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Abzug aus dem Irak
16. Dezember 2011 18:04; Akt: 16.12.2011 18:04 Print
Ein ungeliebter Krieg geht zu Ende
von Peter Blunschi - Die US-Armee hat ihre Flagge im Irak eingeholt. Fast neun Jahre nach der Invasion zieht sie ab. Zurück bleibt ein Land, das vor einer ungewissen Zukunft steht.
Es gibt viele Bilder aus diesem Krieg, die hängen geblieben sind. Eines zeigt US-Präsident George W. Bush, wie er am 1. Mai 2003 an Bord des Flugzeugträgers «USS Abraham Lincoln» das Ende des Irak-Kriegs verkündete. Im Hintergrund ein Banner mit der Aufschrift «Mission accomplished» – Auftrag ausgeführt. Heute gilt dieses Bild als Symbol für die Ignoranz und Überheblichkeit, mit der die USA in dieses Abenteuer marschiert waren.
Bildstrecken US-Soldaten verlassen den Irak Infografik Die teuersten Kriege der USAEthnien im IrakDenn erst jetzt, acht Jahre und neun Monate später, ist der Krieg für die Amerikaner wirklich zu Ende. Am Donnerstag hat die US-Armee ihre Flagge in einer feierlichen Zeremonie im Beisein von Verteidigungsminister Leon Panetta offiziell eingeholt. Bis Ende Jahr werden die letzten 4000 Soldaten abziehen. Es verbleiben ein paar hundert US-Ausbildner der irakischen Sicherheitskräfte – und rund
Kein «zweites Vietnam»
Entgegen manchen Unkenrufen ist der Irak nicht zu einem «zweiten Vietnam» geworden. Es gibt keine Aufnahmen wie jene von 1975 aus der Botschaft in Saigon, als sich verzweifelte Menschen um die Plätze im letzten Helikopter prügelten. Die US-Soldaten im Irak können «erhobenen Hauptes» abziehen, wie Präsident Barack Obama am Mittwoch in einer Ansprache auf der Militärbasis Fort Bragg in North Carolina erklärt hatte. Er hatte den Krieg als damals noch kaum bekannter Senator im Bundesstaat Illinois von Beginn an abgelehnt.
Nun erklärte Obama, die USA hinterliessen «einen souveränen, stabilen und selbständigen Irak, mit einer vom Volk gewählten Regierung». Zumindest bei der Stabilität ist ein grosses Fragezeichen angebracht. Dies zeigt nur schon die Tatsache, dass die Abschiedszeremonie vom Donnerstag in einem abgeriegelten, schwer bewachten Bereich des Flughafens von Bagdad durchgeführt worden war. Zwar hat sich vieles im Irak positiv entwickelt, die Gewalt hat stark abgenommen. Doch noch immer kommt es regelmässig zu blutigen Anschlägen.
Die Wahnvorstellungen der Neocons
Von Beginn an war so ziemlich alles schief gelaufen. Es begann mit den «Lügen» über Massenvernichtungswaffen und die Verbindungen von Diktator Saddam Hussein zu den Attentätern vom 11. September 2001. Beides erwies sich als Fata Morgana. Bald zeigte sich auch, dass die neokonservativen Falken in der Bush-Regierung keine Ahnung hatten, wie es nach dem Sturz von Saddam Hussein weitergehen sollte. In ihrem Wahn glaubten sie, den Irak in eine prowestliche und proisraelische Musterdemokratie verwandeln zu können.
Bezeichnend ist eine von der BBC zitierte Anekdote, wonach ein hoher irakischer Politiker Präsident Bush kurz vor Beginn der Invasion am 20. März 2003 vor den Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten gewarnt haben soll. Bush sei «vollkommen überrascht» gewesen. Es folgten gravierende Fehler: Statt rasch eine irakische Regierung einzusetzen, installierten sich die USA als Besatzungsmacht. Sie lösten die irakische Armee auf und schufen ein Sicherheitsvakuum. Und mit dem Verbot von Saddams Baath-Partei drängten sie viele Sunniten in den Untergrund, wo sie sich dem Terrornetz Al Kaida anschlossen.
Gegensätze sind nicht überwunden
Der Bürgerkrieg kostete rund 4500 US-Soldaten und
Nun müssen die Iraker selbst für ihre Sicherheit sorgen. Ob sie dazu in der Lage sind, bezweifeln viele. Auch politisch ist das Land alles andere als gefestigt. Der schiitische Ministerpräsident Nuri al Maliki liefert sich einen permanenten Machtkampf mit säkularen und sunnitischen Kräften. Auch die alten Gegensätze sind nicht überwunden. Seit Jahren streiten Araber und Kurden um die ölreiche Region Kirkuk. Und die anhaltenden Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten könnten durchaus in eine neue Welle der Gewalt münden.
