18. Mai 2008 17:02; Akt: 19.05.2008 08:55 Print

US-Soldat durchsiebt KoranUS-Soldat durchsiebt Koran

Dieser Vorfall könnte für böses Blut sorgen: Ein US-Soldat benutzte im Irak einen Koran als Zielscheibe und beschmierte das Buch. Das Militär reagierte prompt und schickte den fehlbaren Soldaten nach Hause. In einer aufwändigen Entschuldigungszeremonie küsste ein US-Militär als Versöhnungsgeste den Koran.

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Nach Angaben eines Stammesführers war für Donnerstag zunächst ein Demonstrationszug geplant. Er wurde jedoch unter Druck der US-Armee und aus Angst vor Racheakten von Aufständischen abgesagt.

Irakische Polizisten hatten das zerschossene Buch vor gut einer Woche am 11. Mai auf einem Schiessplatz in dem Dorf Radwanija nahe der Hauptstadt Bagdad gefunden. Der Einband war auf der Innenseite zudem mit Graffiti beschmiert.

Generalmajor Jeffrey Hammond entschuldigte sich am Samstag, flankiert von hochrangigen Offizieren, öffentlich für die Tat des Soldaten. Bei diesem handelt es sich um einen Gruppenführer einer Scharfschützeneinheit.

Hammond entschuldigte sich laut CNN vor versammelten Stammesführern mit den Worten: «Ich stehe heute vor Ihnen, um Sie um Vergebung zu bitten. Ich schaue Ihnen demütig in die Augen und sage: Bitte vergeben Sie mir und meinen Soldaten», so Hammond in der Zeremonie.

Ein weiterer Offizieller des US-Militärs küsste einen Koran und übergab diesen als «ein demütiges Geschenk» den Stammesführern. Ausserdem verlas der Generalmajor ein Entschuldigungsschreiben des fehlbaren Soldaten.

Trotz des beträchtlichen Aufwands des US-Militärs, den Schaden in Grenzen zu halten, kam die Geste nicht bei allen Irakern gut an. Während der Zeremonie in Bagdad demonstrierten hunderte Anwohner mit Bannern.

Die konservative Vereinigung muslimischer Gelehrter verurteilte den Vorfall als «abscheuliche Tat gegen das Buch des allmächtigen Gottes». Auch der Prediger der Moschee von Radwanija sagte, dass die örtlichen Anführer empört gewesen seien. Sie hätten aber die Entschuldigung akzeptiert.

Gegen den Scharfschützen seien disziplinarische Schritte eingeleitet worden und er sei aus dem Irak abgezogen worden, teilte das US-Militär am Sonntag mit. Der Vorfall sei «ernst und zutiefst beunruhigend».

Die Zusammenarbeit zwischen US-Soldaten und sunnitischen Stammesführern war ein wichtiger Grund für den deutlichen Rückgang der Gewalt im Irak im vergangenen Jahr. Allerdings gibt es immer wieder Rückschläge. So wie diesen, ausgelöst von ein paar unbedacht abgefeuerten Gewehrkugeln.

(AP/ast)