Spannungen im Irak

30. Mai 2008 18:39; Akt: 09.06.2009 15:44 Print

Missionarischer Soldat wollte Muslime bekehrenMissionarischer Soldat wollte Muslime bekehren

Die US-Streitkräfte im Irak haben mit dem zweiten religiös sensiblen Zwischenfall innerhalb eines Monats zu kämpfen: In der einstigen Aufständischen-Hochburg Falludscha soll ein Marineinfanterist an einem Kontrollpunkt christliche Münzen verteilt haben.

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Darauf waren in arabischer Sprache eine Frage nach dem ewigen Leben geprägt und ein Bibelzitat aus dem Neuen Testament. Sunnitische Geistliche reagierten mit Empörung, die US-Streitkräfte suspendierten den Soldaten.

Der Marineinfanterist habe auf eigene Faust gehandelt, betonte Oberstleutnant Chris Hughes. Mitgliedern des Militärs sei es nicht gestattet, missionarisch für eine Religion gleich welchen Glaubens und Ritus zu werben. «Es deutet alles darauf hin, dass es sich um einen isolierten Zwischenfall handelt - einen einzelnen Marineinfanteristen, der auf eigene Rechnung Münzen ausgibt.»

Allerdings haben die Streitkräfte gerade erst die Welle der Empörung nach einem Zwischenfall im Westen Bagdads geglättet, nachdem ein US-Scharfschütze den Koran als Zielscheibe für seine Schiessübungen benutzt hatte. Der Mann wurde aus dem Irak versetzt.

Sunniten empört

Ein einflussreicher sunnitischer Stammesführer in Falludscha, Scheich Abdul-Rahman al-Subaije, sagte, der Vorfall mit den Münzen sei nicht zufällig geschehen. «Es wurde geplant und mit Vorsatz umgesetzt», sagte er. «Die sunnitische Bevölkerung kann so etwas nicht akzeptieren und erdulden. Ich werde vielleicht nicht in der Lage sein, die Kontrolle zu behalten, wenn sich solche Dinge wiederholen.»

Die Allianz mit den Stammesführern ist für die US-Streitkräfte im sogenannten sunnitischen Dreieck von grosser strategischer Bedeutung. Erst als sich die Stammesführer von der Al Kaida im Irak lossagten, besserte sich die Sicherheitslage in dem Gebiet.

Empörung über Abkommen

Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Irak über ein langfristiges Militärhilfe- und Partnerschaftsabkommen gestalten sich schwierig. Schiitische Geistliche verschiedener Strömungen kritisierten das geplante Abkommen am Freitag.

Sie erklärten einhellig, sollte die irakische Regierung das Abkommen in der von den USA gewünschten Form unterzeichnen, so hätte dies für die Iraker einen dauerhaften Verlust der staatlichen Souveränität zu Folge.

(SDA/AP)