr Anstand, Mitgefühl zur Natur usw.

  • Poodel am 09.01.2011 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ach ja! Schuld sin die USA!

    Unsere Weltbewandten Kommentatore haben wieder den Schulldigen gefunden. Schuld an allem, inkl. Erdbeben und andere Katastrophen. Wahrscheinlcih wurde das Erdbenben vom FBI inszeniert und der 2. Weltkreig fand gar nicht statt. Und schon gar nicht die Befreiung ALLER hier schreibenden v.A. durch die USA

  • Jose Miranda am 09.01.2011 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Teufelskreis

    Die Wahrheit ist das in Haiti für den Wiederaufbau der Know-How fehlt ( und nicht wie in Nachkriegsdeutschland)! Die Analphabetenquote ist in Haiti hoch! Anstatt Geld zu schicken, sollten man Fachkräfte dort hin schicken!

    • paul am 09.01.2011 23:23 Report Diesen Beitrag melden

      Für was

      sollen Fachkräfte nach Haiti geflogen werden ? Nachkriegsdeutschland wurde auch nicht wegen den "Fachkäften " wiederaufgebaut , sondern weil wirklich jeder mitanpackte ! Das kann auch jeder Analphapet , es muss nur einer auf 10 wissen wie man ein einfaches Haus baut die anderen helfen, bezahlt von der Soforthilfe . Die Fachräfte für Haiti wohnen schon in Haiti und nicht in der EU , schafft Arbeit und Kostet nur 20% !

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