Grossbritannien

08. Dezember 2009 20:02; Akt: 12.12.2009 08:39 Print

Taxi-Fahrer als Auslöser des Irak-Kriegs?Taxi-Fahrer als Auslöser des Irak-Kriegs?

Von dem Geheimdienstbericht, der den Briten als Basis zur Teilnahme am Irak-Krieg diente, distanziert sich jetzt selbst der Verfasser. Noch dicker kommt es, wenn man dem Oppositionspolitiker Adam Holloway glaubt: Er behauptet, die Informationsquelle der Blair-Regierung sei ein jordanischer Taxifahrer gewesen.

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Der britische Ex-Geheimdienstchef John Scarlett hat sich von dem 2002 vorgelegten Regierungsbericht über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak distanziert.

Die Anmerkung des damaligen Regierungschefs Tony Blair im Vorwort, der Geheimdienst habe die Existenz solcher Waffen «zweifelsfrei» belegt, basiere nicht auf den Geheimdienstinformationen, die er im Hauptteil dargestellt habe, sagte Scarlett.

Vor dem Untersuchungsausschuss über die britische Rolle im Irak-Krieg sagte er weiter, Kritik an Blair habe ihm als damaligem Geheimdienstchef allerdings nicht zugestanden. «Das Vorwort war eine offenkundig politische Aussage des Premierministers. Es waren durchgängig seine Worte und seine Kommentierung.»

Scarlett als Urheber

Scarlett hatte das Dossier verfasst, das Blair im September 2002, ein halbes Jahr vor Beginn des Kriegs, vorstellte. In dem Bericht hiess es, der Irak könne 45 Minuten nach einem Befehl des damaligen Machthabers Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen abfeuern.

Briten und Amerikaner hatten sich auf diese Aussage als Notwendigkeit für einen Einmarsch in den Irak gestützt. Scarlett räumte nun ein, es wäre klüger gewesen, wenn sich das Zeitfenster von 45 Minuten klar auf Gefechtsmunition bezogen hätte statt für Raketen, die Massenvernichtungswaffen tragen könnten.

Aufgebauscht? Manipuliert?

Der Bericht, ein Schlüsseldokument für den Beginn des Irakkrieges, wurde in der Vergangenheit vielfach als aufgebauscht kritisiert. Der Geheimdienst habe Informationen nicht vorsätzlich manipuliert.

Die Information über Massenvernichtungswaffen bezog die Blair- Regierung nach Angaben des Oppositionspolitikers Adam Holloway «von einem Taxifahrer an der irakisch-jordanischen Grenze, der sich an eine zufällig mitgehörte Unterhaltung in seinem Taxi vor zwei Jahren erinnert hatte».

Ein Geheimdienstmitarbeiter habe die Aussage in einer Fussnote als «nachweislich falsch» bezeichnet. Die Regierung habe sie dennoch als wahr eingestuft und ihr Irak-Dossier darauf gestützt, schrieb Holloway am Dienstag in einem Bericht der Denkfabrik First Defence. Die Regierung kommentierte die Vorwürfe zunächst nicht.

Der Irak-Bericht von 2002 bekam später den Namen «dodgy dossier» (zwielichtiges Dossier), weil sich herausstellte, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen hatte. Grossbritannien war im Frühjahr 2003 an der Seite der USA in den Irak einmarschiert - ohne UNO-Mandat und gegen den Willen der meisten Briten.

(sda)