Stellvertreterkrieg zwischen Saudis und Iranern?
Der Schiit Maliki hat den Irak nicht etwa näher an Israel, sondern an den ebenfalls schiitischen Iran heran geführt. Viele verfolgen diese Entwicklung mit Sorge. Der deutsche Terrorismus-Experte Guido Steinberg befürchtet, der Irak könnte zum Schauplatz eines «Stellvertreterkriegs» zwischen Saudi-Arabien und Iran werden. Die Eskalation der Spannungen zwischen den beiden «Erzfeinden» am Golf sei «die möglicherweise grösste Gefahr für die Zukunft des Irak», so Steinberg im Berliner «Tagesspiegel».
Neokonservative «Betonköpfe» wie der frühere UNO-Botschafter John Bolton attackieren aus diesem Grund Barack Obama für den aus ihrer Sicht verfrühten Abzug. Sie übersehen, dass sich die Iraker selbst geweigert hatten, allenfalls verbliebenen US-Soldaten Immunität vor Strafverfolgung zu gewähren. Ausserdem zeigen Umfragen, dass mehr als 70 Prozent der US-Bevölkerung die Heimkehr ihrer Truppen befürworten. In wirtschaftlich schweren Zeiten haben die Amerikaner die Nase voll von aussenpolitischen Abenteuern.
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Alle 28 Kommentare






























Die Welt hat einfach passiv zugeschaut
ja gibt es denn auch geliebte Kriege?
verantwortung
hören wir doch auf alles was die usa machen schlecht zu reden, klar sind die umstände unter welchen die usa den krieg im irak begonnen haben nicht ganz sauber gewesen. vieleicht hat dieser krieg die welt ein bisschen besser gemacht und die gefallen soldaten haben ihr leben nicht um sonst verloren. die usa steht zu ihrer verantwortung in der weltgeschichte und übernehmen ihre führungsrolle. europa soll in zukunft vermehrt ihre verantwortung übernehemen und die allfälligen konsequenzen tragen. europa muss sich weder vor den usa noch von sonst einem land verstecken.........
Syrien...
Was heute als arabischer Fruehling bezeichnet wird, haben die Amis schon vor einer Ewigkeit begonnen! Zwar aus anderen Motiven, aber das Resultat ist das gleiche: Diktaturen und Terror-Regimes wurden gestuerzt! Ob die Iraker von diesem Geschenk gebrauch machen oder nicht, ist eine andere Frage. Ich bin sicher, genauso wie die Libyer Froh ueber die NATO waren, waeren es auch die Syrier ueber die Amis, wenn sie den dort Eingreifen wuerden! Aber diesmal wird es nicht passieren, zu viel Kritik wurde geuebt an den Amis, zu hoher Blutzoll geleistet, die Syrier werden weiterhin abgeschlachtet!
schawchsinn!
Geschenk? du sagst die ermordung von über einer Million "angeblicher Terroristen" die lediglich ihre Familie schützen wollten sei ein geschenk! Ein Geschenk ist jeder erschossene Soldat! Jetzt werden lediglich die offizielle armee zurückgezogen und überlässt das land den Privaten "Securita-Milizen" der Amerikaner!
Alkaida und Co.
Ziemlich mutig von Ihnen, ein Kommentar einfach als Schwachsinn zu bezeichnen, ohne dafür Stichhaltige Argumente zu liefern! Wer verübt den die täglichen Anschläge in der islamischen Welt!? Wer schlachtet das eigene Volk ab!? Es genügt die Bekennerschreiben zu lesen, die Fernsehauftritte der Islamisten zu verfolgen, die Nachrichten zu schauen und schon haben Sie alle Antworten!
Ganze Völker sind Dankbar!
Herr Aydin, fragen Sie doch mal die Syrier, was sie über ein mögliches Eingreiffen, analog Libyen, denken! Oder die Iraker über den US- Einsatz, welche vom Sadam- Regime mit Giftgas angegriffen wurden und Familienangehörige verloren haben! Oder die Libyer über den NATO- Einsatz, Nota bene wieder mit US- Beteiligung und unter ihrer Führung! Die USA können nicht überall Eingreifen, jedoch soll man nicht zögern, wenn es eine Möglichkeit zum Eingreifen gibt, diese auch wahrzunehmen, ganze Völker werden Dankbar sein! Wollt ihr Bsp.!? 1+2 Weltkrieg, Bosnien, Libyen, Irak, Afghanistan, Kosovo etc.!!!
I. Gori hat recht
Mag ich!