Hilfe für Haiti

12. Januar 2011 07:45; Akt: 12.01.2011 09:38 Print

Viel versprochen, wenig gehaltenViel versprochen, wenig gehalten

Genau ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben verläuft die Hilfe immer noch schleppend. Auch deshalb, weil die versprochenen Gelder zum Teil noch nicht eingetroffen sind.

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Gestern und heute: Haitis Präsidentenpalast im Januar 2010 und ein Jahr später (unten). Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti prägen Armut und Elend das Leben der Menschen in den zerstörten Gebieten in und um die Hauptstadt Port-au-Prince. Für viele der rund neun Millionen Einwohner Haitis ist die Lage noch immer dramatisch. In Port-au-Prince, wo noch immer 1,3 Millionen Obdachlose in provisorischen Camps leben, seien die Besitzverhältnisse völlig unklar. «Wir können keine neuen Häuser bauen, wenn nicht klar ist, wem das Land gehört», erklären die Helfer. Deshalb konzentrieren sich die meisten Schweizer Hilfswerke auf ländliche Regionen, wo die sozialen Strukturen überschaubarer sind. Ein Jahr nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 gehe es darum, möglichst vielen Menschen in den betroffenen Gebieten die Rückkehr in eine gewisse Normalität und in ein würdevolles und sicheres Leben zu ermöglichen. Die Partner der Glückskette haben Wiederaufbauprojekte für Häuser, Landwirtschaft und Kleinstunternehmen gestartet. Neben der Armut breitet sich in vielen Teilen des Landes die Gewalt aus: Plünderungen und Strassenschlachten gefährden nicht zuletzt die Arbeit der Hilfsorganisationen. Die Hilfe sei schwierig und laufe sehr langsam, teilte die Glückskette ein Jahr nach der Katastrophe mit. Der Karibikstaat sei ein permanenter Notfall, behaupten Mitarbeiter diverser Hilfsorganisationen. Die Rahmenbedingungen seien äusserst schwierig und stellten die Organisationen vor neue Herausforderungen. «Was in andern Ländern geht, geht in Haiti nicht oder nur sehr langsam», lautet ein verbreitetes Urteil. Die Not- und Wiederaufbauhilfe brauche Zeit. Man rechne mit mindestens fünf Jahren. Derzeit findet der Wiederaufbau in den ländlichen Regionen des Erdbebengebietes westlich der Hauptstadt Port-au-Prince statt. Erst im Oktober, neun Monate nach dem Beben, habe Haitis Administration die neuen, erdbebensicheren Standards vorgelegt. Der Staat in Haiti ist faktisch inexistent. Für Bildung und medizinische Versorgung zuständig sind humanitäre Organisationen. Beim Wiederaufbau sind die Hilfswerke mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Die Hilfe soll langfristig sein und mehrere Jahre dauern.

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Zum ersten Jahrestag des verheerenden Erdbebens in Haiti hat US-Präsident Barack Obama die internationale Gemeinschaft gedrängt, ihre Hilfszusagen einzuhalten. Er betonte jedoch, dass Haiti selbst die Führung beim Wiederaufbau übernehmen müsse.

Seit dem Erdbeben am 12. Januar vergangenen Jahres hätten zahlreiche Leben gerettet werden können und die Haitianer hätten heute besseren Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung, erklärte Obama am Dienstag. Es blieben jedoch viele Probleme.

«Zu viel Schutt blockiert die Strassen, zu viele Menschen leben weiter in Zelten und für so viele Haitianer ist Fortschritt nicht schnell genug gekommen», sagte Obama und verwies darauf, dass der Karibikstaat noch Jahrzehnte auf Hilfe angewiesen sein könnte.

Der frühere US-Präsident und derzeitige Koordinator für internationale Hilfe, Bill Clinton, äusserte sich am Dienstag bei einer Gedenkfeier in Haiti frustriert über die langsamen Fortschritte beim Wiederaufbau.

Zwischen den internationalen Hilfsversprechen und den tatsächlich ausgezahlten Mitteln gebe es riesige Lücken, sagte auch Clinton. Bisher seien nur 60 Prozent der für 2010 zugesagten Mittel ausgezahlt worden, diesen Rückstand gelte es 2011 aufzuholen. Kritiker machen für die Verzögerung die Ineffizienz und die schlechte Koordination der haitianischen Regierung verantwortlich.

Politische Krise

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte davor, Haiti allein zu lassen. Die Anstrengungen müssten vielmehr verdoppelt und erneuert werden, sagte Ban. Der Leiter der UNO-Mission in Haiti, Edmond Mulet, warnte davor, dass ohne Fortschritte bei der Herrschaft des Rechts alle gegenwärtigen und zukünftigen Bemühungen für Wiederaufbau und Entwicklung folgenlos bleiben könnten.

Insbesondere die politische Krise nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen Ende November bereitet der UNO Sorgen. Der amtierende haitianische Präsident René Préval bat darum, dass ein Bericht der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zu den Wahlen nicht während der Gedenkfeiern überreicht werde.

Die OAS habe diesen «völlig berechtigten Wunsch» akzeptiert, teilte die Organisation mit. In dem Bericht empfiehlt die OAS, wie vorab bekannt wurde, den Rückzug des von Préval favorisierten Kandidaten Jude Célestin. Dieser soll demnach seinen Platz in der Stichwahl an den bisher Drittplatzierten Michel Martelly abgegeben.

Zweitägige Gedenkfeiern

Ein Jahr nach dem verheerenden Beben finden in Haiti am Dienstag und Mittwoch offizielle Gedenkfeiern statt. Am Mittwoch soll um 16.53 Uhr Ortszeit, dem genauen Moment des Erdbebens vergangenes Jahr, mit einer Schweigeminute der mehr als 225 000 Opfer gedacht werden.

Noch immer kämpft Haiti mit den Folgen des Erdbebens. Weiterhin leben mehr als 800 000 Menschen in improvisierten Notunterkünften, eine Cholera-Epidemie fordert täglich neue Opfer und der weiterhin ungelöste Streit um die Wahlen sorgt immer wieder für Unruhen auf den Strassen und blockiert zusätzlich den ohnehin nur schleppenden Wiederaufbau.

(sda)