USA rüsten ab

08. Februar 2012 18:37; Akt: 08.02.2012 18:38 Print

Mega-Botschaft in Bagdad wird ausgedünntMega-Botschaft in Bagdad wird ausgedünnt

Die USA wollen nach dem Truppenabzug auch das Personal ihrer gigantischen Botschaft im Irak drastisch reduzieren. Die Pläne sind ein Indiz für den abnehmenden Einfluss der Amerikaner.

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Der Haupteingang der US-Botschaft in Bagdad, bewacht von einem Angestellten einer privaten Sicherheitsfirma. Diese machen den grössten Teil des Personals aus. (Bild: Keystone/Scott Nelson/pool)

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Die USA unterhalten im Irak die weltweit grösste diplomatische Vertretung überhaupt. Auf einer Fläche von rund 42 Hektaren in der Grünen Zone in Bagdad arbeiten derzeit etwa 16 000 Personen. Dieser Bestand soll um bis zu 50 Prozent reduziert werden, berichtete die «New York Times». Als Grund wurden der sinkende Einfluss Washingtons sowie die schlechtere Sicherheitslage für US-Bürger seit dem Abzug der US-Streitkräfte Ende 2011 genannt.

Aus diesem Grund seien die Amerikaner weitgehend zum Verbleib in der Botschaft verdammt, schrieb die Zeitung. Kontakte mit gewöhnlichen Irakern gebe es kaum. Auch seien sie frustriert über Behinderungen von Seiten der irakischen Regierung. So kommt es seit dem Abzug der US-Truppen immer wieder zu Problemen und Verzögerungen bei der aufwändigen Versorgung der Mega-Botschaft, ebenso bei der Ausstellung von Visa.

Sechs Milliarden Dollar pro Jahr

Unter diesen Umständen seien die Kosten von rund sechs Milliarden Dollar pro Jahr kaum zu rechtfertigen, hiess es weiter. Botschaftssprecher Michael McClellan erklärte, man wolle vermehrt Iraker anstellen und die lokale Wirtschaft berücksichtigen. Auch die Zahl der derzeit rund 2000 Diplomaten werde überprüft. Eine Sprecherin des Aussenministeriums wollte die Angaben nicht kommentieren. Sie sagte, die USA seien dabei, ihrer Botschaft in Bagdad «die richtige Grösse» zu geben. Sie solle an den «heutigen Irak» angepasst werden: «Wir haben hier eine Botschaftsstruktur, die für eine andere Zeit gebaut wurde.»

Der Bau der gigantischen Vertretung mit Kosten von rund 750 Millionen Dollar war als notwendig bezeichnet worden, um den Nachkriegs-Irak auf seinem Weg zur Demokratie zu unterstützen. Die Iraker zweifelten stets an dieser Begründung. Die Parlamentsabgeordnete Nahida al-Dayni von der Irakija-Partei sprach gegenüber der «New York Times» aus, was viele denken: «Die USA hatten einen Hintergedanken, als sie die Botschaft so gross bauten. Vielleicht wollen sie vom Irak aus den Nahen Osten regieren, mit der Botschaft als Basis.»

Machtkampf in der Regierung

Die Erkenntnis, dass die diplomatische Vertretung masslos überdimensioniert ist, basiert auch auf der ernüchternden Tatsache, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und der irakischen Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki laufend verschlechtern. Kaum waren die letzten US-Soldaten abgezogen, lieferte sich Maliki einen Machtkampf mit der aus Sunniten und säkularen Kräften bestehenden Irakija-Partei, mit der er eigentlich eine Koalition bildet.

Die Irakija-Partei, die im Parlament über 82 Abgeordnete verfügt und mit neun Ministern an der Regierung beteiligt ist, hatte darauf den Boykott der Regierung und des Parlaments beschlossen. Am Dienstag kam es zu einer gewissen Entspannung, als die Partei den Boykott beendete. Ihre Minister hätten an der Sitzung des Kabinetts teilgenommen, sagte Regierungsberater Ali Mussawi. Doch eine Eskalation ist jederzeit wieder möglich.

(pbl/sda)

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  • zweifler am 08.02.2012 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    botschaft in divisionsstärke

    16000 botschaftsangehörige,hahahah. soll mir mal einer erklären was die dort konkret für arbeit verrichten. warscheinlich sind das 50-200 diplomaten. der rest, nehme ich an, sind soldaten und nachrichtenagenten.