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Vergangenheitsbewältigung
24. November 2009 13:09; Akt: 24.11.2009 15:02 Print
Britische Rolle im Irak-Krieg wird untersucht
Mehr als sechseinhalb Jahre nach dem Beginn des Irakkriegs hat in Grossbritannien die öffentliche Untersuchung über den Einsatz begonnen. Erste Zeugen wurden zur Irak-Politik der Regierung vor dem Einmarsch 2003 vernommen.
Zu Beginn der Sitzung legte die von Regierungschef Gordon Brown eingesetzte Untersuchungskommission im Gedenken an die in dem Konflikt Getöteten eine Schweigeminute ein. In den kommenden Monaten sollen Dutzende der damals Verantwortlichen befragt werden, darunter Expremierminister Tony Blair, Militärangehörige und führende Mitglieder des Geheimdiensts. Auch frühere Mitarbeiter des Weissen Hauses sollen aussagen.
Vor dem Konferenzzentrum, wo das öffentliche Hearing stattfindet, protestiert die «Stop the War»-Gruppe mit blutverschmierten Masken von Tony Blair, George W. Bush und Gordon Brown gegen das britische Irak-Engagement.(Bild: Keystone)
Blair als prominentester Zeuge soll Anfang kommenden Jahres dazu befragt werden, ob er den Plan des damaligen US-Präsidenten George W. Bush für eine Invasion im Irak bereits ein Jahr vor der Zustimmung durch das Parlament 2003 unterstützte. «Wir wollen die Beweise prüfen», sagte der Kommissionsvorsitzende John Chilcot und kündigte ein gründliches, rigoroses, faires und freies Vorgehen an. Das Gremium soll Empfehlungen aussprechen, um Fehler in der Zukunft zu vermeiden. Untersucht werden sollen vor allem die Begründung des Kriegs, die chaotische Planung der Invasion und die mangelnde Vorbereitung des Wiederaufbaus.
Kriegsgegner und Abgeordnete, die dem Krieg unter Führung der USA kritisch gegenüberstanden, haben wiederholt eine solche Untersuchung gefordert. Es habe bei den Briten, den Amerikanern und ihren Verbündeten etliche Fehler in der Arbeit der Geheimdienste vor dem Krieg und bei der Nachkriegsplanung gegeben, erklärten diese Kreise. Der Einsatz kostete 179 britische Militärangehörige das Leben und war in der Öffentlichkeit äusserst unpopulär. Grossbritannien beendete sein Engagement im Irak offiziell im April.
Der Abschlussbericht der fünfköpfigen Kommission wird frühestens Ende 2010 erwartet. Das Gremium werde nicht vor gerechtfertigter Kritik zurückscheuen, sagte Chilcot. Er hat aber bereits eingeräumt, der Bericht werde jene möglicherweise nicht zufriedenstellen, die der Meinung seien, der Krieg sei illegal gewesen. Es gab bereits zwei Untersuchungen zur Frage der Beteiligung Grossbritanniens an dem Krieg. Sie bezogen sich aber auf Einzelaspekte und wurden als zu zurückhaltend kritisiert.
(dapd)



























