Haiti

20. Januar 2010 13:23; Akt: 20.01.2010 15:05 Print

UNICEF rät zurzeit von Adoptionen abUNICEF rät zurzeit von Adoptionen ab

von Blaise Lempen, SDA - Das UNO-Kinderhilfswerk (UNICEF) rät derzeit ab von Adoptionen haitianischer Kinder, die nach der Katastrophe keine Informationen über den Verbleib ihrer Familie haben. Oberste Priorität habe nun die Suche nach Angehörigen.

Bildstrecke im Grossformat »
Die neunjährige Tamara Marc (links) und ihre siebenjährige Schwester Fabie Marc warten vor einem Feldspital der ONU, abgeholt zu werden. Das Hilfswerk «Save the Children» zeigt sich besonders besorgt über die Gesundheit und Sicherheit der Kleinkinder und Säuglinge in den Notlagern. Krankheiten könnten sich rasch ausbreiten, sagte der Präsident des Hilfswerks, Charles MacCormack. Die Kinder müssen in den Feldspitälern als erstes ernährt und psychologisch betreut sowie identifiziert werden. Bis zu zwei Millionen Kinder könnten nach dem Erdbeben einer akuten Gefahr ausgesetzt sein: ... ... Ausgerechnet in diesen dramatischen Situationen werden Kinder oft Opfer von Angriffen und Entführungen. Berichten zufolge laufen kleine Kinder verwirrt und orientierungslos durch die Strassen. Nachts schlafen sie im Freien neben den Leichen von Erdbebenopfern. An der Schule St. Gerard bricht Cindy Terasme in Tränen aus, ... ... als sie die Füsse ihres 14-jährigen Bruders Jean Gaelle Dersmorne sieht, die leblos aus den Trümmern ragen. UNICEF-Chefin Ann Veneman macht sich grosse Sorgen, dass die verwaisten Kinder in den Fängen von Kinderhändlern landen. «Genau unter diesen Umständen werden Kinder auf offener Strasse entführt und später verkauft», erzählt Veneman. «Wir nehmen die Kinder zu uns. Wir versuchen sie zu identifizieren und lassen sie nicht gehen.» «Die Kinder brauchen Wasser und Essen. Wir brauchen grosse Zelte, in denen sie vorübergehend versorgt werden.» Urs Bernhard von World Vision setzt seine Priorität in der psychologischen Betreuung der Kleinen: «Wir sind jetzt dabei, sogenannte 'Childfriendly Spaces' aufzubauen, wo wir mit den Kindern spielen und sonstige Aktivitäten anbieten.» Der zweijährige Redjeson Hausteen wurde unter Trümmern seines Elternhauses begraben. Zwei Tage wartete er zwischen Staub und Gestein auf Hilfe, bis ihn endlich spanische Rettungsleute bergen konnten. Diverse Hilfsorganisationen rechnen nun nach dem Erdbeben mit einem rasanten Zuwachs in den Waisenhäusern, die bereits jetzt schon überbelegt sind.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Kinder sind nach Katastrophen die verletzlichsten Opfer. So auch jetzt in Haiti: Es gebe bereits Berichte über Gewalttaten, sagte UNICEF-Sprecherin Veronique Taveua am Dienstag in Genf. Gemäss Hilfsorganisationen irrten verlassene und hungernde Kinder durch die Strassen von Port-au- Prince (20 Minuten Online berichtete).

Sie müssten nun als erstes ernährt und psychologisch betreut sowie identifiziert werden. Die Hifsorganisationen UNICEF, Terre des Hommes und Save the Children kündigten an, ihre Expertenteams in Haiti zu verstärken.

Angehörigen-Suche an erster Stelle

UNICEF befürchtet, dass kriminelle Kreise die Situation ausnützen und einen Kinderhandel aufziehen könnten. Vor dem verheerenden Beben kam es verschiedentlich zu Kindsentführungen.

Die UNO-Organisation will die Kinder wenn möglich mit ihren Familien zusammenbringen, falls nötig auch mit entfernteren Verwandten, sagte Sprecherin Taveau weiter. Adoption wird erst eine Option «wenn alle anderen Möglichkeiten erfolglos blieben».

Auch Schweiz will beschleunigen

Die USA und mehrere europäische Länder - darunter Frankreich, die Niederlande und Belgien - wollen bereits laufende Adoptionsverfahren mit Haiti beschleunigen.

Die Schweiz sucht ebenfalls nach einer Lösung, um weit fortgeschrittene Adoptionsverfahren voranzubringen. Es handle sich insgesamt um weniger als zehn Fälle, sagte David Urwyler, Leiter der zentralen Adoptionsbehörde des Bundes, auf Anfrage.

Die entsprechenden Abklärungen seien im Gang. Seit dem Beben kommen laut Urwyler nun viele Anfragen bei den zuständigen Stellen für Adoptionen von haitianischen Kindern. Mit Blick auf die unübersichtliche Lage vor Ort habe dies allerdings derzeit keine Priorität.

Kritische Situation in Notlagern

Das Hilfswerk Save the Children zeigte sich besonders besorgt über die Gesundheit und Sicherheit der Kleinkinder und Säuglinge in den Notlagern. Krankheiten könnten sich rasch ausbreiten, sagte der Präsident des Hilfswerks, Charles MacCormack. Die internationale Hilfe sollte dazu führen, dass wie in Indonesien nach dem Tsunami die Lebensbedingungen klar verbessert würden.

Das UNO-Komitee für Kinderrechte rief am Dienstag in Genf dazu auf, Sofortmassnahmen zum Schutz der Kinder zu ergreifen. Sie müssten vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden, auch vor Entführungen, die als Adoption ausgegeben werden.