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Christen im Irak
08. Oktober 2009 00:00; Akt: 08.10.2009 00:01 Print
«Diese Taten sind wirklich böswillig»
von Yahya Barzanji/AP - Vor zwanzig Jahren lebten noch 1,4 Millionen Christen im Irak, heute sind es noch rund eine halbe Million. Wer im Irak blieb, wird häufig terrorisiert: Entführungen und Gewalt sind Alltag. Doch die Behörden wiegeln ab.

Ein Christin betetet am 13. Mai 2009 in einer Kirche im Süden Bagdads (Bild: Keystone)
Zwei Tage nach seiner Entführung wurde seine Leiche auf einem Feld gefunden: Imad Elia, 45 Jahre alt, Angestellter des Gesundheitsamts in Kirkuk und Christ. Sein Tod war für weitere Glaubensbrüder Anlass, ihre Sachen zu packen und ihre angestammte Heimat im Nordirak zu verlassen. Mindestens zehn christliche Familien haben Kirkuk in den vergangenen Wochen den Rücken gekehrt, aus Furcht vor Kidnappern, die die Christen in der Stadt ins Visier genommen haben. Der chaldäische Erzbischof Lewis Sako forderte die Regierung auf, die Menschen vor religiös motiviertem Terror zu schützen.
Sicherheitskräfte bewachen eine Kirche in Kirkuk(Bild: Keystone)
Angriffe auf die kleine, aber historisch bedeutsame Gemeinde, deren Wurzeln bis in frühchristliche Zeit zurückreichen, sind nichts Neues. Seit Jahren sind die Christen im Irak Zielscheibe im Glaubenskrieg. Die ersten begannen nach dem Golfkrieg 1991 angesichts wirtschaftlicher Sanktionen und Repression unter Saddam Hussein, das Land zu verlassen. Als Saddam gestürzt wurde und die Gewalt eskalierte, ging der Exodus erst richtig los.
Zentrum der Ölindustrie
Tausende Christen sind aus Mossul im Norden geflüchtet, zu Verwandten ins Ausland gegangen oder zu den über 2,7 Millionen Kriegsflüchtlingen im eigenen Land gestossen. Doch die Gewalt in Kirkuk bereitet den irakischen Behörden besondere Sorge. Hier, im Zentrum der Ölindustrie im Norden mit seiner bunt gemischten Einwohnerschaft, tobt ein politischer und kultureller Kampf zwischen Kurden, Arabern und Turkmenen. Die Rivalitäten werden so erbittert ausgetragen, dass Kirkuk von den Provinzwahlen in diesem Jahr ausgenommen wurde und die im Januar bevorstehende Parlamentswahl jetzt schon Befürchtungen weckt.
Die kleinen Minderheiten in Kirkuk wie chaldäische und assyrische Christen befürchten zunehmend, zwischen die Fronten zu geraten. «Wir nehmen an, dass diese Entführungen einen politischen Hintergrund haben und uns dazu zwingen sollen, das Land zu verlassen», vermutet Erzbischof Sako. Elia, der Tote auf dem Feld, war in die Brust geschossen worden. Noch nach seinem Tod, so vermuten die Behörden, feuerten die Entführer auf den Leichnam.
Die Familie des Angestellten habe das geforderte Lösegeld nicht zahlen können, berichtet Sako. Vorigen Monat war ein bekannter christlicher Kinderarzt in Kirkuk entführt und gegen ein Lösegeld von
Vergangenes Jahr überfielen Bewaffnete zwei Mal Häuser von Christen und töteten drei Menschen. In seiner Trauerrede bezeichnete Sako die Ermordeten als Terroropfer. Auch der Journalist Rand Anwar, ebenfalls Christ aus Kirkuk, wirft den Sicherheitskräften vor, die Anhänger seines Glaubens nicht zu schützen. «Bei den Verbrechen gegen Christen in den vergangenen Jahren hat die Polizei keinen einzigen Täter gefasst. Nicht einen einzigen», empört er sich. «Und jetzt diese Entführungen. Die Polizei schützt uns nicht, und unsere Probleme kümmern sie nicht.»
Zahl der Christen im Irak seit 1987 drastisch gesunken
Doch Generalmajor Dschamal Tahir von der Polizei Kirkuk weist die Vorwürfe als unbegründet zurück. «Es gibt keine Flucht von Christen aus Kirkuk vor Gewalt. Christen ziehen normalerweise freiwillig in andere Gegenden oder ins Ausland, weil sie unter besseren Bedingungen leben wollen, aber nicht wegen einer Eskalation der Gewalt in den Christenvierteln von Kirkuk.»
Der letzten amtlichen Volkszählung von 1987 zufolge lebten damals 1,4 Millionen Christen im Irak. Heute sind es nach Daten des US-Aussenministeriums nur noch



























