Bericht

22. November 2009 20:28; Akt: 22.11.2009 20:48 Print

Blair hat Briten über Irak-Einsatz getäuschtBlair hat Briten über Irak-Einsatz getäuscht

Schlechte Ausrüstung, überstürzter Einsatz, keinen Plan - und ein Premierminister, der die Bürger täuschte: Beim Einmarsch britischer Soldaten in den Irak ist es nach einem Regierungsbericht zu gravierenden Pannen gekommen.

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Das geht aus offiziellen Dokumenten hervor, wie der «Sunday Telegraph» berichtete. In zwei Tage beginnt in Grossbritannien die Anhörungen einer parteiübergreifenden Untersuchung zum Irak-Krieg. Aus den Dokumenten, die der Zeitung zugespielt wurden, soll zudem hervorgehen, dass der damalige Premierminister Tony Blair die Öffentlichkeit getäuscht habe.

Demnach habe es schon im Februar 2002 Pläne für eine Invasion und einen Sturz des Regimes von Saddam Hussein gegeben. Blair hatte zu dieser Zeit behauptet, dass es Grossbritannien nur um Abrüstung gehe und keine militärischen Aktionen geplant seien.

Fehlendes Konzept

Zu den Dokumenten gehörten dem Blatt zufolge auch Niederschriften von Aussagen hochrangiger Militärs, die ihren Ärger über eine schlechte Vorbereitung der Invasion Luft machen. Demnach habe es bei den Plänen für den Einmarsch im März 2003 kein Konzept für den Fortgang der Operation nach dem Fall der Hauptstadt Bagdad gegeben.

Zudem seien Pannen beim Nachschub aufgetreten. Schutzwesten seien nicht rechtzeitig zum Kampfeinsatz eingetroffen, zudem habe es an Stiefeln und Schutz gegen chemische Waffen gefehlt.

Manche Soldaten, die mit zivilen Fluggesellschaften eingeflogen wurden, hätten ihre Ausrüstung als Handgepäck befördern müssen. Zudem seien Waffen von Sicherheitsbehörden an Flughäfen einbehalten worden. Manche Soldaten hätten nur fünf Schuss Munition gehabt. Weil die Funkgeräte der Armee die Hitze nicht vertrugen, hätten sich Soldaten mit Handys verständigen müssen.

Blair sagt aus

Zwar sei der Kampfeinsatz als deutlicher militärischer Erfolg eingeschätzt worden, allerdings sei der Gegner auch eine drittklassige Armee gewesen. «Ein fähigerer Gegner hätte die Unzulänglichkeiten schwer bestraft», hiess es in dem Bericht.

Bei der Untersuchung des Irak-Kriegs, die Ende Juli formell begonnen hatte, wird bei den mehrmonatigen Anhörungen auch der ehemalige britische Premierminister Tony Blair aussagen. Blair hatte Grossbritannien an der Seite der USA 2003 in den Irakkrieg geführt - trotz grossen Widerstandes im eigenen Land. Bei der Untersuchung handelt es sich nicht um einen Gerichtsprozess, weshalb es keine strafrechtlichen Konsequenzen geben wird.

(sda)